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"Professor" Ralf Rangnick steht seit 2006 bei 1899 Hoffenheim unter Vertrag © getty

Der "Pseudo-Titel" Herbstmeisterschaft bedeutet Hoffenheims Trainer Rangnick wenig, das Spiel gegen Ex-Klub Schalke umso mehr.

Von Katharina Blum

München - Als "Rolf Rangnick" hatte Schalkes damaliger Manager Rudi Assauer den neuen Coach der "Königsblauen" im September 2004 vorgestellt.

Ob Missgeschick oder Provokation, heute würde ihm dieser Fehler vermutlich nicht mehr passieren oder es würde sich ganz rasch jemand finden, der ihn da korrigieren würde.

"Ich schwöre, dass es Versprecher waren", sagt Assauer reumütig und gibt offen zu:

"Vor ihm kann ich nur den Hut ziehen. Super, was er mit Hoffenheim auf die Beine gestellt hat."

Denn Ralf Rangnick, so natürlich der korrekte Vornamen, und seine erfolgreiche Arbeit sorgen seit Wochen für Schlagzeilen.

Nicht erst seit das Duell seiner Hoffenheimer trotz der 1:2-Niederlage beim Rekordmeister Bayern München (Die Bayern feiern, Rangnick findet es "brutal") ganz Fußball-Deutschland in seinen Bann zog. 41370(die Bilder)

Traumhafte Hinrunde

Nach einer traumhaften Hinrunde führt der Aufsteiger aus dem Kraichgau vor dem letzten Hinrundenspiel die Tabelle an (die Tabelle) und benötigt nur noch einen Punkt zur Herbstmeisterschaft.

Am Sonntag (ab 16.30 Uhr LIVE) empfängt Rangnick mit seinen Überfliegern ausgerechnet Ex-Klub Schalke 04, der als Tabellen-9. bisher weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

Und obwohl es eigentlich kaum besser für den 50-Jährigen laufen könnte, dürfte diese Begegnung für ihn nicht ganz so einfach werden, wie man es angesichts des Saisonverlaufs meinen könnte.

Nicht, weil sich 1899 dann die Halbzeit-Meisterschaft sichern könnte und der Druck deshalb besonders groß auf die junge Mannschaft ist.

Denn dieser "Pseudo-Titel" hat für den "Fußball-Professor" nach eigenen Angaben keine besondere Bedeutung. "Wir können es aus eigener Kraft schaffen, auch wenn der Titel Herbstmeister nichts wert ist", meint Rangnick.

Erstes Wiedersehen mit dem Ex-Klub

Vielmehr ist es das erste Wiedersehen mit Schalke, genau drei Jahre und zwei Tage nach seiner vorzeitigen Entlassung am 12. Dezember 2005.

Die Erinnerungen an diese Zeit sind bis heute bei Rangnick präsent. "Schalke war für mich der emotionalste Klub", gibt er zu.

Trotzdem war in der Beziehung zumindest zwischen ihm und der Vereinsführung seit der holprigen Präsentation der Wurm drin.

"Von Anfang an war es schwierig, nach außen glaubhaft zu machen, dass wir gut zusammenarbeiten können - der Professor Rangnick und der volksnahe Rudi Assauer, der Junge aus dem Ruhrgebiet", meint Rangnick im Rückblick.

"Nie die volle Rückendeckung"

Trotz des Gewinns der Vize-Meisterschaft und der besten Punktebilanz aller Schalker Trainer mit einer Bundesliga-Ausbeute von 88 Punkten in 44 Spielen musste Rangnick im Herbst 2005 gehen.

"Er hat damals die Mannnschaft sehr schnell spielerisch in die richtige Richtung gebracht. Trotzdem war das Problem, dass er nie die volle Rückendeckung hatte, die er unbedingt brauchte. Wir wissen, was danach passiert ist - zum Beispiel die berühmt-berüchtigte Ehrenrunde", erklärte Schalkes aktueller Manager Andreas Müller im DSF.

"Berühmt-berüchtigte Ehrenrunde"

Die besagte Ehrenrunde, bei der sich Rangnick vor dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 (1:0) minutenlang von den Schalke-Fans feiern ließ, war schließlich der Höhepunkt: Die Fans bejubelten ihn, der Vorstand sah sich bloß gestellt und feuerte den Coach.

"Schalke ist mehr als nur ein Fußballklub, die Fans sind einzigartig", schwärmte Rangnick, der nach wie vor Vereinsmitglied ist, jüngst im "kicker".

Letztes Spiel auf Schalke

Ob die Schalker Fans immer noch genauso für ihn schwärmen, ist allerdings fraglich. Schließlich steht er mit Hoffenheim da, wo eigentlich S04 hinwollte.

Und er kann sogar noch eins draufsetzen. Ausgerechnet in der Arena auf Schalke könnte Rangnick am 23. Mai 2009 die Meisterschale in den Himmel stemmen, denn am letzten Spieltag der Saison muss Hoffenheim zum Rückspiel bei den "Knappen" antreten.

Seinen (Vor-)Namen werden sie in diesem Fall ganz bestimmt nicht mehr vergessen.

Die vorraussichtlichen Aufstellungen:

Hoffenheim: Haas - Beck, Jaissle, Compper, Ibertsberger - Weis, Luiz Gustavo, Eduardo (Salihovic) - Obasi, Ibisevic, Ba

Schalke: Neuer - Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann - Jones, Ernst, Engelaar - Farfan, Asamoah, Altintop

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

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