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Jupp Heynckes kehrte im Sommer zum dritten Mal als Trainer nach München zurück © getty

Es herrscht Frust beim FC Bayern. Die Gladbach-Pleite wirkt stark nach, Lahm schlägt bei SPORT1 Alarm. Auch die Bosse warnen.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Die Augenbrauen standen eng zusammen, die Stirn war kraus, die Mundwinkel komisch verzogen.

In welches Gesicht man am Sonntagabend auch blickte, die Enttäuschung über den misslungenen Saisonstart war deutlich sichtbar (438367DIASHOW: Der 1. Spieltag).

Beim FC Bayern, der in dieser Saison eigentlich von Beginn an Spaß und Spielfreude verbreiten wollte, herrschte Frust.

Die 0:1-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach (Bericht), vergangene Saison noch Fast-Absteiger, versetzte den Münchnern einen Tiefschlag (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Natürlich ist das ein Dämpfer!", bekräftigte Kapitän Philipp Lahm auf SPORT1-Nachfrage.

"Wir wollten einen guten Saisonstart hinlegen, der ist uns nicht geglückt. Die drei Punkte, die wir verloren haben, können wir uns nicht mehr zurückholen", weiß er.

Sensible Situation

Klar, es war nur ein Spiel und noch ist nichts verloren. Aber Lahm und seine Kollegen sind geprägt.

In den vergangenen zwei Jahren unter Louis van Gaal war der Saisonstart extrem holprig verlaufen, der Rückstand hatte den Verein viel Kraft gefordert.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge brachte die Sorgen der Bayern auf den Punkt: "Wir müssen leider feststellen, dass wir der Spitze schon wieder hinterher laufen. Das wollten wir eigentlich vermeiden."

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Ein weiteres Problem: Eine vernünftige Aufarbeitung der Pleite kann nicht gewährleistet werden. Sämtliche Profis weilen bereits im Kreis ihrer Nationalmannschaft, am Mittwoch stehen Länderspiele an.

Nicht dramatisch?

Lahm findet das nicht "dramatisch", aber es ist kein Geheimnis, dass der Termin eigentlich niemandem in den Kram passt.

Immerhin ist der Stamm des FC Bayern gleichzeitig der Stamm der deutschen Nationalmannschaft, so dass am Rande des Spiels gegen Brasilien vielleicht die eine oder andere Ursache im kleinen Kreis erörtert werden kann.

Die Defizite der Münchner gegen Gladbach waren nicht zahlreich, aber eklatant: "Offensiv müssen wir wieder kreativer spielen, das hat uns phasenweise gefehlt", sagte Lahm zu SPORT1.

Er selbst versuchte oft, mit Flanken das Abwehrbollwerk der Gäste zu durchbrechen, war aber ebenso erfolglos wie Rafinha auf der Gegenseite.

"Man muss das Tempo erhöhen, mehr über die Außen kommen - das war heute nicht zwingend genug, um eine so defensiv eingestellte Mannschaft auseinanderzunehmen", schimpfte Bayern-Trainer Jupp Heynckes.

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Mario Gomez fehlte das Glück im Abschluss, Arjen Robben war nach seiner Verletzung noch nicht wieder in Vollbesitz seiner Kräfte.

Die zündenden Ideen fehlten, das Hin- und Hergeschiebe des Balles im Mittelfeld erinnerte an van-Gaal'sche Zeiten.

"Im Vergleich zur letzten Saison hatten wir einen besseren Mix zwischen Abwehr und Offensive", stellte Lahm aber fest. "Wir haben defensiv nichts zugelassen, machen dann einen dummen Fehler." Auch Gomez nannte die Situation vor dem Gegentor "dumm".

"Ein vermeidbares Gegentor"

Igor de Camargos Treffer in der 62. Minute, begünstigt durch einen schweren Fehlgriff von Manuel Neuer, war der Gipfel der Enttäuschung.

Der Keeper räumte seinen Fehler selbstkritisch ein (zum Nachbericht) und war untröstlich. Direkte Vorwürfe bekam er nicht.

Rummenigge schluckte seinen Ärger hinunter: "Es war ein sicherlich vermeidbares Gegentor. Die Enttäuschung ist groß - zu Recht", knirschte er nur. Präsident Uli Hoeneß äußerte sich gar nicht erst.

Robben blickt freudig nach vorne

Allen ist allerdings auch klar, dass der Druck vor dem nächsten Spiel am Samstag beim VfL Wolfsburg durch die Auftaktniederlage nicht niedriger geworden ist.

"Wir sollten die Situation nicht zu dramatisch machen", beschwichtigte Robben und rief zu Optimismus auf:

"Jetzt gilt es, nicht negativ zu sein, sondern den Kopf hochzuhalten. Gegen Wolfsburg müssen wir wieder da sein, danach kommt die Qualifikation für die Champions League, das sind schon wichtige Wochen."

Auch Robben selbst will künftig mehr zeigen. "Besonders in der zweiten Hälfte habe ich die Kräfte verloren. Ich kann nicht sagen, dass ich schon bei 100 Prozent bin. Aber ich will keine Entschuldigung suchen, auch ich war nicht gut. Das muss besser gehen."

Diese Aussage wird für die Bayern - gerade auch mit einem Blick auf die Leistung von Titelverteidiger Borussia Dortmund - nun erst mal zum Leitmotiv.

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