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Franz Beckenbauer (l.) gewann mit dem FC Bayern als Trainer 1996 den UEFA-Cup © dpa

Der "Kaiser" lobt Dortmund nach dem Saisonstart und sieht den Meister fast auf einer Stufe mit den Katalanen. Der BVB bremst.

Von Martin Volkmar

München/Dortmund - Die Reaktionen von Uli Hoeneß sprachen für sich.

Erst verfolgte der Präsident auf der Tribüne mit versteinerter Miene die Gala von Meister Borussia Dortmund beim Saisonauftakt gegen den Hamburger SV (3:1). (Bericht)

Dann musste er gezwungenermaßen nach dem Abpfiff den ärgsten Titelkonkurrenten loben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das war für das erste Spiel schon sehr ansehnlich", gab Hoeneß zu.

"Uns ist allen klar, dass die Dortmunder ein ganz hartnäckiger Gegner sein werden und wir uns alle sehr anstrengen müssen, um am Ende vor ihnen zu stehen."

Hoeneß wortloser Frust

Doch von diesem Anspruch war der Rekordmeister zwei Tage später meilenweit entfernt. Und Hoeneß ärgerte sich sichtbar auf seinem Platz in der Allianz Arena über die 0:1-Pleite gegen Mönchengladbach.

Danach flüchtete der FCB-Boss kommentarlos - ein deutliches Zeichen für seinen großen Frust.

Wesentlich redseliger gab sich Hoeneß? Vorgänger im Amt des Vereinspräsidenten.

Beckenbauer "ernüchtert"

"Ich bin ernüchtert. Das haben sich alle bei Bayern anders vorgestellt", erklärte Franz Beckenbauer bei "Sky". "Das war hilflos."

Die Kritik wird umso vernichtender, wenn man sie mit der Begeisterung vergleicht, mit der der "Kaiser" über Konkurrent Dortmund spricht. 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag).

"Dortmund ist spielerisch stärker"

"Dortmund ist spielerisch stärker. Sie haben in der Sommerpause nichts verlernt und nahtlos an die Vorsaison angeknüpft", sagte Beckenbauer im Gespräch mit SPORT1:

"In der Form können sie sich berechtigte Hoffnungen auf eine Titelverteidigung machen."

Fast auf einer Stufe mit der weltbesten Mannschaft

Der frühere Weltstar sieht den BVB mit seinem Hochgeschwindigkeits-Fußball sogar fast schon auf einer Stufe mit der weltbesten Mannschaft (Bericht: "Götzinho" sorgt für Begeisterung: "Genau wie Messi").

[kaltura id="0_xhckku27" class="full_size" title="Klopp stapelt tief"]

"Es gibt mit Ausnahme des FC Barcelona keine Mannschaft, die so schnell von der Defensive in die Offensive umschaltet und umgekehrt", schwärmte Beckenbauer:

"Das ist wirklich toll. In Deutschland gibt es keine Mannschaft, die das sonst noch kann."

Ein hartes Urteil vor allem für den eigenen Klub, bei dem doch unter dem neuen Coach Jupp Heynckes alles besser werden sollte.

Schablonen-Fußball wie unter van Gaal

Doch gegen Gladbach war davon nichts zu sehen, stattdessen ärgerten die Münchner die erwartungsfohen Fans mit dem ideenlosen Schablonen-Fußball der Ära von Heynckes-Vorgänger Louis van Gaal.

Immerhin standen die Bayern unter dem Niederländer zuletzt an der Bundesliga-Spitze, doch die Meisterfeier 2010 liegt bereits 459 Tage zurück.

Und die Statistik macht wenig Hoffnung auf baldige Besserung: Nach einer Autaktniederlage wurde der FCB nur ein einziges Mal noch Deutscher Meister - 1985/86 unter Udo Lattek.

Netzer: "Ganz viele Defizite"

"Ich bin überrascht. Die Bayern sind noch nicht so gefestigt, wie es im Kampf um die Meisterschaft nötig ist. Sie haben ganz viele Defizite", sagte Günter Netzer der "Welt".

"Wenn die Bayern nicht aufpassen und sich steigern, läuft es wie im vergangenen Jahr, und Dortmund marschiert. Mir gefällt, wie unbeeindruckt und natürlich sie spielen."

Auch andere Experten wie Bundestrainer Joachim Löw oder DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sind begeistert von den BVB-Überfliegern.

BVB bremst Euphorie

Nur beim Titelverteidiger selber will man nichts davon wissen. "Für uns hat sich auch durch die Niederlage der Bayern nicht geändert", bremste auch Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der "Bild" jegliche Euphorie.

"Wir lassen uns sicher nicht von einem Spiel blenden. Bayern bleibt weiter der Meister-Favorit."

So sieht es auch Kevin Großkreutz, gegen den HSV mit zwei Toren der Matchwinner: "Die Auftakt-Pleite der Bayern gar nichts zu bedeuten. Die bleiben weiter der große Favorit."

Großkreutz sieht sogar Luft nach oben

Allerdings sieht der Publikumsliebling bei seinem Team sogar noch Luft nach oben. "Jeder Einzelne und auch als Mannschaft haben wir uns weiter entwickelt. Wir sind alle noch jung", sagte Großkreutz SPORT1.

"Gerade für das Selbstvertrauen war die Leistung gegen den HSV gut. Aber man hat in der Vorbereitung schon gesehen, dass wir gut drauf sind. Der Trainer hat uns richtig gut eingestellt und fit gemacht."

Klopp: "Kein Hexenwerk"

Doch die beachtliche Frühform der Borussen "ist kein Hexenwerk", erklärte Meistercoach Jürgen Klopp:

"Wir verteidigen gut gegen den Ball und gegen den Gegner. Fußball ist seit jeher mit Bewegung verbunden. Wenn das Spiel statisch wird, bekommt man Probleme."

Den Bayern müssten diese Aussagen in den Ohren klingen, denn genau die fehlende Bewegung im Münchner Spiel war das Hauptproblem gegen Gladbach und auch schon über weite Strecken der verkorksten letzten Saison.

So traf Beckenbauer den Nagel auf den Kopf, als er auf die SPORT1-Frage nach den Lehren des 1. Spieltags für die Bayern knapp antwortete: "Anstrengen!"

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