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Raul erzielte in der vergangenen Saison 13 Bundesligatore für den FC Schalke © dpa

Der Pokalsieger geht in Stuttgart unter, Erinnerungen an den Fehlstart 2010 kommen hoch. Der VfB feiert sich und sein Stadion.

Von Matthias Becker

München/Stuttgart - Ralf Rangnick hätte es eigentlich ahnen können.

Noch nie hat der Schwabe als Trainer beim VfB Stuttgart gewonnen - und daran änderte sich auch am 1. Spieltag der Saison 2011/2012 mit dem FC Schalke nichts. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Trotz der statistischen Vorbelastung klang Rangnicks Analyse nach dem 0:3 (0:1) beim VfB etwas ernüchtert. (SPIELBERICHT: Starker VfB schockt Schalke)

"Mir haben die Entschlossenheit im Abschluss und der Wille gefehlt, das Tor zu machen", stellte Rangnick fest.

Um es etwas genauer auf den Punkt zu bringen:

Über weite Strecken der 90 Minuten standen die Schalker nur Spalier und ermöglichten dem VfB damit einen perfekten Sommer-Sonne-Fußball-Nachmittag.

Festtags-Stimmung in Stuttgart

Denn die Atmosphäre in der Schwaben-Metropole war schon vor dem Spiel fantastisch.

Erstmals nach der Fertigstellung des Umbaus liefen die Stuttgarter in der Mercedes-Benz-Arena vor 60.000 Zuschauern auf.

Zahlreiche von denen waren zuvor schon in der rot-weißen "Karawane Cannstatt" gen Stadion gepilgert. Und sie wurden auch in der neuen, reinen Fußball-Arena nicht enttäuscht.

Von Beginn an bestimmte der VfB das Spiel. Der Führungstreffer durch Kapitän Cacau (37. Minute) nach einer Ecke des starken Tamas Hajnal war der vorläufige Stimmungs-Höhepunkt.

Zaghaftes Aufbäumen

"Bei dem ersten Gegentor haben wir gleich zweimal geschlafen und gleich zwei Kopfballduelle verloren", klagte Rangnick.

Das viel größere Problem: Auch nach dem Rückstand fand das Aufbäumen der Schalker nur sehr zaghaft statt.

"Das wäre nicht notwendig gewesen", sagte Schalke-Manager Horst Heldt:

"Wir haben im Abschluss nicht gut agiert. Wichtig ist es jetzt, das alles zu analysieren."

Überraschungs-Comeback von Jones

Bei dieser Analyse sollte auch Rangnicks Aufstellung thematisiert werden. Denn obwohl die Schalker in Vorbereitung und Pokal einen guten Eindruck hinterließen, baute der Trainer die Mannschaft um.

Der zuletzt in der Zentrale starke Lewis Holtby musste auf den linken Flügel ausweichen, im defensiven Mittelfeld lief überraschend der lange in Ungnade gefallene Jermaine Jones neben Joel Matip auf.

Für Julian Draxler blieb nur ein Platz auf der Bank.

Superstar Raul opferte sich als Zehner mit viel Laufarbeit auf, seine Torgefährlichkeit wurde in der Spitze aber vermisst. Dort durfte der völlig ungefährliche Klaas-Jan Huntelaar durchspielen.

"Hätte gedacht, dass wir weiter sind"

Viel Arbeit also für die Schalker, die doch unbedingt den Fehlstart wie im letzten Jahr vermeiden wollten.

Damals verloren die Königsblauen die ersten vier Saisonspiele und kamen bis zum Saisonende nicht mehr aus dem Keller.

"Wir sind noch nicht so weit, wie wir erhofft haben. Ich hätte gedacht, dass wir ein Stückchen weiter sind", konstatierte Kapitän Benedikt Höwedes, versicherte aber auch:

"Ich habe nicht das Gefühl, dass es so negativ wird wie letzte Saison."

Neuer-Nachfolger Ralf Fährmann, mit zahlreichen Paraden noch bester Schalker, schlug hingegen schon Alarm: "Im Heimspiel gegen Köln müssen drei Punkte her, ganz klar."

Ulreich mit guter Leistung

Der VfB nahm die Schalker Einladung gerne an und stürmte durch die Treffer von Martin Harnik (56.) und Shinji Okazaki (89.) sogar noch die Tabellenspitze.

Es war die perfekte Premiere in der neuen Arena und der ersten Auftaktsieg seit drei Jahren.

"Es ist schön, dass wir zu diesem Fußballfest etwas beitragen konnten", freute sich Trainer Bruno Labbadia, dessen Team sich auch vom steigenden Schalker Engagement in Hälfte zwei nicht beirren ließ.

Die beste Gäste-Chance durch den eingewechselten Jan Moravek machte der starke Sven Ulreich im VfB-Kasten zunichte.

"Das war Champions League"

Die Stuttgarter knüpften damit direkt an ihre bärenstarke Rückrunde (30 Punkte) der vergangenen Saison an.

"Wenn wir die Leistung bestätigen, die wir heute gezeigt haben, dann wird es schwierig sein, uns zu schlagen. In der Rückrunde der vergangenen Saison waren wir Vierter - ich hoffe, dass wir diesen Trend beibehalten". erklärte Torschütze Harnik bei LIGA total!.

"Das war Champions League", ergänzte Neuzugang William Kvist.

Auch wenn er (noch) nur die Stimmung im vergrößerten Stadion meinte.

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