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Stale Solbakken bestimmte Pedro Geromel zum Kapitän des 1. FC Köln © dpa Picture Alliance

Kölns Trainer stellt sich nach dem desolaten Auftritt beim 0:3 gegen Wolfsburg vor sein Team. Wolfsburgs Coach macht alles richtig.

Von Thorsten Mesch

München/Köln - Stale Solbakken stand im Kölner Regen an der Seitenlinie, fuchtelte wild mit den Armen, schrie seine Spieler an - doch die Profis des 1. FC Köln haben ihren Trainer wohl nicht verstanden. 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag)

Nach der 0:3 (0:1)-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg (Bericht), die für Solbakken ein total misslungenes Debüt als Bundesliga-Trainer war, zeigte sich der Norweger selbstkritisch (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es ist meine Verantwortung, nicht die der Spieler", sagte der 43-Jährige, der durch die Entscheidung, Lukas Podolski die Kapitänsbinde zu entziehen, schon vor dem Saisonstart für Unverständnis gesorgt hatte.

Spieler zu ängstlich

Am Samstagnachmittag kam die Botschaft des Coaches nicht bei seinen Spielern an.

Die Profis hatten ganz offensichtlich große Probleme, die Vorgaben ihres Chefs umzusetzen.

"Sie waren ein bisschen ängstlich", erklärte Solbakken: "Viele Dinge sind neu für sie. Und unter Druck denkt man dann eben etwas zu viel nach."

Katastrophale Abwehrfehler

Hätte er nicht schon eine Glatze, so wären dem Kölner Trainer angesichts der über weite Strecken desolaten Vorstellung seiner Mannschaft wohl etliche Haare ausgefallen.

Die Abwehrspieler ließen den Gästen zu viel Raum.

Kapitän Pedro Geromel strahlte keine Sicherheit aus, Kevin Pezzoni, der neben Geromel in der Innenverteidigung spielte, leitete mit einem katastrophalen Fehler das 0:1 ein und leistete sich weitere schwere Patzer.

Podolski zeigt zu wenig

Im Mittelfeld fehlten Ideen und im Angriff waren der degradierte Podolski und Torjäger Milivoje Novakovic größtenteils abgemeldet.

Besonders Podolski agierte schwach, lief wenig und gab nur einen Torschuss ab. "Das war zu wenig", sagte LIGA total!-Experte und SPORT1-Kolumnist Huub Stevens über die Leistung des Nationalspielers.

Erinnerungen an Kölns Auftakt der vergangenen Saison, als der FC zum Auftakt 1:3 gegen Kaiserslautern verlor, wurden wach.

Novakovic fliegt vom Platz

Auch weil ein Kölner vorzeitig vom Platz musste. Damals sah Youssef Mohamad die Rote Karte, dieses Mal musste Novakovic mit Gelb-Rot vom Platz.

"Wir haben nicht wegen der individuellen Fehler verloren, sondern die ganze Mannschaft hat nicht gepasst. Dann ist der Trainer schuld, nicht die Spieler", stellte Solbakken sich vor sein Team.

Torhüter Michael Rensing meinte, man dürfe die Niederlage "nicht überbewerten", und behauptete: "Generell sind wir auf einem guten Weg."

Dennoch: Kölns neuer Trainer, der nach der Entmachtung Podolskis unter besonderer Beobachtung stand, steht schon nach seinem ersten Bundesligaspiel unter Druck.

Magath kann aufatmen

Wolfsburgs Trainer Felix Magath hingegen, der sich nach dem blamablen Aus im DFB-Pokal über eine gute Leistung seiner Mannschaft und einen hoch verdienten Sieg freuen durfte, konnte aufatmen.

Und sich über einen gelungenen Schachzug freuen: Überraschend hatte Magath im Sturm dem Ex-Kölner Patrick Helmes den Vorzug gegenüber Neuzugang Srdjan Lakic gegeben.

Helmes trifft zweimal

Helmes dankte es seinem Coach mit zwei Toren (17. und 90.).

"Ein, zwei Tore hätten noch fallen können, aber wir wollen nicht vermessen sein", sagte der Angreifer, der in der vergangenen Saison von Bayer Leverkusen nach Wolfsburg gewechselt war, dort aber nur einmal getroffen hatte.

"Es war wichtig, dass wir nach dem Pokal-Aus etwas zeigen", ergänzte Helmes.

Träsch bedankt sich für Vertrauen

Nach der Niederlage beim Viertligisten RB Leipzig hatte Magath Marcel Schäfer als Kapitän abgesetzt und Neuzugang Christian Träsch zum Spielführer ernannt.

Und auch diese Maßnahme des Trainers zeigte Wirkung: Schäfer erzielte in der 85. Minute mit einer direkt verwandelten Ecke das 2:0.

"Ich habe mich bei ihm bedankt. Denn ich habe ihn in meiner Manager-Mannschaft und sein Tor hat mir Punkte gebracht", sagte Träsch, der ein großes Arbeitspensum absolvierte.

Die Kapitänsbinde sei für ihn ein "Vertrauensbeweis, den ich dem Trainer natürlich zurückzahlen will", erklärte der Nationalspieler, der vom VfB Stuttgart zum VfL gewechselt war.

"Viele denken noch zu sehr an die Meisterschaft"

Er habe bewusst einen Neuzugang zum Spielführer gemacht, sagte Magath bei LIGA total!.

"Viele denken noch zu sehr an die Meisterschaften von 2009", erklärte der VfL-Trainer. "Ich wollte ein Zeichen setzen, dass diese Zeit längst vorbei ist."

Wenn der 1. FC Köln unter Stale Solbakken sich weiter so präsentiert wie gegen Magaths Wolfsburger, droht die Zeit des Norwegers vorbei zu sein bevor sie richtig angefangen hat.

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