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Jan Schlaudraff (l.) wechselte 2008 vom FC Bayern zu Hannover 96 © imago

Beim 96-Sieg überrascht Jan Schlaudraff Hoffenheim mit einem Freistoß und holt den entscheidenden Elfemeter raus.

Hannover - Für seine Teamkollegen war Jan Schlaudraff das "Schlitzohr des Tages", für die Spieler von 1899 Hoffenheim ein wahrer Albtraum (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Per Freistoß den Gegner übertölpelt, abgezockt einen Elfmeter herausgeholt - ohne das bei den Niedersachsen lange umstrittene "Cleverle" hätte Hannover 96 wohl kaum sein Bundesliga-Auftaktspiel gegen die Kraichgauer mit 2:1 (2:1) gewonnen (Spielbericht).

Und sich damit Mut gemacht für die schwere Aufgabe in den Europa-League-Playoffs gegen den FC Sevilla 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag).

Frust bei Starke

Für seinen direkt verwandelten Freistoß in der 15. Minute, gegen dessen Anerkennung die Gäste heftig protestierten, erhielt der Jubilar in seinem 100. Bundesligaspiel sogar die Rückendeckung des Schiedsrichters.

"Nee, ich schieße sofort", rief der Stürmer Thorsten Kinhöfer zu, als der nach dem Stellen der Hoffenheimer Mauer fragte.

Für 1899-Torhüter Tom Starke "eine absolute Frechheit": "Ich konnte nicht erkennen, dass der Freistoß freigegeben war, plötzlich kam der Ball geflogen. Diese Situation hat das Spiel entschieden."

Stanislawski nicht unzufrieden

Erst der neue Trainer Holger Stanislawski hatte die sportliche Größe, die umstrittene Szene letztlich hinzunehmen und daraus zu lernen.

"Beim nächsten Mal müssen wir uns einfach geschickter verhalten", sagte der Coach, der ansonsten für seine Spieler überwiegend Lob parat hatte:

"Natürlich müssen wir noch an kleinen Stellschrauben drehen, aber vorwerfen kann ich meinen Jungs eigentlich nur, dass sie den letzten Ball nicht konsequent genug gespielt haben."

Zwei Strafstöße

Daran mangelte es vor 40.315 Zuschauern hin und wieder auch bei den Niedersachsen, doch noch vor einem Jahr wäre eine Begegnung mit solchem Spielverlauf wohl kaum gewonnen worden.

Diesmal aber schüttelten die "Roten" das 1:1-Ausgleichstor von Sejad Salihovic in der 18. Minute per Foulelfmeter schnell ab und antworteten mit dem 2:1-Führungstreffer durch Mohammed Abdellaoue (30.), ebenfalls per Strafstoß und (natürlich) nach Foul an Schlaudraff.

Und wie man einen knappen Vorsprung über die letzten Minuten rettet, zeigte der 28-Jährige seinen Nebenspielern, indem er sich in der Schlussphase mehrfach mit dem Ball in die Nähe der Eckfahne verzog und so mehrere Ecken und einige Einwürfe herausholte.

Slomka lobt Entwicklung

Eine kleine taktische Finesse, die 96-Trainer Mirko Slomka positiv registrierte und ganz bewusst nicht nur Schlaudraff selbst gutschrieb:

"Gerade da hat man gesehen, dass die Mannschaft insgesamt einen Schritt weitergekommen ist. Ihre Spielweise ist stabiler und routinierter geworden."

Die große Geschlossenheit des Teams - in der Startformation stand kein einziger Neuzugang - dürfte sich in den kommenden Wochen noch öfter bewähren, vielleicht auch auf der internationalen Bühne gegen Sevilla.

Lob von Schmadtke

Dass es den Norddeutschen offenkundig gelingt, wirklich von Spiel zu Spiel zu denken, hob Jörg Schmadtke ganz gezielt hervor.

"Ich hatte nie die Befürchtung, dass wir nur noch Sevilla im Kopf haben, was sich ja auch gegen Hoffenheim bestätigt hat", lobte der Sportdirektor, der auch zu Schlaudraff nur anerkennende Worte fand:

"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht und ist sensationell in die Räume gegangen."

Schlaudraff soll verlängern

Dabei ist es kein Jahr her, da galt der Techniker an der Leine als gescheitertes Auslaufmodell. 96-Präsident Martin Kind höchstpersönlich bescheinigte dem kapriziösen Exzentriker seinerzeit, für Hannover werde er bestenfalls in der Regionalliga auflaufen.

Nun möchte man den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit dem Ex-Nationalspieler rasch verlängern.

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