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Benedikt Höwedes (r.) und Raul gewannen in der Vorsaison mit Schalke den DFB-Pokal © getty

Benedikt Höwedes verteidigt im Interview Schalke-Kollege Raul, spricht über den drohenden Fehlstart, Neuers Patzer und Brasilien.

Von Thorsten Mesch

Stuttgart - Bei Schalke 04 ist Benedikt Höwedes Führungskraft in der Innenverteidigung und Kapitän.

In der DFB-Auswahl gehört der 23-Jährige zu den Neulingen und kämpft um einen Platz in der Mannschaft. (437804DIASHOW: Der DFB-Kader gegen Brasilien)

Am 29. Mai feierte Höwedes beim 2:1 gegen Uruguay sein Debüt im Team von Bundestrainer Joachim Löw - als rechter Verteidiger.

Am Mittwoch gegen Brasilien (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) hofft der U-21-Europameister von 2009 auf sein drittes Länderspiel.

"Mir würde es natürlich nichts ausmachen, als rechter Verteidiger zu spielen", sagt Höwedes. "Es wäre zwar eine kleine Umstellung, aber ich bin froh, wenn ich in der Nationalmannschaft spielen und meine Leistung bringen kann."

Im DFB-Team trifft Höwedes seinen ehemaligen Vereinskollegen Manuel Neuer, der mit dem Bayern einen ähnlich verunglückten Saisonstart hingelegt hat wie Höwedes mit Schalke 04. (Schalkes Angst vor dem Deja-Vu)

Im SPORT1-Interview spricht Höwedes über das Spiel gegen Brasilien, Schalkes 0:3 in Stuttgart, die Diskussionen um Raul und den unglücklichen Ligastart seines ehemaligen Vereinskollegen Neuer.

SPORT1: Nach dem 0:3 in Stuttgart ist Schalke Letzter, auf welchem Stand ist Schalke aus der Sicht des Kapitäns?

Benedikt Höwedes: Wir haben ein paar neue Spieler dazubekommen, haben uns aber gut auf die Saison vorbereitet und Fortschritte gemacht. Ich bin eigentlich mit einem sehr positiven Gefühl in das Stuttgart-Spiel gegangen und habe gedacht, dass wir gewinnen. Wir haben jedoch deutlich verloren und ich bin enttäuscht. Aber ich glaube, dass wir im nächsten Spiel gegen Köln drei Punkte einfahren werden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Droht in der Liga wieder ein Fehlstart?

Höwedes: Wir wussten, dass wir im Supercup gegen Dortmund etwas glücklich gewonnen haben. Im DFB-Pokal hatten wir eine relativ einfache Aufgabe, aber ich glaube nicht, dass wir ähnlich schlecht in die Saison starten wie im Vorjahr.

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SPORT1: Wie beurteilen Sie als langjähriger Schalke-Spieler die drastischen Veränderungen im Verein und in der Mannschaft in der jüngeren Vergangenheit?

Höwedes: Wir hatten in den beiden Jahren vor dieser Saison viele Zu- und Abgänge. In diesem Jahr haben wir uns gut verstärkt, haben die zweitjüngste Mannschaft in der Bundesliga und sind auf einem guten Weg. Die Jungs sind hungrig und es macht Spaß.

SPORT1: Für Aufsehen hat zuletzt Raul gesorgt. Weil er die Wahl in den Mannschaftsrat nicht annehmen wollte und weil er angeblich Probleme mit seiner Position auf dem Platz haben soll.

Höwedes: Da muss ich widersprechen. Raul spielt genau dieselbe Position wie in der vergangenen Saison. Da hat er auch eine hängende Spitze gespielt.

SPORT1: Aber hat er auch die gleichen Aufgaben wie in der vergangenen Saison?

Höwedes: Er soll anders arbeiten, weil wir versuchen, vorne früher zu pressen. Da muss natürlich auch Raul mitmachen, das ist doch ganz klar. Es kann keiner Pause machen, alle müssen zusammen agieren. Das macht er, er stellt sich weiterhin in den Dienst der Mannschaft.

[kaltura id="0_zk2jsijr" class="full_size" title="Aufruhr im königsblauen Königsreich"]

SPORT1: Und wie bewerten Sie die Tatsache, dass er die Wahl in den Mannschaftsrat nicht angenommen hat?

