Lukas Podolski ist enttäuscht über den Verlust der Kapitänsbinde. Doch sollte er es vielmehr als Chance für seine Entwicklung sehen.

Vielleicht hat sich der neue Kölner Trainer Stale Solbakken ja etwas dabei gedacht, Lukas Podolski die Kapitänsbinde zu entziehen. Vielleicht ist es nicht die Eröffnung einer unnötigen Baustelle.

Vielleicht will das Gespann Solbakken und Sportdirektor Volker Finke versuchen, Podolski auf diese Weise besser zu machen.

Podolski gehört zu einer von Gefühlen getragenen Spezies Spieler. Teilweise Weltklasse, wenn Trainer, Umfeld und Kollegen stimmen. Aber wenn irgendetwas diese heile Welt aus den Fugen bringt, wird aus einem Anführer schnell ein Mitläufer.

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Podolski war und ist zu abhängig von seiner Umwelt und seiner Psyche. War er gut, lag es an Trainern, die ihm grenzenloses Vertrauen schenkten, wie zuletzt sein einstiger Mentor Frank Schaefer.

War dieses Urvertrauen weg, wie unter Uwe Rapolder oder Zvonimir Soldo, war Podolski kaum noch wiederzuerkennen.

Fakt ist: Podolski hat sich seit Jahren nicht mehr grundlegend verbessert. Werbestar, Gallionsfigur, Nationalheld: Das alles hat er schon durchlebt. Er kommt auf 89 Länderspiele und bestreitet ab August nunmehr schon seine siebte Erstligasaison.

Bei Bundestrainer Joachim Löw gesetzt, vom 1. FC Köln auf den Thron gehievt. Eine äußerst bequeme Situation, aber sie bedeutet auch Stagnation. Irgendwann auf diesem Weg hat er seine persönliche Entwicklung vernachlässigt.

Podolski könnte, nein, er müsste schon viel weiter sein. Nur der absolute Wille scheint ihm zu fehlen.

Kein rechter Fuß, kaum Kopfballspiel und zu wenig Ernsthaftigkeit. Mit 26 Jahren muss Podolski endlich den nächsten Schritt gehen. Er muss auch ohne Kapitänsbinde Top-Leistungen abliefern. Und das nicht nur für die Dauer einer Halbserie.

Der Neu-Leverkusener Andre Schürrle ist auf dem besten Weg, Podolski die linke Seite im Nationalteam streitig zu machen. Und das vor "seiner" EM.

Seine Verwandten und Freunde blicken im nächsten Jahr nach Polen. In sein Geburtsland. Es würde Podolski sicher nicht schmecken, gerade bei diesem Turnier nur zweite Wahl zu sein.

Der vermeintliche Degradierung könnte der Nadelstich zu rechten Zeit sein. Am Ende formt Solbakken dadurch vielleicht einen Spieler, der endlich ernsthaft an seinen Schwächen arbeitet.

Einen, der sich nicht durch Nebensächlichkeiten aus der Bahn werfen lässt. Einen wirklichen und konstanten Leader.

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