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Kapitän Simon Rolfes kam 2005 von Alemannia Aachen zu Bayer Leverkusen © getty

Leverkusen kommt unter Trainer Robin Dutt nicht auf die Beine. Kapitän Simon Rolfes ist nach der Pleite in Mainz angefressen.

Von Reinhard Franke

München - Zwei Pflichtspiele sind vorbei, und schon brennt es unterm Bayer-Kreuz.

Leverkusen hat den schlechtesten Saisonstart seit 1986 hingelegt. Es herrscht dicke Luft bei der Werkself, denn es klemmt noch gewaltig beim Vizemeister - taktisch und spielerisch.

Bayer-Coach Robin Dutt redet auch nicht lange um den heißen Brei herum.

"Das ist ein ganz schlechter Start." Und er flüchtet sich in Ironie. Es bleibt ihm wohl nichts anderes übrig. "Die Saison ist entschieden. Dortmund ist am Freitag Deutscher Meister geworden." Aha.

"Verliere nicht die Nerven"

Dann fügte Dutt, der sein Team zum Titelkandidaten erhoben hatte, noch hinzu: "Ich bin weit davon entfernt, die Nerven zu verlieren. Wenn du aus dieser Situation gestärkt hervorgehst, hast du als Trainer im Endeffekt noch mehr davon."

So kann man dies auch sehen. Der neue Bayer-Coach hat jedenfalls in kurzer Zeit mehr Probleme, als ihm lieb sein kann. Nach dem peinlichen Aus im Pokal in Dresden folgte auch im ersten Punktspiel die erste Pleite.

Nach einer mauen Vorstellung beim wahrlich nicht glänzenden, aber kampfstarken FSV Mainz 05 verlor Leverkusen mit 0:2 (Spielbericht). Der "Express" titelte "Dutt kadutt! Der Fehlstart ist perfekt." Was ist los mit der Werkself?

Irgendwie scheint Dutt noch nicht den richtigen Draht zu seinen Spielern gefunden zu haben. Bayer steht nach zwei Pleiten zum Start schon unter Druck, Dutts Konzept schnellstens umzusetzen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Rolfes mit Rundumschlag

Bei vielen seiner Spieler herrscht eher Riesenfrust statt Titellust - allen voran bei Simon Rolfes. Der Kapitän, sonst der eher zurückhaltende Typ, holte sogar zu einem kleinen Rundumschlag aus.

"In Sachen Einstellung haben wir noch sehr viel Luft nach oben. Wir waren ein leichtes Opfer und hätten viel mehr Laufbereitschaft zeigen müssen", sagte Rolfes nach dem blutleeren Auftritt der Werkself in Mainz. 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag).

[kaltura id="0_1pkhk0by" class="full_size" title="Dutt fl chtet sich in Galgenhumor"]

Der Nationalspieler konnte auch seine Verwunderung über seinen Trainer nicht verbergen, der den 29-Jährigen nach knapp einer Stunde ausgewechselt hatte.

"Verletzt war ich jedenfalls nicht", sagte der spürbar angefressene Rolfes - und flüchtete erstmal zum Treffen der Nationalmannschaft nach Stuttgart. Hat Dutt mit der frühen Herausnahme des Spielführers eine neue Baustelle eröffnet?

Beckenbauer kritisiert Ballack

Wohl nicht umsonst bezeichnete er die Aussagen seines Kapitäns am Montag als "normal". Der 46-Jährige hat an seiner neuen Wirkungsstätte nach zwei Pleiten in zwei Pflichtspielen mittlerweile genug Probleme, allen voran die Torwartfrage und das Dauerthema Michael Ballack.

Der aus der Nationalmannschaft ausgemusterte Ballack lief sich in Mainz eine halbe Stunde lang warm, mal wieder. Einwechslung? Fehlanzeige. Sagen wollte er nichts. Dafür sprach Franz Beckenbauer.

Und des Kaisers Worte müssen für Ballack wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Der "Kaiser" spricht Ballack nämlich gar die Bundesliga-Tauglichkeit ab: "Es gilt, ein anständiges Ende zu finden. Heute wird ein anderer Fußball gespielt. Man versucht, den FC Barcelona zu kopieren. Er ist ein Spielmacher, der den Ball fordert und mit langen Bällen operiert. Er passt nicht mehr in das Kurzpassspiel, das heute forciert wird."

Baustelle Torwartposition

Eine dritte Großbaustelle ist die Torwartposition. Der Ausfall von Nationaltorhüter Rene Adler scheint schwer kompensierbar zu sein. David Yelldell patzte im Pokal. Die zweite Nummer zwei, Fabian Giefer, leistete sich vor dem 0:1 (32.) durch Sami Allagui einen kapitalen Schnitzer.

Zudem zog sich der 21-Jährige kurz vor Schluss eine Gehirnerschütterung zu und muss pausieren. Die nun angestrebte Ersatzlösung ist jünger als die beiden Adler-Vertreter und spielt beim VfB Stuttgart.

Talent Leno soll kommen

Das 19 Jahre alte Talent Bernd Leno soll kommen - bis zur Winterpause. "Er ist ein Thema, ist hoch talentiert. Wenn wir einen neuen Torhüter holen, dann soll er stärker sein als die beiden anderen, aber er sollte keine Konkurrenz zu Adler sein", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Sollte gegen Bremen noch mal Yelldell das Tor hüten, ist anscheinend auch Dutt nicht ganz wohl dabei: "David wird, wenn er spielt, gute Bälle halten, und er wird auch Fehler machen. Da hoffen wir mal, dass nicht jeder Fehler mit einem Gegentreffer bestraft wird. Wir haben halt keine drei Rene Adler im Kader."

Der Trainer sagt selbst, dass "es viele Felder gibt, die wir aufarbeiten müssen", um dann hinzuzufügen: "Ich bin sehr enttäuscht."

Auch Kießling ist sauer

Nicht nur er. Das ist neben Rolfes und Ballack auch Stefan Kießling (27). Der schmorte wie Ballack zuletzt mehr auf der Bank, als dass er sein Können auf dem Platz zeigen durfte. Dutt ist wahrlich nicht zu beneiden.

Einer, der kam, um oben mitzuspielen, ist der Neu-Leverkuseneer Andre Schürrle. Der meint nur: "Wenn man solche Ambitionen hat wie wir, ist es klar, dass es jetzt unruhig wird."

Bleibt abzuwarten, wann aus der Unruhe der erste Knall wird.

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