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Sascha Riether wurde 2009 mit dem VfL Wolfsburg Deutscher Meister © dpa Picture Alliance

Zum Start trifft Sascha Riether mit Köln auf Ex-Klub Wolfsburg. Bei SPORT1 spricht er über das Spiel und seine Eindrücke vom FC.

Von Thorsten Mesch

München - "Ich bin gekommen, um Verantwortung zu übernehmen", erklärte Sascha Riether SPORT1.

Kaum hat er das Kölner Trikot nach seinem Wechsel aus Wolfsburg zum ersten Mal übergestreift, muss er sich dieser Verantwortung auch stellen.

FC-Coach Stale Solbakken machte den 28-Jährigen zum Vertreter von Pedro Geromel, dem neuen Kapitän der "Geißböcke". Er sei zwar noch nie ein Spieler gewesen, der "riesig für Furore gesorgt" hätte, verlassen könne man sich jedoch auf ihn, so Riether über sich selbst.

Nach dem Sieg im Pokal gegen Wiedenbrück (Bericht) steht nun die erste Bewährungsprobe in der Liga an - und das ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub, den VfL Wolfsburg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Im "doppelten Sinn eine besondere Situation"

"Es wird sicher ein bisschen komisch", gibt der Mittelfeldspieler zu, "im doppelten Sinn".

In welchem, erklärt Sascha Riether im SPORT1-Interview und spricht zudem über den Abschied von den "Wölfen", seine Eindrücke von Solbakken und die Erwartungen in Köln.

SPORT1: Herr Riether, Wolfsburgs Trainer Felix Magath hat zu Ihnen gesagt: "Schau bitte, dass du am ersten Spieltag nicht spielst." Hat er das ernst gemeint?

Sascha Riether: Bei Felix Magath weiß man nie so genau, ob es Ernst oder Spaß ist (lacht). Am Ende waren alle Beteiligten froh, dass der Wechsel gut und reibungslos über die Bühne gegangen ist.

SPORT1: Sie haben also keine Klausel im Vertrag, die besagt, dass sie gegen Wolfsburg nicht spielen müssen oder dürfen?

Riether: Nein, die habe ich nicht.

SPORT1: Mit Wolfsburg wurden Sie Deutscher Meister. Fiel der Abschied schwer?

Riether: Nach vier Jahren in Wolfsburg fällt der Abschied natürlich nicht leicht, aber ich freue mich auf die neue Herausforderung und gebe jetzt alles für den 1. FC Köln.

SPORT1: Denken Sie schon daran, wie es sein wird, gleich im ersten Bundesligaspiel gegen den VfL aufzulaufen? Und wird es ein besonderes Erlebnis?

Riether: Es ist im doppelten Sinn eine besondere Situation. Es ist das erste Liga-Heimspiel für den FC, wahrscheinlich vor ausverkauftem Haus, und dann noch gegen den Ex-Verein, bei dem man die Spieler, den Trainer und das System sehr gut kennt. Es wird sicher ein bisschen komisch, aber ich freue mich drauf.

SPORT1: Auch wenn der FC seit fast zwei Jahrzehnten keinen Titel mehr gewonnen hat, gehört er aufgrund seiner Erfolge in der Vergangenheit und der Zahl seiner Fans doch immer noch zu den großen Vereinen. Ist durch den Wechsel nach Köln ein Traum für Sie in Erfüllung gegangen?

Riether: Köln ist eben ein Traditionsverein. Auch wenn man als Spieler der gegnerischen Mannschaft im Kölner Stadion einläuft, bekommt man immer die ganze Euphorie und die positive Verrücktheit mit. Das ist einfach ein riesen Erlebnis.

[kaltura id="0_u4m1hr9h" class="full_size" title="Riether: "Er ist ein Vorbild für uns!""]

