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Die "Süd" feiert ihre Helden: Mit einer Gala setzte der BVB ein Ausrufezeichen © getty

Der BVB knüpft nahtlos an die Meisterleistung an: Die Gala gegen den HSV zum Start lässt Beckenbauer, Löw und Co. schwärmen.

Aus Dortmund berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Es ging schon auf Mitternacht zu, als Jürgen Klopp nach ein paar letzten Fotos mit begeisterten Fans endlich die Heimreise antreten konnte.

Kurz zuvor hatte er sich mit einer Mahnung von den Journalisten im Signal Iduna Park verabschiedet: "Jungs, dreht nicht durch."

Es war der beinahe verzweifelte Versuch des Meistertrainers, die Euphorie so gut wie möglich zu dämpfen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Was erst mal schwer werden dürfte. Denn Borussia Dortmund fing die neue Saison so an wie die alte beendet worden war.

Mit einer Fußball-Gala wurde der Hamburger SV beim 3:1 (2:0) im Eröffnungsspiel der 49. Bundesliga-Saison aus dem Stadion gefegt (Bericht).

"Ich kann mich an kein Saison-Eröffnungsspiel von Borussia Dortmund mit so einer souveränen ersten Halbzeit erinnern", schwärmte der meist zurückhaltende BVB-Präsident Reinhard Rauball, der vor dem Anpfiff die neue Spielzeit als DFL-Boss offiziell eröffnet hatte 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag).

Und die begeisterten BVB-Fans unter den 80.720 Zuschauern feierten die Mannschaft nach dem Feuerwerk auf dem Rasen minutenlang mit "Spitzenreiter"- und "Meister"-Sprechchören, ehe sie beseelt in die warme Sommernacht strömten.

Stimmung: Überragend

"Die Stimmung im Stadion war wie bei der Meisterfeier am 34. Spieltag, einfach überragend", lobte Kapitän Roman Weidenfeller die fast schon gewohnt enthusiastische Kulisse.

Auch bei den vielen prominenten Gästen von Franz Beckenbauer über Uli Hoeneß bis zum Bundestrainer schindete der Titelverteidiger mächtig Eindruck.

"Die Dortmunder haben nichts verlernt in der Sommerpause", sagte der "Kaiser" zu SPORT1. "Wenn sie so weitermachen, können sie sich berechtigte Hoffnungen auf die Titelverteidigung machen."

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Löw: "... wenn nicht gar stärker"

Und der Bundestrainer meinte: "Mir scheint, dass Dortmund auch in diesem Jahr genauso stark, wenn nicht gar noch stärker sein wird als im letzten Jahr."

Auch wenn beim BVB davon niemand etwas wissen wollte, drängte sich der Vergleich förmlich auf.

Die Borussen überrollten mit ihrem Tempo-Fußball die phasenweise völlig überforderten Hamburger und hätten bei einer konsequenten Chancenverwertung weit mehr als die Treffer der überragenden Kevin Großkreutz (17., 48.) und Mario Götze (30.) erzielen können.

Klopp erst begeistert, dann zurückhaltend

Sogar Klopp zeigte sich in den Interviews unmittelbar nach dem Spielende begeistert. "Bis zum 3:0 war es richtig stark. Da hat es richtig Spaß gemacht zuzugucken", erklärte der Coach.

Erst in der offiziellen Pressekonferenz zeigte sich "Kloppo" wesentlich zurückhaltender, zuvor jedoch hatte auch er seine Elf in höchsten Tönen gelobt:

"Ich weiß, dass die Buben ordentlich kicken können, das hat den Unterschied gemacht. Mit Ball waren wir sehr zielstrebig und gierig, das wollten wir auch sehen. Die Richtung hat auch immer gestimmt."

Dass das Team nach der Vorentscheidung kurz nach der Pause ein bis zwei Gänge rausnahm und noch den Hamburger Ehrentreffer durch Robert Tesche (79.) hinnehmen musste, trübte die Stimmung kaum.

Ein kleiner Makel bleibt

"Wir wollten unser Ding durchziehen und den Gegner beherrschen, das haben wir 70 Minuten überragend gemacht. An den letzten 20 Minuten müssen wir noch arbeiten", meinte Großkreutz.

"Wir haben ein Klassespiel gemacht", sagte auch der zufriedene Weidenfeller zu SPORT1. Vielleicht weil er kurz zuvor auf dem Weg zur Kabine seinen Trainer getroffen hatte, warnt der Keeper dann aber pflichtschuldig:

"Wir wissen, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Man darf das auch nicht überbewerten. Es gehört mehr dazu als nur ein Spiel zu gewinnen."

HSV zieht Hoffnung aus der zweiten Hälfte

Ganz anders war die Stimmungslage beim klaren Verlierer. Die Hamburger freuten sich insgeheim, dass sie nicht mit einer Packung nach Hause geschickt worden waren.

"Es ist keine Schande, hier zu verlieren. Das wird noch anderen Mannschaften passieren", meinte der neue Sportchef Frank Arnesen, der den HSV-Kader (13 Abgänge) fast komplett umgebaut hat.

"Natürlich war es in der ersten Halbzeit etwas zu deutlich, da müssen wir mehr dagegenhalten. Die letzte halbe Stunde war aber ein Zeichen, dass wir nicht sang- und klanglos untergehen", sagte auch Marcell Jansen zu SPORT1.

Hoffnung macht dem Nationalspieler der Blick auf den übermächtigen Gegner: "Wir sind mit unserem Umbruch noch ganz am Anfang, in Dortmund vor ein paar Jahren lief ja auch nicht alles glatt. Deshalb dürfen wir den Kopf nicht in den Sand stecken."

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