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Mario Gomez ist auch in dieser Saison einer der Hoffnungsträger beim VfB © getty

Versprechen gibt es in Stuttgart diese Saison nicht. Doch von der Qualität her gehört der VfB zur Spitze. Die Sport1-Vorschau.

Von Andreas Messmer

München - Der Beginn der Bundesliga-Saison 2008/2009 rückt näher. Sport1.de stellt alle 18 Teams vor. Dieses Mal: VfB Stuttgart.

Mit Versprechen sind die Entscheidungsträger beim VfB Stuttgart vor der anstehenden Saison vorsichtig.

"Ich gebe keine feste Zielsetzung heraus", erklärte Trainer Armin Veh: "Dieses Spielchen mache ich nicht mit." In dieser Saison wolle man "gut spielen - und dann mal schauen, was rauskommt".

Zu sehr wirkt das vergangene Jahr nach, als die Schwaben mit viel Vorschusslorbeeren in die Post-Meisterschafts-Saison gestartet waren.

Durchwachsene Saison

Mit namhaften und teuren Neuzugängen wie Yildiray Bastürk, Ewerthon und Ciprian Marica wollte man den Erfolg in Liga konservieren und in der Champions League für Furore sorgen.

Was mit verheißungsvollen Namen begonnen hatte, wirkte am Ende wie ein uneingelöstes Versprechen. Die Auftritte in der Königsklasse waren nach der Vorrunde vorbei. In der Bundesliga landete der VfB hinter Wolfsburg auf dem ernüchternden sechsten Platz.

Trotz der durchwachsenen letzten Saison tauchen in diesem Jahr nicht die ganz großen Namen auf der Einkaufsliste der Schwaben auf. Veh ist trotzdem "überzeugt, dass wir stärker besetzt sind als vergangenes Jahr".

Wer ist neu?

Mit dem 38-jährigen Jens Lehmann verpflichtete der VfB einen populären Nachfolger für Raphael Schäfer, der inzwischen wieder für Nürnberg zwischen den Pfosten steht.

Lehmann, der sich aus der Nationalmannschaft zurückgezogen hat, genießt als erfahrener Spieler Sonderrechte und soll nach der Torwart-Rotation im vergangen Jahr (Schäfer/Ulreich/Schäfer/Ulreich) wieder für Konstanz sorgen.

Der ehemalige HSV-Verteidiger Khalid Boulahrouz kam für fünf Millionen Euro vom FC Chelsea an den Neckar. Er soll in die Fußstapfen des nach Istanbul transferierten Abwehrchefs und Leistungsträgers Fernando Meira treten.

Jan Simak (Veh: "Einer der besten Fußballer der Liga."), der vom Zweitliga-Absteiger FC Carl Zeiss Jena kam, wird vom Trainer als Ideengeber hinter den Spitzen eingeplant. Veh hofft, dass der Tscheche an alte Glanzzeiten anknüpft und für mehr Gefahr bei Standards sorgt.

Mit dem aus Fürth verpflichteten Martin Lanig angelte sich Stuttgart ein weiteres Talent, um den Konkurrenzkampf im Mittelfeld zu verschärfen.

Kritik, dass der VfB mit Lehmann, Simak und Boulahrouz Spieler verpflichtet habe, denen ein eher schwieriger Charakter nachgesagt wird, lassen die Verantwortlichen abprallen. "Eine Frechheit", findet Manager Horst Heldt, "dass das immer wieder kolportiert wird."

Wer ist der Hoffnungsträger?

VfB-Coach Veh setzt jedenfalls darauf, dass speziell Lehmanns Charakter zu einem großen Plus für das junge Team wird.

Die Charakterstärke des erfahrenen Keepers soll dem Schwachpunkt der letzten Saison wieder mehr Stabilität verleihen.

57 Tore ließ die VfB-Abwehr im vergangenen Jahr zu - mehr als jeder der drei Absteiger. Zudem hoffen Veh und Heldt darauf, dass die jungen Überflieger des Meisterjahres Serdar Tasci, Roberto Hilbert und Sami Khedira zu alter Stärke und Konstanz finden.

Der Einzige aus der jungen Riege, der in der vergangenen Saison zwar nicht von Verletzungen, aber von Leistungsschwankungen verschont blieb, ist Mario Gomez. Wie kein anderer stand und steht er für den VfB-Erfolg.

Wie ist die Stimmung?

Beinahe wäre Gomez es aber auch gewesen, der schon in der Sommerpause für den ersten Rückschlag gesorgt hätte. Durch sein lange ausbleibendes Treuebekenntnis sorgte der vom FC Bayern umworbene Nationalstürmer für Irritation. Dem hartnäckigen Buhlen um Gomez schob Manager Heldt schließlich einen Riegel vor.

Gleiches galt für Pavel Pardo, der mit einem Wechsel in seine Heimat Mexiko geliebäugelt hatte.

Bis auf die Störfeuer an der Transferfront bestritt das Team eine ruhige Vorbereitung und blieben anders als im letzten Jahr weitgehend vom Verletzungspech verschont.

Was sind die Ziele?

Fast hätten die Stuttgarter die Chance auf einen internationalen Wettbewerb, die sie sich mit einer ordentlichen Rückrunde hart erarbeitet hatten, verspielt. Nach einem 0:1 bei Saturn Ramenskoje im UI-Cup setzten sich die Veh-Elf im Rückspiel mit 3:0 n.V. durch.

Als "Katastrophe" hätte Sturmstar Gomez ein etwaiges Ausscheiden bewertet. Nicht minder katastrophal wäre ein Verpassen der internationalen Startplätze in diesem Jahr.

Ein Uefa-Cup-Platz ist allein wegen der Gehaltsstruktur Pflicht, auch wenn die Verantwortlichen kein offizielles Saisonziel ausgeben.

Sport1-Prognose:

Die Chancen, dass Stuttgart diese Vorgabe erreicht, stehen gut. Von der spielerischen Qualität her braucht der VfB den Vergleich mit den Topteams der Liga nicht zu scheuen.

Wie im vergangenen Jahr fehlt allerdings die Tiefe im Kader. Wenn die Schwaben vom Verletzungspech verschont bleiben, wird Stuttgart im Rennen um die Champions-League-Plätze lange mitmischen.

Schließlich haben die Kicker mit dem roten Brustring noch ein Versprechen einzulösen.

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