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Hilferuf? Stale Solbakken kam vor dieser Saison vom FC Kopenhagen zum 1. FC Köln © getty

In Köln herrscht Tristesse. Der neue Coach Solbakken wollte mit Konzeptfußball begeistern. Doch die Spieler sind überfordert.

Von Reinhard Franke

München - Als hätten sie sich abgesprochen.

Wie beim Nachbarn Bayer Leverkusen schrillen auch beim 1. FC Köln schon nach nur einem Liga-Spiel die Alarmglocken. 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag)

Seit 2005 gab es für den Verein keinen Auftaktsieg mehr, doch die Pleite zum Auftakt gegen den VfL Wolfsburg war doch schon eine neue Qualität des Fehlstarts. (Bericht)

Rat- und Konzeptlosigkeit bei den FC-Profis gab der "Bild" schon Anlass zur Frage: "Reicht dieser Schönwetterkader?" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der neue Coach Stale Solbakken hat wie sein Kollege Robin Dutt auf der anderen Rheinseite schon nach den ersten 90 Minuten Arbeitsnachweis seiner müden Kicker Probleme ohne Ende.

Konzeptlos statt Konzeptfußball

Vor dem Spiel war die Hoffnung groß. Jeder sprach vom neuen Konzept, was Solbakken spielen lassen will. Hinterher fragten sich alle: Welches Konzept? Von diesem war weit und breit nichts zu sehen.

"Wir haben ängstlich gespielt", gestand Keeper Michael Rensing. "Wir haben zu viel nachgedacht. Wolfsburg war selbst verunsichert und wir haben sie aufgebaut. Jetzt ist die größte Gefahr, dass gleich alles in Frage gestellt wird."

Das will der norwegische Coach verhindern und sofort gegensteuern. So überraschte er nach der Wolfsburg-Pleite mit einem selten dagewesenen Geständnis und stellte sich vor seine Mannschaft.

"Das ist meine Verantwortung, meine Schuld"

"Wir haben große individuelle Fehler gemacht, aber auch viele Fehler als Mannschaft. Das ist meine Verantwortung, meine Schuld. Wir hatten auch gute Phasen, aber nach Novas Platzverweis war es vorbei", sagte Solbakken im "Express" entwaffnend ehrlich.

Für diese Erklärung bekam Solbakken von den Journalisten sogar Lob. Doch das wird dem Trainer auch nicht weiterhelfen. Er will von seinem Weg trotzdem nicht abweichen.

"Ich werde keine Kompromisse machen. Ich werde an meinem Konzept festhalten. Es ist meine Verantwortung, dass dieses Konzept besser funktioniert." Allerdings wirkte das komplette Team von diesem Konzept gegen Wolfsburg heillos überfordert.

Spieler sind ratlos, mutlos, ideenlos

Die Verunsicherung zog sich von Michael Rensing bis zu Milivoje Novakovic. "Hätten wir noch eine Woche länger gehabt, wären wir auch nicht viel weiter", sagt Rensing. Auch Neuzugang Sascha Riether klingt nicht unbedingt hoffnungsfroher.

Zu Solbakkens Konzept sagt er nur: "Wie das funktioniert, fragen sie besser den Trainer." Die Mannschaft ist momentan von der Umsetzung der Trainer-Ideen so weit entfernt wie der FC von der Champions League.

Die Antworten der Spieler müssen die Verantwortlichen aufhorchen lassen. Sie haben die Philosophie ihres Chefs noch nicht wirklich begriffen.

"Ist Kölns neuer Trainer zu schlau für Poldi Co.?" fragt die "Bild" schon spöttisch, aber nicht wirklich zu unrecht.

Personeller Engpass

Für zusätzlichen Alarm am Geißbockheim sorgt die personelle Situation, denn nach seinem dämlichen Platzverweis fehlt Novakovic auf Schalke.

Ein Ersatz ist nicht in Sicht. Wahrscheinlich rückt dafür Lukas Podolski ins Sturmzentrum, Mato Jajalo dahinter. Sebastian Freis und Alexandru Ionita sind weiter verletzt. Verstärkungen? Fehlanzeige.

"Ich glaube, für das, was wir zur Verfügung haben, kann man keine guten Stürmer kaufen", sagt Solbakken.

Zu wenige Alternativen

Der Kader wurde vor der Saison personell ausgedünnt. Doch es reift die Erkenntnis, dass er nun nicht wirklich ausgeglichen daherkommt.

Nahezu jeder Ausfall eines Leistungsträgers - wie zuletzt der von Mohamad - stellt den FC vor arge Probleme. Die Kölner Spieler wirken hilflos, ideenlos, mutlos. Allen voran Kevin Pezzoni, im ersten Spiel an allen gefährlichen Aktionen des Gegners direkt beteiligt.

Hinter Podolski, Rensing und Novakovic herrscht weitestgehende Leere. Fallen die Leistungsträger aus, ist das Gejammer bei den "Geißböcken" groß.

Zu viele Mitläufer im Team

Denn: Solbakken hat keinen Ersatz-Knipser in der Hinterhand. "Dann müssen wir improvisieren", sagt der Trainer ehrlich und darf das schon Samstag auf Schalke ausprobieren.

In der Innenverteidigung sieht es nicht viel besser aus. Auch hier stehen zu viele Mitläufer im Team. Dazu verletzte sich am Dienstag Youssef Mohamad beim Vormittagstraining bei einem Zusammenprall. Wie lange er pausieren muss, steht noch nicht fest.

Sportdirektor Volker Finke sieht die Situation weit weniger brenzlig. Er sagt: "Wir haben alle Leistungsträger gehalten."

Ob das in Köln alle verstehen...

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