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Markus Babbel trat bei der Hertha die Nachfolge von Friedhelm Funkel an © getty

Hertha-Trainer Markus Babbel spricht im SPORT1-Interview spricht über seine Ideale, das Bayern-Sieger-Gen und seine Sehnsucht.

Von Daniel Rathjen

München - Sein Leben trägt er unter der Haut.

Alles, was ihm heilig ist, hat Markus Babbel sich als Tattoo stechen lassen - sein Lebensmotto ist: "It's only Rock 'n Roll."

Ein Engel, die heilige Maria und die Initialen seiner Kinder sind auf seinem Körper ebenso wie die Wappen seiner Klubs (FC Bayern, VfB Stuttgart, FC Liverpool, Hamburger SV und TSV Gilching) verewigt.

Seit diesem Sommer ziert auch das Logo von Hertha BSC seinen linken Oberarm.

Mit dem Hauptstadtklub stieg der 38-Jährige als Trainer in die Bundesliga auf und steht nun vor der großen Herausforderung, die Klasse zu halten. 438367(DIASHOW: Der 1. Spieltag)

Im SPORT1-Interview spricht der Berliner Trainer über seine Ideale, das Bayern-Sieger-Gen und seine Sehnsucht.

SPORT1: Herr Babbel, Sie sind zurück in der Bundesliga. Wie fühlt es sich an?

Markus Babbel: Es ist zum einen große Freude, zum anderen große Ernüchterung. Den Auftakt haben wir nicht so gestalten können, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Angst und der Respekt haben uns blockiert. Man kann verlieren, aber nicht so. Das wurmt mich. (SPIELBERICHT: Hertha patzt gegen Nürnberg)

SPORT1: In der vergangenen Saison wollten Sie beweisen, dass Sie aufsteigen können. Worum geht es jetzt?

Babbel: Wir brauchen Teamspirit, einen positiven Mannschaftsgeist, um unser Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Qualität haben wir. Zunächst gilt es, homogen zu werden und uns von der Niederlage nicht aus dem Tritt bringen zu lassen.

SPORT1: Hat sich durch den Aufstieg Ihre Beziehung zur Hertha verändert?

Babbel: Nein, ich habe mich damals voll mit der Aufgabe identifiziert und tue das nach wie vor. Ich hatte großen Spaß daran, mit dem Druck im ersten Jahr umzugehen und genauso empfinde ich das bei der aktuellen Herausforderung.

SPORT1: Wo steht Hertha BSC?

Babbel: Wenn wir so spielen wie gegen Nürnberg, wird die Saison sehr schwer. Ich habe aber Hoffnung, dass die Mannschaft es lernt, den Respekt beiseite zu legen und wieder Mut und Engagement zu zeigen. Die Jungs müssen wieder sagen: "Hey, wir sind 'ne gute Truppe, haben viel Spaß miteinander und zeigen das auch auf dem Platz."

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SPORT1: Was hat sich im Verein gewandelt seit Sie dort arbeiten? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Babbel: Wir haben eine Euphorie ausgelöst. Mannschaft und Fans sind wieder eins geworden. Das war die positive Seite der Zweiten Liga. Die Fans haben gemerkt, dass sich das Team für sie zerreißt. Wenn wir diesen Effekt wieder erreichen, bin ich absolut überzeugt, dass wir die Klasse halten. (NACHBERICHT: Herthas bitteres Comeback)

SPORT1: In Ihrem Kader befinden sich mit Kraft, Ottl, Lell einige Ex-Münchner. Auch Sie waren 16 Jahre lang dort aktiv. Setzen Sie auf das Bayern-Sieger-Gen?

Babbel: Dass so viele Ex-Bayern dabei sind, ist vielleicht auch etwas Zufall. Ich hätte sie auch verpflichten wollen, wenn sie vorher bei anderen Vereinen gewesen wären. Die Spieler haben Qualität, die sind einfach gut. Ob wir von dem Sieger-Gen profitieren können, muss sich erst noch zeigen (lacht).

SPORT1: Im Angriff geben Sie Youngster Lasogga das Vertrauen. Steht ihm eine große Karriere bevor?

Babbel: Er bringt alles mit. Er weiß, wo das Tor steht und hat großes Potenzial. Aber er muss hartnäckig und gierig bleiben, so wie er sich in der letzten Saison präsentiert hat. Auch die Familie spielt eine große Rolle und muss vielleicht mal beruhigend auf ihn einwirken, damit er einen klaren Kopf behält.

SPORT1: Spüren Sie bei ihm etwa eine Tendenz zum Abheben?

Babbel: Berlin ist kein leichtes Umfeld, das Medieninteresse ist hoch. Es ist wichtig, dass er Teil der Mannschaft bleibt und die Mannschaft muss versuchen, ihn so in Position zu bringen, dass er funktionieren kann.

SPORT1: Welche Werte versuchen Sie, Ihren Spielern zu vermitteln?

Babbel: Das klassische "Niemals aufgeben!" ist das eine. Letztlich ist es jedoch das wichtigste, dass die Spieler ihren Beruf leben - mit allen Annehmlichkeiten, aber auch Unannehmlichkeiten. Wenn sie auf Widerstände treffen, sollen sie sie angehen und nicht beim kleinsten Gegenwind einknicken. Der Job ist etwas Außergewöhnliches, doch dafür muss man auch gewisse Opfer bringen.

SPORT1: Gilt das auch für Trainer?

Babbel: Natürlich. Ich versuche, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ich mache meinen Job zu 100 Prozent, gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich Fehler mache. Wie hat Trappatoni immer so schön gesagt: "Wenn man Fehler macht, sollte man versuchen, sie mit Überzeugung zu tun."

SPORT1: Sie waren schon immer Fan des englischen Fußballs. Welche Elemente finden sich darin in Ihrer Philosophie wieder?

Babbel: Ach, die Zeit in England insgesamt einfach eine überragende Zeit für mich. Ich bin stolz darauf, mich im Ausland durchgesetzt zu haben. Das war eine wichtige Erfahrung, durch die ich mich besser in Spieler hineinversetzen kann.

SPORT1: Ist es Ihr Ziel, irgendwann mal ein englisches Team zu übernehmen?

Babbel: Ja, absolut. Ich bin damals nicht umsonst zum FC Liverpool gewechselt. Der englische Fußball reizt mich nach wie vor. Italien und Spanien haben mir nie etwas gegeben. Ein Engagement in England - das könnte ich mir sehr gut vorstellen.

SPORT1: Verfolgen Sie einen konkreten Karriere-Plan?

Babbel: Nein. Am ersten Tag bist du der Held, drei Monate später entlassen, weil die Resultate nicht stimmen - Fußball ist ein Tagesgeschäft. Es kommt wie es kommt. Ich gebe einfach Gas, versuche, einen guten Job zu machen. Ich will täglich in den Spiegel schauen können und sagen können, dass ich alles gegeben habe. Niemals möchte ich mir vorwerfen lassen, faul gewesen zu sein.

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