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Trainer Robin Dutt wechselte vom SC Freiburg zu Bayer Leverkusen © getty

Der Torwart zu schwach, die Abwehr zu jung, der Chef kein Leader: Kurz vor dem Start gibt es in Leverkusen mehrere Problemzonen.

Von Daniel Rathjen

München - Als wäre das nackte Ergebnis nicht schon "Problemfall" genug (Datencenter: DFB-Pokal).

Das Pokal-Aus in Dresden nach einer klaren Führung (Endstand 3:4) hat die Schwachstellen im Leverkusener Team gnadenlos entblößt.

Eine Blamage als Warnhinweis: Vor dem Saisonstart beim FSV Mainz am Sonntag gibt es einige Baustellen unterm Bayer-Kreuz (zum Bericht: Fremdkörper Ballack).

Das bedeutet Schwerstarbeit für Robin Dutt.

"Sportlich lässt sich alles erklären. Das schwierige ist das Warum", weiß der Trainer.

Michael Ballack, mit dessen Einwechslung in der 63. Minute das Unheil quasi seinen Lauf nahm, ist dabei nur ein kleiner Teil.

Ballack "kein Alibi"

"Klar, von außen wird es jetzt an ihm festgemacht", sagt Dutt. Doch er merkt auch an:

"Inhaltlich ist das nicht korrekt. Intern darf es auf keinen Fall sein, dass jemand die öffentliche Wahrnehmung als Alibi benutzt."

Ballack benötigt lediglich einen Kick - Dutt muss dafür sorgen, dass der 34-Jährige zum Ligaauftakt wieder topmotiviert ist.

Fehlende Qualität im Tor

Auf der Torhüterposition wird guter Zuspruch allein nicht ausreichen. Dort mangelt es an Qualität.

Rene Adler fällt nach seiner Knie-OP Wochen aus, wie lange er exakt noch fehlt, ist unbekannt.

Läuft alles nach Plan, steht der 26-Jährige im September wieder zwischen den Pfosten, sein Vertrag läuft am Saisonende aus.

[kaltura id="0_fah50tau" class="full_size" title="Dutt erkl rt die Pokal Schmach"]

Kommt sogar eine neue Nummer 1?

Es herrscht nicht nur deshalb eine gewisse Unsicherheit. Die Torwartfrage, so sickert aus dem Leverkusener Umfeld durch, ist längst ein zentrales Thema.

Mittlerweile scheint es sogar möglich, dass bis zum Transferschluss am 31. August sogar noch eine neue Nummer eins verpflichtet wird.

Zuletzt wurden unter anderem Jens Lehmann, Timo Hildebrand und der Pole Tomasz Kuszczak Manchester United) gehandelt.

Zwei Yelldell-Patzer in Dresden

Dass David Yelldell den hohen Ansprüchen in der Meisterschaft und in der Champions League wohl nicht genügt, wurde gegen Dresden offensichtlich.

Bei mindestens zwei Gegentoren machte der Neuzugang aus Duisburg keine gute Figur, Ruhe versprühte er keine.

Eine Stammplatzgarantie für den ersten Spieltag hat er Yelldell trotzdem:

"Es wäre das größte Alibi für die Feldspieler, wenn wir jetzt den Torwart wechseln würden. Diese Personalie steht ganz hinten an", betont Dutt.

Sorgen in der Abwehr

Dabei ist Ausstrahlung besonders gefragt, denn auch die Innenverteidigung wirkt unsicher.

Die Abstimmung zwischen Ömer Toprak und Stefan Reinartz lässt zu wünschen übrig. Ob den beiden 22-Jährigen tatsächlich das Vertrauen für eine ganze Saison ausgesprochen wird, ist fraglich.

Womöglich denken die Bosse auch über die Verpflichtung eines Routiniers für die Abwehr nach - finanzielle Mittel sind nach dem Verkauf von Arturo Vidal zu Juventus Turin zumindest reichlich vorhanden.

Dutt warnt allerdings: "Wir sollten nicht aus der Emotion heraus irgendwelche Transfers tätigen. Wir müssen diese erst abklingen lassen, dann kann man in einem Gespräch Ideen mit einbringen."

Der ehemalige Freiburger Coach sieht auch nicht alles negativ. Bis zur 60. Minute habe er "viel Positives" gesehen. Vor allem das Umschalten von Defensive auf Angriff und umgekehrt habe ihn beeindruckt.

"Das Stellungsspiel bei der Rückeroberung des Balles nach Ballverlust in der Offensive war sehr gut", lobt er.

Trotzreaktion in Mainz?

Für ihn ist die Niederlage gegen Dynamo schmerzhaft, doch lange kein Grund, Trübsal zu blasen.

"Borussia Dortmund ist im Vorjahr nach dem Aus in Offenbach Meister geworden, und Hannover hat nach der Niederlage in Elversberg die beste Saison der Geschichte gespielt", erinnert er sich.

Obwohl er weiß, dass es "keine 100-prozentige Wiedergutmachung" für die Pokalschmach geben kann, fordert Dutt nun eine Trotzreaktion.

"Ein Sieg in Mainz könnte schon so manches heilen", hofft er. Bis dahin muss er Schwerstarbeit verrichten.

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