SPORT1: Stale Solbakken hat gesagt, Sie sollen für Konstanz in der Mannschaft sorgen. Sie seien zwar vielleicht nicht der Matchwinner, aber Sie könnten dem Matchwinner helfen. Wie sehen Sie Ihre Rolle?

Riether: Ich war noch nie der Spieler, der riesig für Furore gesorgt hat oder dafür bekannt ist, dass er Übersteiger macht, viele Tore erzielt oder vorbereitet. Ich habe bisher eigentlich bei jedem Trainer immer gespielt und stand für Zuverlässigkeit. Ich hoffe, dass das auch in Köln der Fall sein wird.

SPORT1: Sie hatten in den vergangenen Jahren mehrere und sehr verschiedene Trainer. Welchen Eindruck haben Sie von Stale Solbakken?

Riether: Einen sehr guten. Er ist sehr offen und positiv gestimmt, findet eine gute Mischung zwischen Authorität und der nötigen Lockerheit. Das kommt bei der Mannschaft gut an.

SPORT1: Man hat den Eindruck, er hat auch einen gewissen Witz, trockenen Humor?

Riether: Das stimmt. Obwohl er eigentlich locker und witzig ist, respektiert ihn die Mannschaft sehr. Man kann Spaß mit ihm haben, muss aber auch wissen, wann man spuren muss.

SPORT1: Solbakken soll auch Stabilität und Kontinuität bringen, was in der vergangenen Saison in Köln vermisst wurde. Zu Hause war der FC stark, auswärts trat die Mannschaft häufig desolat auf. Der zehnte Platz täuscht ein wenig darüber hinweg, wie knapp der Abstieg vermieden wurde. Wo sehen Sie die Mannschaft in der kommenden Saison?

Riether: Man hat in der vergangenen Saison gesehen, wie schnell es in der Bundesliga gehen kann. Wer hätte gedacht, dass Hannover oder Mainz in den UEFA-Cup kommen und Stuttgart, Bremen, Schalke und Wolfsburg gegen den Abstieg spielen? Wir wollen die Chance nutzen und so schnell wie möglich eine stabile Mannschaft bilden, um für eine Überraschung zu sorgen und eine gute Rolle in der Liga zu spielen.

SPORT1: Und wo stufen Sie den VfL ein, der in der vergangenen Saison weit unter den Erwartungen blieb und beinahe abgestiegen wäre?

Riether: Man muss sehen, wie sie in die Saison starten. Auf jeden Fall haben sie eine sehr hohe Qualität. Nicht nur in der ersten Elf, sondern auch in der Breite. Gegen die kannst du nur bestehen, wenn du als Mannschaft kompakt stehst und vor allem dagegen hältst. Ich glaube aber, dass wir zu Hause vor ausverkauftem Haus gute Chancen haben, drei Punkte einzufahren.

SPORT1: Hat es Ihnen bei der Eingewöhnung geholfen, dass Sie schon einige Leute beim FC kennen?

Riether: Ich kenne Lukas Podolski aus der Nationalmannschaft und habe in Freiburg mit Winfried Sanou und Youssef Mohamad zusammengespielt. Mir ist die Eingewöhnung sehr leicht gefallen. Es macht Spaß hier zu spielen und ich hoffe, dass zu dem Spaß der Erfolg kommt.

SPORT1: Hoffen Sie auch auf ein Comeback in der Nationalelf?

Riether: Das ist derzeit kein Thema. Ich will erst einmal in Köln gute Leistungen bringen. Wer weiß, was dann passiert.

SPORT1: Gerade in Köln steigen die Erwartungen nach Erfolgen immer recht schnell?

Riether: Klar geht so etwas immer ganz schnell. Den Fans ist auch immer erlaubt zu träumen. Für uns ist aber wichtig, dass wir auf dem Boden bleiben und konstant unsere Leistung abrufen. In der Bundesliga ist es doch so: Genauso schnell wie du zwei, drei Spiele in Folge gewinnst, kannst du auch verlieren.

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