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Volker Finke (l.) arbeitet seit dem 1. Februar als Sportdirektor in Köln © imago

Hinter Lukas Podolskis Degradierung steckt eine bewusste Strategie von Trainer Solbakken. Volker Finke stärkt ihm den Rücken.

Von Thorsten Mesch und Marc Strasskewitz

München - Auf seine Degradierung (Bericht und Video) reagierte Lukas Podolski mit Unverständnis.

"Ich kann die Gründe nicht zu hundert Prozent nachvollziehen", schrieb der ehemalige Kapitän des 1. FC Köln am Montagnachmittag auf seiner Facebook-Seite.

Dass der neue Trainer Stale Solbakken dem Kölner Volkshelden die Spielführerbinde abgenommen hat und Pedro Geromel zu seinem Nachfolger ernannt hat, mag zwar kurios erscheinen.

Die Entscheidung ist aber als ein Teil der Strategie von Solbakken und Sportdirektor Volker Finke durchaus nachvollziehbar.

Konzeptfußball statt Heldenanbetung

Konzeptfußball und Verantwortung auf vielen Schultern statt Heldenanbetung - Solbakken und Finkes Plan könnte man salopp als eine kölsche "Anti-Messias-Bewegung" bezeichnen.

"Köln muss sich eins abgewöhnen: Dass ein Mann die Dinge macht. Das haben sie dreimal versucht", hatte Finke nach dem Trainingslager des FC gegenüber SPORT1 gesagt.

Nach der Installierung von Wolfgang Overath als Präsident habe man gedacht, "jetzt kommt man in die Champions League", ähnlich sei es nach der Rückkehr von Trainer Christoph Daum und schließlich Superstar und Publikumsliebling Podolski gewesen.

"Fußball geht nur im Team"

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"Fußball geht nur im Team. Fußball ist konzeptionell und nicht nur eine Person", betont Finke.

Jeder müsse "seine Rolle im Verein einfach gut ausfüllen und das ist eine Summe von Menschen, die an so einem Ding arbeiten - und nicht einer", meint der Sportdirektor, der zur in den vergangenen Wochen heiß diskutierten Kapitänsfrage immer erklärt hatte, die Entscheidung sei allein Sache des Trainers.

Solbakken habe "eine natürliche Autorität, er weiß, was er macht", so Finke zu SPORT1.

Trainer kann Enttäuschung verstehen

Dass Podolskis Entmachtung hohe Wellen schlagen würde, dessen war sich Solbakken bewusst. Vielleicht wollte der Trainer seinen Star anstacheln und die Fan-Seele bewusst erschüttern, um verkrustete Strukturen aufzubrechen.

"Ich kann nachvollziehen, welche Reaktionen diese Entscheidung auslöst, und ich verstehe die Enttäuschung einiger Fans", ließ der 43-Jährige am Montag verlauten. "Gleichzeitig bitte ich alle Fans um Verständnis, dass meine Entscheidung eine Entscheidung für die gesamte Mannschaft darstellt."

Entscheidung "nach professionellen Überzeugungen"

Er habe die Entscheidung "nach eigenen, professionellen Überzeugungen", getroffen, so der Coach.

Schließlich seien auch ohne Kapitänsbinde die Erwartungen an Podolski "bereits sehr hoch."

Als 89-facher Nationalspieler übernehme Podolski mit seiner Persönlichkeit eine Verantwortung über den Verein hinaus.

"Das ist gut so, wichtig für den 1. FC Köln und seine Fans, und ich werde ihm in dieser Rolle den Rücken stärken", kündigte Solbakken an.

Wichtige Funktion als Matchwinner

Auf dem Platz habe Podolski "als Matchwinner eine wichtige Funktion. Wir alle im Trainerteam sind überzeugt von seinen herausragenden spielerischen Qualitäten und seiner Leistungsbereitschaft."

Zieht Podolski mit, könnte Solbakkens Rechnung aufgehen.

Am Ende macht der Trainer den zuletzt eher stagnierenden Star vielleicht sogar besser, kitzelt zusätzliche Leistung aus Podolski heraus.

"Allen Beteiligten nur geschadet"

Er werde Solbakkens Entscheidung "respektieren und professionell damit umgehen", sagte Podolski dem "Express".

Wie der 1. FC Köln aber in den letzten Wochen mit der Kapitänsfrage umgegangen sei, habe aus seiner Sicht aber "allen Beteiligten nur geschadet", schriebt der 26-Jährige auf Facebook.

Ob und wem das Hickhack tatsächlich schaden wird, hängt nicht zuletzt vom sportlichen Erfolg ab.

Finke überzeugt von Solbakken

Sportchef Finke ist jedenfalls überzeugt davon, mit Solbakken die richtige Wahl getroffen zu haben:

"Es ist wirklich so: Die Gründe, warum ich Solbakken dem Verein empfohlen habe, bestätigen sich", so Finke zu SPORT1: "Er ist ein guter Trainer und deswegen hilft er uns."

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