vergrößernverkleinern
Strahlend in die Zukunft: Trainer Rangnick, Hildebrand (M.) und Manager Schindelmeiser (r.) © getty

Eine turbulente Woche mit Verbalduellen und der Verpflichtung des Torwarts soll mit einem Sieg gegen Schalke gekrönt werden.

Von Martin Volkmar

München - Eins dürfte schon vor dem letzten Hinrunden-Spieltag feststehen:

Nach dieser Woche wird in Hoffenheim nichts mehr so sein wie es war.

Mit einem Heimsieg am Sonntag gegen Schalke 04 (ab 16.30 LIVE ) wäre das Überraschungsteam Herbstmeister vor dem großen FC Bayern. (Die Tabelle)

Das ist in der Bundesliga-Geschichte nur einem Aufsteiger gelungen: Der 1. FC Kaiserslautern wurde danach 1998 auch sensationell Deutscher Meister.

Trotzdem bleibt der Halbzeit-Titel ein Tabu-Thema im Kraichgau. "Es geht nicht um diesen Pseudo-Titel, sondern nur um den Sieg gegen Schalke", bekräftigt Trainer Ralf Rangnick.

Diese Sprachregelung haben auch alle anderen in Hoffenheim übernommen: Das "H-Wort" kommt keinem über die Lippen.

"Das spielt überhaupt keine Rolle"

"Die Herbstmeisterschaft und solche Symbole, die für manchen eine Rolle spielen, sind für uns absolut bedeutungslos. Das spielt überhaupt keine Rolle", sagt Manager Jan Schindelmeiser im Gespräch mit Sport1.de.

"Unser nächstes Ziel ist, gegen Schalke zu gewinnen. Über alles andere reden wir später."

Dafür reden alle anderen über 1899 Hoffenheim und deren realistische Ambitionen, im ersten Jahr im Oberhaus ins internationale Geschäft einzuziehen, zumal nach dem Einkauf von Timo Hildebrand.

Auch wenn Schindelmeiser auch davon nichts wissen will. "Bei uns wird auch nicht über die Champions-League fabuliert", dementiert er eine veränderte Zielsetzung.

"Es gibt auch keinen Paradigmenwechsel in unserer Transferpolitik. Ganz im Gegenteil. Wir werden weiter schwerpunktmäßig auf junge, hochtalentierte und entwicklungsfähige Spieler setzen. Dies ist weiter elementarer Bestandteil unserer Philosophie."

Hildebrand-Transfer als Ende der Zurückhaltung?

Doch der spektakuläre Hildebrand-Transfer wird von vielen als deutliches Signal gedeutet, zumal sich die Badener alternativ auch um Robert Enke von Hannover 96 bemüht haben sollen.

"Dass die TSG in dieser Saison oben mitspielt, war bisher schon klar - nun sind sie noch stärker geworden", sagte Wolfsburgs Coach Felix Magath dem "kicker".

Und auch Ex-Nationaltorwart Hildebrand wäre sicher nicht nach Deutschland zurückgekommen, wenn er keine großen Ziele hätte. "Die Art und Weise, wie Hoffenheim Fußball spielt, hat mich begeistert", erklärte der 29-Jährige bei seiner Vorstellung am Mittwochabend.

"Das war eine Ausnahme"

"Dass ich mich für Hoffenheim entschieden habe, hat allein sportliche Gründe. Ich will wieder angreifen. Wenn es mir ums Geld gegangen wäre, hätte ich woanders hingehen müssen."

Auch den Verantwortlichen beim als "Millionen-Klub" verschrienen Verein ist es offenbar wichtig , diesen Aspekt herauszustellen. "Timo war extrem bereit, sich in unser Gehaltsgefüge einzugliedern", betont Schindelmeiser.

"Und er wird hier aufgrund der besonderen Konstellation eine Ausnahme bleiben. Wobei uns bewusst war, dass seine Verpflichtung Raum für anderweitige Interpretationen lassen würde. Aus dem Transfer von Timo auf eine geänderte Zielsetzung zu schließen ist ebenso falsch."

Torwartposition als Schwachstelle

So sieht es auch Rangnick. "Die Torwartposition ist eine ganz besondere Position, die wir bewusst aus unserer sonstigen Personalplanung ausgeklammert haben", meint der Coach.

In der Tat gilt Torwart Daniel Haas ebenso wie der letztjährige Stammkeeper Ramzan Özcan als große Schwachstelle des Teams. Rangnick bemühte sich zwar, den Eindruck eines offenen Konkurrenzkampfs zu vermitteln. "Timo wird nicht automatisch unsere Nummer eins. Er weiß, dass er zwei starke Rivalen hat", sagte er.

Doch Hildebrand wurde natürlich nicht für die Ersatzbank verpflichtet. Daher wollten die Hoffenheimer mit der Bekanntgabe des Transfer-Coups auch bis nach dem Schalke-Spiel warten, um nicht für unnötige Unruhe zu sorgen.

Dabei gab es in der Woche nach dem Spitzenspiel beim FC Bayern schon genug Wirbel in und um Hoffenheim, weil der Rekordmeister den neuen Konkurrenten auch nach dem Sieg weiter mit Sticheleien überzog.

Keine weiteren Diskussionen mit Bayern

Im Kraichgau versuchte man, das Verbalduell nicht weiter anzuheizen. "168 Länder haben zwei Mannschaften gesehen, die erstklassige Werbung für den deutschen Fußball betrieben haben", sagte Schindelmeiser Sport1.de.

"Warum sollen wir uns Tage später auf Diskussionen einlassen, die einer ausgesprochen selektiven Wahrnehmung der Wirklichkeit entspringen?"

Schließlich stand das nächste Top-Thema mit der Verpflichtung Hildebrands schon vor der Tür. Und als Krönung dieser Woche folgt nun das abschließende Spiel um Platz eins, ausgerechnet gegen Rangnicks Ex-Klub Schalke 04.

"Das nehmen wir gerne mit"

Doch bis dahin gilt: Ball flach halten in Baden. "Wir haben noch ein Spiel, das wollen wir gewinnen", meint Schindelmeiser.

"Und wenn dann ein möglicher Sieg zur Konsequenz hat, dass man die Vorrunde als Erster abschließt, kein Problem. Das nehmen wir gerne mit."

Immerhin.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel