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Ömer Toprak wechselte vor der Saison vom SC Freiburg zu Bayer Leverkusen © getty

Mit dem 0:2 in Mainz macht Leverkusen den Fehlstart perfekt. Die Abwehr patzt, die Torhüter bereiten Sorgen, Ballack drückt die Bank.

Von Jakob Gajdzik

Mainz/München - Der Fehlstart ist perfekt.

Mit zwei Niederlagen in zwei Pflichtspielen hat Bayer Leverkusen den Saisonstart komplett vergeigt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eine Woche nach dem Pokal-Aus in Dresden folgte zum Liga-Auftakt eine 0:2-Pleite gegen Mainz (Spielbericht).

"Sehr enttäuscht", zeigte sich Bayer-Trainer Robin Dutt nach der Partie und monierte fehle Flexibilität in der Offensive sowie Genauigkeit in den Aktionen.

Keine Balance zwischen Offensive und Defensive

Bayers Spiel war statisch und uninspiriert, nach vorne gab es keine Überraschungsmomente.

Andre Schürrle war bei seiner Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte zwar bemüht, allerdings in der Partie weitgehend abgemeldet 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag).

"Heute hat es einfach nicht geklappt, wir haben keinen einzigen konstruktiven Angriff nach vorne gebracht", sagte der Nationalspieler. "Bei uns hat die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht gestimmt."

Abwehr fehlt es an Erfahrung

Die junge Viererkette mit Daniel Schwaab, Ömer Toprak, Stefan Reinartz und Michal Kadlec (Durchschnittsalter: 22,5 Jahre) wackelte einige Male. Das Eigentor von Toprak (86.) setzte das i-Tüpfelchen auf den schwachen Auftritt.

Ein Blackout von Torwart Fabian Giefer hatte die Weichen auf Niederlage gestellt: Der 21-Jährige wollte in der 32. Minute einen Rückpass von Daniel Schwaab weiterleiten, trat jedoch über den Ball und legte ihn so mustergültig Sami Allagui zur Mainzer Führung auf.

Giefer befeuert Torhüter-Diskussion

Zu allem Unglück prallte Giefer in der 84. Minute mit dem Mainzer Eric-Maxim Choupo-Moting zusammen und wurde mit Verdacht auf eine schwere Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht.

Die drohende Pause und Giefers Patzer befeuern nach der Verletzung von Nationalkeeper Rene Adler die Diskussion um einen neuen Bayer-Torhüter, nachdem David Yelldell bei der Pokal-Blamage in Dresden ebenfalls nicht gut ausgesehen hatte.

Stuttgarter Nachwuchskeeper im Visier

Der 19-jährige Nachwuchskeeper Bernd Leno vom VfB Stuttgart könnte kurzfristig die Baustelle im Tor lösen.

"Bernd Leno ist ein Thema. Er ist hochtalentiert, gilt als eines der größten Talente in ganz Deutschland. Ob wir ihn holen können, hängt auch ein wenig vom VfB Stuttgart ab", sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

"Wenn wir einen neuen Torhüter holen, dann soll er stärker sein als die beiden anderen, aber er sollte keine Konkurrenz zu Rene Adler sein", sagte Holzhäuser.

Eine Verpflichtung des ehemaligen Nationaltorwarts Jens Lehmann sei "kein Thema."

Ballack schmort auf der Bank

Außen vor blieb am Samstag Michael Ballack. Trotz der schwacher Leistung seiner Mannschaftskollegen schmorrte der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft 90 Minuten nur auf der Bank.

"Taktische Einzelentscheidungen möchte ich nicht in der Öffentlichkeit kommentieren", sagte Dutt bei LIGA total! zu seiner Entscheidung und betonte, nach seiner Überzeugung zu entscheiden und sein Handeln "nicht von der öffentlichen Wahrnehmung abhängig zu machen".

Holzhäuser versuchte die Brisanz aus dem Thema zu nehmen.

"Er geht positiv mit der Situation um"

"Wir haben im Mittelfeld sechs gleichstarke Spieler. Drei können spielen, drei müssen zugucken. Vielleicht ist Micha beim nächsten Mal wieder auf dem Platz. Er ist ein sehr positiver Typ und gut in die Mannschaft integriert. Er geht positiv mit der Situation um", meinte der Bayer-Boss.

Ballack selbst schweigt, macht sich allerdings auch Gedanken - sogar um seinen Abschied von der Fußballbühne.

"Ich werde nach diesem Jahr sicherlich nicht mehr wechseln", sagte er in einem Interview mit "Bundesliga TV" vor der Partie, "man weiß nie, was sich mit Leverkusen ergibt, aber ich gehe davon aus, dass das in der Bundesliga mein letztes Jahr sein wird."

Klare Worte von Ballack - seine Abschiedstour dürfte er sich aber wohl anders vorgestellt haben.

Mainz wendet Fehlstart ab

Im Gegensatz zu Leverkusen konnte Mainz den kompletten Fehlstart verhindern. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel ließ die Kritiker nach dem Europa-League-Aus gegen Gaz Metan Medias erst einmal verstummen.

"Die Mannschaft hat sich leidenschaftlich aufgeopfert und war füreinander da. Sie sind heute ans Limit gegangen", war Tuchel voll des Lobes.

"Welche Laufbereitschaft, welche Engagement und welches Herz zu sehen war - eine grandiose Leistung", schwärmte er weiter.

Mit den altbekannten Attributen Aggressivität und Kampfbereitschaft zog Mainz den Leverkusenern den Zahn und rehabilitierte sich für die Pleite gegen die Rumänen.

Die Probleme haben die Mainzer erst einmal nach Leverkusen weitergeschoben.

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