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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Klaus Allofs in München zum Interview © getty

Werder-Manager Klaus Allofs spricht im SPORT1-Interview über die brenzlige Lage im Klub, über Abstiegsangst und seine Zukunft

Von Reinhard Franke

München - Klaus Allofs wirkt angespannt. Zum ersten Mal seit sieben Jahren wird Werder Bremen in diesem Jahr nicht international vertreten sein.

Nun verschärft die Pokal-Pleite beim Drittligisten Heidenheim(Bericht) die brenzlige Situation weiter.

Der Geldtopf bleibt an der Weser also leer. Große Transfers konnten nicht getätigt werden.

Stehen Tim Wiese und Per Mertesacker vor ihrer letzten Saison im grün-weißen Trikot?

Allofs macht sich Sorgen, sagt aber im Interview mit SPORT1 auch, dass die letzten guten Jahre "keine Selbstverständlichkeit für den Verein waren."

SPORT1: Herr Allofs, Werder Bremen ist in der ersten Pokalrunde bei Drittligist Heidenheim ausgeschieden. Können Sie noch ruhig schlafen?

Klaus Allofs: Ich habe das große Glück, dass ich - egal wie brenzlig die Situation ist - gut schlafen kann. Das heißt nicht, dass wir unsere Situation auf die leichte Schulter nehmen. Wir wissen, dass wir vor einer schwierigen Saison stehen. Bei uns wird es auch mal lauter, aber ich denke das sollte intern geschehen. Wir sind der Überzeugung, dass wir wieder zum Erfolg zurückfinden werden.

SPORT1: In den letzten sieben Jahren im internationalen Geschäft spielten Sie sechs Mal in der Champions League, diese Saison fehlt Werder Bremen im internationalen Schaufenster.

Allofs: Wir wissen, dass diese letzten Jahre keine Selbstverständlichkeit waren. Aber dennoch wollen wieder in diese Regionen vorstoßen. Wir wissen, dass die Konkurrenz noch größer geworden ist, aber ich glaube trotzdem, dass wir gute Voraussetzungen haben wieder erfolgreich zu sein.

SPORT1: Wird es die schwerste Saison, seit Sie in Bremen sind?

Allofs: Das will ich nicht sagen. Die schwerste ist generell immer die Saison, die man vor der Brust hat. Wir hatten auch nach dem Double 2004 schon mal eine schwierige Situation gehabt mit den hohen Erwartungen. Es ist immer eine neue Herausforderung. Klar, wir sind aus dem Pokal ausgeschieden und das bedeutet natürlich schon, dass wir mit einem Negativerlebnis starten. Außerdem haben wir keinen internationalen Wettbewerb, der einerseits eine Belastung ist, aber auch eine unheimliche Motivation für Mannschaft und Umfeld. Ich würde sagen, es wird eine interessante Saison.

[kaltura id="0_5msyh6ww" class="full_size" title="Werder Raus aus der Krise"]

SPORT1: In Torsten Frings hat eine Identifikationsfigur den Verein verlassen. Es war zu hören, dass man ihn gegen den Willen von Thomas Schaaf abgegeben hat.

Allofs: Das ist falsch. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich habe mit dem Trainer lange darüber diskutiert und wir sind gemeinsam zu dieser Entscheidung gekommen. Wir haben in der Vergangenheit auch wichtige Spieler wie Andi Herzog, Dieter Eilts oder Marco Bode abgeben müssen. Es ist schwierig. Gibt man einen verdienten Spieler zu spät oder zu früh ab? Bei uns kamen jetzt zwei Dinge zusammen: Dass sich das Team weiterentwickeln muss und die finanzielle Sicht.

SPORT1: Per Mertesacker hat wie auch Tim Wiese seinen Vertrag noch immer nicht verlängert. Die beiden sind nach der Saison ablösefrei, werden schwer zu halten sein.