Höwedes: Ich sehe das nicht so dramatisch wie Außenstehende. Auch wenn es Probleme mit der Sprache gibt, allein durch seine Präsenz auf dem Platz ist er Vorbild für jeden von uns. Er ist ein Musterprofi, von dem sich viele eine Scheibe abschneiden können.

SPORT1: Manuel Neuer hat Schalke verlassen, Ralf Fährmann ist zurückgekehrt. Trauen Sie ihm zu, in seine Fußstapfen zu treten?

Höwedes: Als ich gehört habe, dass Ralf zurückkommt, habe ich mich sehr gefreut. Ich habe schon in der Jugend mit ihm gespielt, wir wurden zusammen Deutscher A-Jugendmeister. Uns verbindet eine enge Freundschaft und ich halte ihn für einen sehr guten Torhüter. Ehrlich gesagt habe ich die Torwartdiskussion nicht nachvollziehen können, denn mir ist klar, dass er seinen Mann stehen wird. Ich mache mir absolut keine Sorgen. Ralf tritt in große Fußstapfen, aber auf der Torwartposition werden wir keine Probleme haben.

SPORT1: Haben Sie sich mit Manuel Neuer über das Spiel gegen Gladbach unterhalten?

Höwedes: Ich habe ihn nicht auf die Szene angesprochen, die zum Tor geführt hat, und habe auch das Spiel nicht gesehen. Wir haben uns privat unterhalten - das war mir wichtiger.

SPORT1: Trotzdem hat die Szene die Schlagzeilen beherrscht. Wird er das wegstecken?

Höwedes: Manuel wird das verkraften, Er hat schon viele Sachen durchgestanden und eine hervorragende Saison für Schalke gespielt. Manuel ist absolut der beste Torwart der Welt.

SPORT1: Hat sich für Sie durch die Tatsache, dass Sie Nationalspieler und nun auch Kapitän sind, etwas für Sie verändert?

Höwedes: Es kommen jüngere Spieler zu mir und bitten um Rat, ich gehe aber auch auf sie zu. Ich muss immer vorangehen und Vorbild sein. Aber ich muss auch meine Leistung bringen und im Training Gas geben.

SPORT1: In der vergangenen Saison haben Sie in der Innenverteidigung neben Christoph Metzelder gespielt, am Samstag neben Papadopoulos. Wie ist der Stand bei Metzelder?

Höwedes: Christoph hatte Probleme mit der Achillessehne und dann eine Viruserkrankung. Er ist dabei, seinen Trainingsrückstand wettzumachen. Im Moment hat "Papa" die Nase vorn, aber am Ende entscheidet die Leistung und der Trainer.

SPORT1: In der Nationalmannschaft sind die Plätze in der Innenverteidigung hart umkämpft, auf der rechten Abwehrseite erscheint die Chance auf einen Einsatz größer. Wo würden Sie lieber spielen?

Höwedes: Ich muss schauen, auf welcher Position ich hier zum Einsatz kommen kann. Mir würde es natürlich nichts ausmachen, als rechter Verteidiger zu spielen. Es wäre zwar eine kleine Umstellung, aber ich bin froh, wenn ich in der Nationalmannschaft spielen und meine Leistung bringen kann.

SPORT1: Sie haben gegen Copa-America-Sieegr Uruguay Ihr Debüt gegeben. Am Mittwoch geht es gegen Brasilien, das bei Copa geschwächelt hat. Trotzdem ein besonderes Spiel?

Höwedes: Brasilien ist ein absoluter Top-Name und Spiele zwischen Deutschland und der "Selecao" sind immer etwas Besonderes. Gegen sie zu spielen, ist schon die Erfüllung eines Kindheitstraums.

SPORT1: Mit dem Gewinn der U-21-Europameisterschaft haben Sie sich schon einen Traum erfüllt. Wäre es für Deutschland langsam an der Zeit, wieder einen Titel mit der A-Nationalmannschaft zu gewinnen?

Höwedes: Wir haben den Anspruch, den maximalen Erfolg herauszuholen und wollen natürlich gern Europameister werden.

SPORT1: Wie schätzen Sie die brasilianische Mannschaft ein?

Höwedes: Brasilien hat immer hochversierte Spieler, die Spaß verkörpern und erfolgreichen Fußball spielen. Wir müssen gewarnt sein.

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