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Dieter Hecking gibt seit Dezember 2009 in Nürnberg die Richtung vor © getty

Im 13. Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Nürnbergs Trainer Dieter Hecking über die Neuzugänge und die langfristigen Ziele.

Von Thorsten Mesch

Zell am Ziller - Der 1. FC Nürnberg war eines der Überraschungsteams der vergangenen Saison. Das junge Team träumte lange vom internationalen Geschäft und landete am Ende auf Platz sechs.

In der Sommerpause haben jedoch mehrere Leistungsträger den Verein verlassen. Mehmet Ekici und Andreas Wolf wechselten nach Bremen, Ilkay Gündogan schloss sich dem Deutschen Meister Borussia Dortmund an und Julian Schieber kehrte zurück zum VfB Stuttgart.

Der Club will seine Linie beibehalten und setzt weiterhin auf junge Talente. Als Ersatz wurden daher Spieler wie Daniel Didavi, Alexander Esswein oder Timm Klose verpflichtet. Hinzu kommt der erfahrenere Markus Feulner.

"Wir haben versucht, die Abgänge durch die Neuverpflichtungen so zu kompensieren, dass es keinen großen Stilbruch gibt", sagt Trainer Dieter Hecking.

Der Coach steht vor der schwierigen Aufgabe, den Erfolg aus dem Vorjahr zu bestätigen und vor allen Dingen die neue Mannschaft zu formen.

Im 13. Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Hecking über die Stärken seiner neuen Schützlinge, die Ziele in diesem Jahr und Kontinuität in Nürnberg.

SPORT1: Herr Hecking, wie ist der Stand der Vorbereitung?

Dieter Hecking: Die Mannschaft hat in den letzten Wochen sehr gut gearbeitet. Ich bin froh, dass wir bis auf Mike Frantz keine Verletzten zu beklagen haben. Mit dem, was bis jetzt gelaufen ist, bin ich absolut einverstanden.

SPORT1: Ist es angesichts der Abgänge besonders wichtig, immer möglichst die volle Mannstärke zur Verfügung zu haben?

Hecking: Natürlich, besonders für die neuen Spieler, die noch an den Automatismen arbeiten müssen, ist es wichtig, möglichst jede Einheit mitzutrainieren.

SPORT1: Unterscheidet sich das, was Sie trainieren und dann spielen lassen, durch die Abgänge von dem, was Sie in der vergangenen Saison gemacht haben?

Hecking: Nein. Im Gegenteil: Wir haben die neuen Spieler ja danach ausgesucht. Wir haben versucht, die Abgänge durch die Neuverpflichtungen so zu kompensieren, dass es keinen großen Stilbruch gibt. Gegen Ajax haben wir zum Beispiel sehr viel Druck über die Flügel gemacht, daran erkennt man eine Weiterentwicklung des Kaders.

SPORT1: Ist es, auch angesichts der Abgänge, besonders wichtig, als Mannschaft perfekt zu funktionieren?(SERVICE: Die Sommerfahrpläne)

Hecking: Das hat mit den Abgängen überhaupt nichts zu tun. Der 1. FC Nürnberg muss immer über die Mannschaft und nicht über Individualisten kommen. Das müssen auch die neuen Spieler verinnerlichen.

SPORT1: Welche individuellen Stärken bringen die neuen Spieler mit?

Hecking: Klose bringt Zweikampfführung und ein gutes Aufbauspiel mit, Feulner bringt das taktische Erkennen von Pressing-Situationen mit, Didavi ist ein spielintelligenter Fußballer, Esswein hat eine sehr gute Dynamik, Pekhart braucht zwar noch etwas, muss sich noch ans Tempo gewöhnen, aber auch er kann für Furore sorgen. Ich denke, dass wir auf dem Niveau sind, das wir auch zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatten.

SPORT1: Nach dem Pokalsieg 2007 ist der FCN in der danach folgenden Saison abgestiegen. Sehen Sie die Gefahr, dass nach dem guten sechsten Platz zu hohe Erwartungen an die Mannschaft gestellt werden oder im Team falsche Vorstellungen herrschen? Und wie kann man dem entgegenwirken?

Hecking: Wenn wir wieder Sechster werden würden, wäre es wieder gut. Dagegen sträuben wir uns nicht. Aber es ist nicht zu erwarten. Da müssen wir schon realistisch sein, denn im letzten Jahr sind einige Vereine weit hinter ihren Möglichkeiten geblieben. Ob diese Vereine in dieser Saison schon wieder so gut sind, dass sie vor uns stehen, diesen Beweis müssen diese Vereine antreten, nicht wir. Wir müssen unsere Leistung abrufen und ich denke, dass wir gut daran tun, wenn wir wieder sagen, wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte haben. Dieses Ziel wird sich auch im nächsten und übernächsten Jahr nicht ändern. Wir müssen kontinuierlich daran arbeiten, die Klasse zu halten. Dadurch bekommen wir einen höheren Stellenwert und mehr wirtschaftliche Kraft. Wenn wir mal in den Europapokal wollen oder noch höher, muss alles zusammenkommen. Das wissen wir.

SPORT1: Sie haben Ihren Vertrag bis 2014 verlängert. Sind Sie in Nürnberg jetzt dort, wo Sie hin wollten und kommt mit Ihnen die Kontinuität in den Club, die es früher nicht gab?

Hecking: Ich denke, das ist das Bestreben von Martin Bader, wobei wir beide wissen, dass die sportlichen Ergebnisse zählen. Da sind wir nicht blauäugig. Ich persönlich habe bei meinen Vereinen eigentlich immer lange gearbeitet. Ich war drei Jahre in Lübeck und fast drei Jahre in Hannover. Aachen war der einzige Verein, bei dem ich vorher aus dem Vertrag raus bin. Ob ich jetzt meinen Traumverein gefunden habe? Es macht riesig Spaß, was eine ganz wichtige Voraussetzung ist. Es ist momentan ein stimmiges Miteinander, getragen vom sportlichen Erfolg. Wichtig wird sein, dass wir in einer Phase, in der es mal nicht so gut läuft, dass wir genauso stabil und eng zusammen stehen.

SPORT1: Beim 2:0 gegen Amsterdam fehlten in der Startelf einige Spieler, die in der vergangenen Saison zum Stamm gehörten. Wir groß wird der Kampf um die Plätze?

Hecking: Es wird noch ein Hauen und Stechen geben. Aber aus der Aufstellung gegen Ajax Rückschlüsse für die Spiele gegen Bielefeld im Pokal oder gegen Hertha zu ziehen, das halte ich für zu früh.(DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

SPORT1: Glauben Sie, dass sich in der Liga die "wahren" Kräfteverhältnisse wieder einpegeln werden?

Hecking: Man erwartet es vielleicht, aber wenn man die Bundesliga im Moment beobachtet, haben einige Vereine, die in der letzten Saison Probleme hatten, einen Umbruch vollzogen, bei dem man noch nicht genau weiß, ob sie dieser wieder in die Spitzengruppe der Bundesliga führt.

SPORT1: Und was erwarten Sie im Titelkampf?

Hecking: Bayern wird Meister ohne wenn und aber. Die werden einen Durchmarsch machen, davon bin ich überzeugt. Dortmund wird alles versuchen, um die Deutsche Meisterschaft zu wiederholen. Auch Leverkusen wird alles möglich machen, um in diesen Zweikampf eingreifen zu können.

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