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Nahkampf: BVB-Trainer Klopp in der letzten Saison gegen den 4. Offiziellen Trautmann © imago

Schiri-Boss Herbert Fandel will aufbrausende Trainer auf die Tribüne schicken. Bei SPORT1 spricht er sich gegen Torrichter aus.

Von Daniel Michel

München - Wenn FIFA-Schiedsrichter Felix Brych am Freitag die Auftakt-Partie zwischen dem Deutschen Meister Borussia Dortmund und den Hamburger SV (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) anpfeift, wird er besonders auf das Verhalten der Trainer Jürgen Klopp und Michael Oenning achten.

Denn in der 49. Bundesliga-Saison sollen die Trainer ihre Emotionen mehr im Griff haben.

"Es kann nicht sein, dass die Trainer da herumspringen wie verrückt", sagt Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission und legt nach: "Es gab einige Fälle an der Seitenlinie, die so nicht mehr möglich sein werden."

Ansonsten können die Schiedsrichter aber unaufgeregt in die neue Spielzeit starten. "Ich habe meinen Leuten gesagt, sie sollen mit der gleichen Ruhe und Gelassenheit die Saison beginnen wie sie die vergangene Saison beendet haben", sagt der Schiedsrichter-Boss im Gespräch mit SPORT1.

Doch die Trainer müssen sich in Acht nehmen. "In der kommenden Saison sollen die Schiedsrichter die Exzesse der Trainer an der Seitenlinie unterbinden", mahnt Lutz Michael Fröhlich, Leiter der DFB-Schiedsrichter, an.

So hatte es in der vergangenen Saison gleich zwei Mal beim Spiel zwischen dem BVB und dem HSV Zoff gegeben.

Beim 2:0-Sieg der Dortmunder in der Hinrunde geriet Klopp in Streit mit dem vierten Offiziellen Stefan Trautmann und drückte ihm seine Mütze gegen die Stirn.

BVB-Coach schwer zu zähmen

Beim späten Ausgleich im Rückspiel in Hamburg (1:1) legte Klopp einen langen Sprint über das Feld zurück.

"Ich gelobe Besserung", verspricht Klopp vor dem Auftakt am Freitag und ergänzt: "So etwas wie mit der Mütze wird mir nie wieder passieren. Den Jubel-Sprint fand ich jetzt nicht so schlimm - außer, dass er bescheuert aussah."

Zähmen lassen will sich der BVB-Coach aber nicht: "Ich hoffe nicht, dass sich die Trainer Tuchel und Klopp ab sofort nicht mehr bewegen dürfen".

[kaltura id="0_49vtnge7" class="full_size" title="Klopp gelobt Besserung"]

Ansonsten müssen sich Klopp und Co auf wenige Regeländerungen einstellen. Nur bei zwei Streitthemen werden die Unparteiischen die Regeln neu auslegen.

So sollen die Assistenten das umstrittene passive Abseits künftig im Zweifel für die Abwehr werten. Bislang hob der Assistent die Fahne, wenn der im Abseits stehende Angreifer den Ball berührte.

Jetzt reicht es schon, wenn der Angreifer die Abwehrreihe mit einer Bewegung stark ablenkt oder dem Torwart beim Schuss die Sicht versperrt.

Nur klare Handspiele ahnden

Zudem diskutierten die Schiedsrichter mit Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf und dem nun in der Türkei bei Eskisehirspor tätigen Michael Skibbe auf ihrer Tagung im Juni in Altensteig bei Sindelfingen über umstrittene Handspiele.

Die Schiedsrichter sollen künftig nur Vergehen bestrafen bei der die Hand eindeutig zum Ball geht, gab Lutz Michael Fröhlich die Linie vor.

Keine neuen Bundesliga-Schiris

Während die Klubs ihre Mannschaften mit zahlreichen Transfers aufgefrischt haben, gibt es in diesem Jahr keinen Neuling unter den 20 Erstliga-Schiedsrichtern. Fandel haben in der abgelaufenen Saison die Leistungen der Unparteiischen aus der Zweiten Bundesliga enttäuscht.

"Wir waren mit den Leistungen insgesamt zufrieden. Doch in der abgelaufenen Saison hat sich kein Zweitliga-Schiedsrichter für den Aufstieg aufgedrängt", beklagt Fandel bei SPORT1 und fügt an: "Ein Zweitliga-Schiedsrichter muss aufgrund seiner Leistung und Persönlichkeit besser sein als ein etablierter Bundesliga-Schiedsrichter."

Lob für Steinhaus

Zwar zählt auch Bibiana Steinhaus zu den Zweitliga-Schiedsrichtern. Für die Leitung des Frauen-WM-Finals erhält sie von ihrem Chef aber ein großes Lob.

"Sie hat das Klasse gemacht. Sie war eine der herausragenden Persönlichkeiten des Turniers", sagt Fandel.

Die 32-Jährige bringt für ihn das Potenzial für die Bundesliga mit. "Sie hat die gleiche Chance zum Bundesliga-Aufstieg wie jeder ihrer Kollegen."

Falsche Abseitsentscheidungen

In der vergangenen Saison haben einige falsche Abseitsentscheidungen der Schiedsrichter-Assistenten Bundesliga-Partien entscheidend beeinflusst. Fandel ist sich des Problems bewusst, sieht aber kaum eine Möglichkeit, die Fehler zu minimieren.

"Man kann dem Problem Herr werden, wenn man eine Maschine auf die Linie stellt", spitzt er zu, bevor der Ex-FIFA-Schiedsrichter seine Mannschaft in Schutz nimmt:

"Es werden immer Fehler in diesem Bereich passieren, sie sind überhaupt nicht zu vermeiden, weil dort Menschen an der Linie stehen. Was unsere Assistenten leisten ist hochprofessionell, erstklassig und europaweit führend."

Fandel gegen Torrichter

Technischen Geräten, die eine knappe Torerzielung klar beurteilen, steht Fandel dennoch offen gegenüber: "Den Chip im Ball könnte ich mir als Hilfe vorstellen", sagt er. Dagegen lehnt er Torrichter, wie sie bereits aus der Europa League bekannt sind, strikt ab.

"Mittelfristig kann ich mir das für die Bundesliga nicht vorstellen. Es fehlt das zusätzliche Personal dafür. Und wir brauchen sie auch nicht, weil unsere Schiedsrichter bestens ausgebildet sind", sagt Fandel, der bereits die Vorbereitungen für die Europameisterschaft 2012 treffen muss.

Schiri-Desaster bei EM verhindern

Seit einigen Wochen zählt er zur Schiedsrichterkommission der UEFA. Fandel will unbedingt ein Schiedsrichter-Desaster wie es bei der Weltmeisterschaft 2010 verhindern.

"Wir sollten alles dafür tun, um schwache Schiedsrichter-Leistungen während eines großen Turniers zu vermeiden. Es bedarf noch einer genauen Analyse der Schiedsrichter-Leistungen bei den vergangenen Turnieren", mahnt Fandel an.

So hofft er auf eine neue Vorgehensweise bei der Besetzung: "Die besten Schiedsrichter der Welt sollten bei einer Weltmeisterschaft die Spiele leiten. Und die besten Schiedsrichter in Europa sollte die UEFA zur Europameisterschaft berufen", fordert Fandel.

Nun steht für ihn aber erstmal der Auftakt der Bundesliga im Mittelpunkt. Der Liga stellt Fandel ein starkes Zeugnis aus: "Was in Deutschland abgeht, ist weltweit führend. Die Bundesliga ist an Spannung und Professionalität nicht zu überbieten."

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