vergrößernverkleinern
Lorenzo Davids wurde 2010 zum Spieler der Saison beim NEC Nimwegen gewählt © getty

Lorenzo Davids ist der neue Rasta-Mann der Liga. Mit SPORT1 spricht der Augsburger über seinen Cousin, Sehschwäche und Thurk.

Von Christian Paschwitz

Augsburg - Mit seiner opulenten Dreadlocks-Frisur ist er der neue Rasta-Mann der Bundesliga.

Lorenzo Davids, geboren in Paramaribo (Surinam), fällt auf. Neben der Optik aber auch wegen seines berühmten Fußballer-Namens.

Der 24-jährige Neuzugang vom Aufsteiger FC Augsburg ist der Cousin von Edgar Davids, niederländischer Superstar und -Nationalspieler in den 90er Jahren (unter anderem Ajax Amsterdam und Juventus Turin).

"Früher als Jugendlicher hat mich der Vergleich mit Edgar gewaltig genervt", sagt Lorenzo Davids im SPORT1-Interview.

"Edgar ist mein schärfster Kritiker"

Mittlerweile sieht der Linksfuß, der bei Augsburgs Bundesliga-Debüt gegen den SC Freiburg (2:2 / Nachbericht) über 75 Minuten ein ordentliches Spiel im Mittelfeld bot, die Familienangelegenheit höchst gelassen.

Auch wenn "Edgar mein schärfster Kritiker ist", so der bullige Niederländer (1,80 Meter groß, 74 Kilogramm schwer), zuvor in der holländischen Ehrendivision beim NEC Nimwegen.

Der Davids der Gegenwart spricht bei SPORT1 auch über Sehschwächen, Augsburgs Kampf um den Klassenerhalt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) - und den suspendierten Michael Thurk (Bericht).

"Ich war echt kaputt"

SPORT1: Herr Davids, wie fühlen Sie sich nach Ihrem Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse?

Lorenzo Davids: Für das erste Spiel war das schon ganz okay, glaube ich. Es geht aber bestimmt noch besser, ich brauche eben Spiele.

SPORT1: Ihr Spitzname lautet "Pitbull"...

Davids: Naja, das kommt wegen der aggressiven Spielweise. Ich muss aber zugeben: Anders als zuletzt in Holland, rennst Du in Deutschland viel mehr ohne Ball, nach dem Freiburg-Spiel war ich echt kaputt. Aber auch das wird sich bald ändern, ich werde die Akkus schon schnell wieder aufladen.

SPORT1: Ein bisschen an die Substanz gehen mag momentan vielleicht auch Ihre familiäre Situation: Sie sind erst vor kurzem Vater einer Tochter (Jeazley, Anm. d.Red.) geworden. Wie verhält es sich mit Ihrem Schlaf-Defizit?

Davids(lacht): Ich kriege das ganz gut hin - denn meine Tochter ist noch immer mit meiner Freundin Samantha in Holland. Aber in zwei Wochen sind alle zu Hause. Dann werden wir mal sehen, wie das nachts aussieht. Aber bislang schlafe ich sehr gut.

SPORT1: Apropos Familie: Sie haben einen berühmten Namen, Edgar Davids ist Ihr Cousin. Eine schöne Sache, oder nervt es, dauernd mit einem früheren Superstar verglichen zu werden?

Davids: Früher in der Jugend hat mich das mit Edgar echt genervt. Aber wahrscheinlich ist das ganz normal - denn natürlich vergleicht man miteinander bei so einem berühmten Namen. Inzwischen gehe ich damit aber ganz locker um.

SPORT1: Wie ist denn Ihr Verhältnis zu ihm?

Davids: Er hat mich immer bestärkt, nun auch nach Deutschland in die Bundesliga zu gehen. Edgar hat gesagt: Da musst Du jetzt hin, da spielst Du mit den ganz Großen. Er ist froh, dass ich hier bin, und er hat auch gemeint, dass sei ein wirklich guter Schritt auf der Karriereleiter.

SPORT1: Das hört sich fast ein bisschen so an, als sei er Ihr Berater...

Davids: Sagen wir mal so: Er gibt mir immer Ratschläge. Wir telefonieren wirklich jeden Tag. Er schaut sich meine Spiele an, wann immer er kann. Und hinterher sagt er dann: In der einen oder anderen Situation hast Du das gut gemacht oder auch anders lösen können. Er ist also auch mein größter Kritiker.

SPORT1: Und das nervt nicht, so wie damals?

Davids: Nein, auch wenn es nicht immer positiv ist, so bin ich doch dankbar darüber, denn Edgar ist einfach ein so guter Spieler gewesen. Da kann ich nur von ihm lernen.

SPORT1: So eine extravagante Sportbrille wie er seinerzeit tragen Sie aber nicht?

Davids: Nein, ich habe ja gute Augen und sehe auch so ganz gut.

SPORT1: Wie sehen Sie eigentlich die Situation um den suspendierten Michael Thurk. Immerhin hatte er großen Anteil am Augsburger Aufstieg.

Davids: Da kann ich gar nicht so viel zu sagen, weil ich ihn ja seit meiner kurzen Zeit hier noch gar nicht richtig kenne. Aber so etwas gibt es eben immer wieder im Fußball. Uns als Mannschaft belastet es aber nicht sonderlich, wie müssen eben damit umgehen.

SPORT1: Jetzt geht es zum 1. FC Kaiserslautern. Wie stehen die Chancen?

Davids: Natürlich stehen wir auch da wieder unter Druck. Aber das Freiburg-Spiel macht uns Mut. Wir haben insgesamt gut gestanden, gerade in der zweiten Halbzeit auch selbst Druck gemacht. Wir wollen auch in Kaiserslautern drei Punkte. Und ansonsten müssen wir von Spiel zu Spiel schauen und abwarten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel