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Manni Breuckmann kommentierte bereits in den 70er Jahren Spiele im Radio © getty

Die "Stimme des Ruhrgebiets" verstummt: Kultreporter Manni Breuckmann kommentiert am Samstag zum letzten Mal ein Bundesliga-Spiel.

München - Mit 17 Jahren hätte Manfred Breuckmann eigentlich schon wissen müssen, welche berufliche Karriere er einschlägt.

"In der Oberprima hat mir mein Klassenlehrer ins Zeugnis geschrieben: "Manfred stört durch Schwätzen". Diesen Fingerzeig hätte ich eigentlich verstehen müssen", erzählt der Kultreporter, der am Samstag zum letzten Mal ein Bundesliga-Spiel im Radio kommentieren wird.

In der Bundesligakonferenz übernimmt die Reporter-Legende die Begegnung zwischen dem VfL Bochum und dem 1. FC Köln (Der 17. Spieltag) .

Emotionaler Augenblick

"Wenn man nach so langer Zeit das letzte Mal am Mikrophon sitzt, dann wird das bestimmt ein ganz emotionaler Augenblick", sagt der 57-Jährige.

Zugleich versichert er: "Das wird aber keine menschliche Katastrophe für mich."

Schließlich wird Breuckmann auch als Frührentner nicht langweilig, dafür hat er bereits die Weichen gestellt.

Fans trauern

Doch bevor er sich dann vollends seinem Buch über die 50 spektakulärsten Momente im deutschen Fußball widmen kann, musste er in den vergangenen Tagen einen wahren Interview-Marathon über sich ergehen lassen.

"Ich habe bislang rund 20 Zeitungsinterviews gegeben und hatte um die 15 Termine mit Radio- und TV-Stationen. Das empfinde ich schon als Zeichen meiner Wertschätzung", berichtet der in Düsseldorf lebende Kultreporter.

Dass ihn die Fans vermissen werden, beweisen auch Hunderte von E-Mails, in denen die Schreiber den vorzeitigen Ausstieg von "Kumpel Manni" aus dem Berufsleben bedauern.

"Erstaunlicherweise ist keine einzige Mail dabei, in der sich jemand darüber freut, dass ich endlich gehe", sagt Breuckmann mit einem Schuss Selbstironie, aber noch mehr voller Stolz.

Lob von der DFL

Seinen besonderen Status würdigt auch die Deutsche Fußball-Liga.

"Mit seinem einzigartigen Stil, der hervorragenden Mischung aus Kompetenz und Witz hat Manni Breuckmann über viele Jahre die Herzen der Fans erobert", lobt DFL-Geschäftsführer Tom Bender, der Breuckmann am Samstag zum Abschied ein Geschenk überreichen wird.

"Seine Reportagen in der ARD-Schlusskonferenz waren Kult, damit hat er einen festen Platz in der Bundesliga-Geschichte."

"Aus einer vergangenen Zeit"

Warum einer wie er, der das Staatsexamen für Jura gemacht hat, als Radio-Mann so viel Popularität erlangt hat, kann Breuckmann nicht hundertprozentig erklären.

"Das hängt sicher auch etwas mit Nostalgie zusammen. Viele haben das Gefühl, dass da einer geht, der aus einer vergangenen Zeit kommt", meint der Kultreporter, der demnächst als ganz normaler Fan mit seinem Lieblingsklub Schalke 04 (Alles zu S04) leiden kann.

Zu jedem Heimspiel will Breuckmann aber nicht in die Arena pilgern: "Ich glaube nicht, dass ich mir eine Dauerkarte kaufe. Ich werde punktuell ins Stadion gehen. Und dann muss ich nicht mehr wissen, wer die Nummer 29 bei Cottbus trägt."

"Freie Samstage genießen"

"Zudem will ich in Zukunft auch mal die freien Samstage genießen", sagt der künftige Ruheständler, der sich auch als Kommentator des Düsseldorfer Rosenmontagszuges und politischer Korrespondent einen Namen gemacht hat.

Auf all diese Aktivitäten wird er wohl am Wochenende einen Blick zurückwerfen, auch wenn er von seinem im Sommer gefassten Entschluss, in den Vorruhestand zu gehen, nach wie vor voll überzeugt ist.

"Es kann nicht schaden, wenn man in einem Alter, in dem noch alles funktioniert, einen Wechsel vollzieht. Bei mir geht es ja trotzdem mit vielen anderen Projekten weiter, aber ich nehme natürlich auch ein wenig das Tempo raus."

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