Allofs: Natürlich besteht die Gefahr, dass diese Spieler gehen werden, aber ich würde auch nicht ausschließen, dass sie bleiben. Ich kann momentan nicht sagen, wie das mit Mertesacker und Wiese laufen wird. Jeder für sich ist ein ganz wichtiger Baustein, aber die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass Spieler auch zu ersetzen sind. Aber wir möchten sie nicht ersetzen, sondern möchten mit ihnen weitermachen. Und Tim Wiese hat durchaus signalisiert, dass er bleiben möchte.

SPORT1: Es schmerzt Sie schon sehr, dass der Topf mit dem Geld aus dem internationalen Wettbewerb dieses Jahr leer bleibt, oder?

Allofs: Natürlich. Das war in den letzten Jahren immer eine ganz besondere Motivation und das ist jetzt ein Rückschlag für den Klub. Aber nochmal: Thomas Schaaf und ich haben in den letzten Jahren immer den Finger gehoben und gesagt: Nehmt das nicht als selbstverständlich hin, das ist etwas Besonderes. Außer Bayern München hat das kein anderer Verein geschafft. Uns war klar, dass auch uns irgendwann dieses Schicksal ereilen würde. Daran darf Werder Bremen aber jetzt nicht zerbrechen.

SPORT1: Marko Marin stellt Führungsansprüche, verschoss aber im Pokal gleich mal einen Elfmeter. (DATENCENTER: DFB-Pokal)

Allofs: Er hat ein gutes Spiel gemacht und eine gute Vorbereitung absolviert. Er ist auf einem richtigen Weg. Und dass er Führungsspieler werden will, ist das richtige Ziel.

SPORT1: Kann er das?

Allofs: Natürlich. Verbunden mit dem Anspruch ist, dass man gute Leistungen bringt. Das muss immer zusammen passen. 436014(DIASHOW: 1. Runde des DFB-Pokals)

SPORT1: Sie sprachen von einer neuen Philosophie im Verein. Wie sieht die aus?

Allofs: Die Philosophie bei Werder war schon immer die, dass wir nur das Geld ausgeben wollen, dass wir auch einnehmen. Wir haben im Laufe der Jahre mit einer Champions-League-Mannschaft gearbeitet. Aber vor einigen Jahren haben wir auf kleinerer Flamme gekocht und vielleicht kommt jetzt wieder so eine Phase, wo wir ein wenig bescheidener sein müssen.

SPORT1: Haben Sie Angst, dass es diese Saison gegen den Abstieg gehen könnte?

Allofs: Die Bundesliga ist grausam. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder man spielt um den internationalen Wettbewerb oder man spielt gegen den Abstieg und dass da keiner auf der sicheren Seite ist, das hat jeder in der letzten Saison gesehen. Ich glaube, dass wir in der oberen Hälfte dabei sein können, aber das heißt nicht, dass wir dieses andere Thema jetzt als unmöglich ansehen.

SPORT1: Ein Thema, das auch Ihrem Vorgänger und jetzigem Aufsichtsratschef Willi Lemke nicht gefallen kann. Wie ist Ihr Verhältnis?

Allofs: Wir kennen uns schon eine lange Zeit und ich war unter ihm als Manager noch Spieler. Da gibt es keine Feindschaft. Er ist im Aufsichtsrat, ich in der Geschäftsführung. Dass wir natürlich auch mal anderer Meinung sind, ist nichts Ungewöhnliches.

SPORT1: Wann entscheidet sich Ihre Zukunft?

Allofs: Der Aufsichtsrat hat mir ein Zeichen gegeben, dass Gesprächsbereitschaft da ist. Doch jetzt, wenn wir in die Saison starten, da spielt mein Vertrag oder der des Trainers nicht die entscheidende Rolle. Ich will keine zusätzliche Unruhe. Ich bin seit zwölf Jahren hier, da ist es klar, dass Werder eine Herzensangelegenheit ist. Wenn die Vorzeichen stimmen, kann ich mir vorstellen, dass es weitergeht. Aber jetzt müssen wir erst mal sportlich aus den Startlöchern kommen.

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