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Mario Götze (l.) kam 2001 aus Hombruch nach Dortmund © getty

Mario Götze und Co. landen in Hoffenheim auf dem harten Boden der Realität. Jürgen Klopp motzt über die Medien und gibt Rätsel auf.

Sinsheim - Den Abschluss seiner unglaublichen Woche hatte sich Shootingstar Mario Götze sicher ganz anders vorgestellt.

Die Endphase der bitteren 0:1-Niederlage von Borussia Dortmund bei 1899 Hoffenheim (Spielbericht) musste der unter der Woche für seine Gala gegen Brasilien weltweit gefeierte Youngster von der Bank aus durchleiden.

Trainer Jürgen Klopp hatte den müde wirkenden Götze bereits nach knapp zehn Minuten der zweiten Hälfte ausgewechselt und kurz darauf auch den ebenfalls für das DFB-Team nominierten Ilkay Gündogan vom Feld geholt.

"Körperliche Müdigkeit - über die können wir sprechen. Über alles andere sind wir wieder in einer Sphäre, wo ich mich nicht so gut auskenne", lieferte Klopp bei "sky" eine rätselhafte Begründung für seine Maßnahme:

"Es hätte funktionieren können - hat es aber nicht. Wir werden uns entwickeln und lernen."

Klopp von Medien genervt

Am zweiten Spieltag zeigte der Deutsche Meister während und auch nach der Partie ungewohnte Schwächen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Götze tauchte nach seiner Auswechslung genauso ab wie über weite Strecken auf dem Platz.

Klopp suchte derweil die Schuld für die Niederlage zum Teil bei den Medien:

"In dieser Woche ist es mit dem Füllhorn über uns gekommen. Ich verdiene einen Großteil meiner Kohle, weil die Medien Nachrichten transportieren. Aber ich muss mit den Auswirkungen arbeiten", meinte er.

"Dass die Öffentlichkeit beim Erreichen von Zielen hilft, ist selten. Deshalb war ich nicht überrascht, dass Dinge überzeichnet wurden. Ich hätte auch weiter auf die Euphoriebremse getreten, wenn wir gewonnen hätten. Nun muss ich das nicht tun," fügte der sichtlich genervte Coach hinzu.

Frust über Schiedsrichter

Seinen Frust hatte er während der 90 Minuten und auch nach Schlusspfiff am vierten Unparteiischen Guido Kleve ausgelassen.

"Alles was ich sage, kann gegen mich verwendet werden. Deshalb halte ich die Schnauze zu diesem Thema. Ich habe aber ganz sicher niemanden beleidigt", sagte Klopp, der eine Viertelstunde vor Schluss wegen seiner ständigen Meckereien vor einem Verweis auf die Tribüne gestanden hatte.

Schiedsrichter Deniz Aytekin beließ es aber einer letzten Ermahnung.

Anstatt mit dem Schiedsrichter-Gespann, das sich ohnehin keine groben Fehler geleistet hatte, hätte sich Klopp besser mit seinen Schützlingen beschäftigen sollen.

Die Dortmunder, die nur eins von sieben Bundesliga-Duellen gegen Hoffenheim gewinnen konnten, ließen ihre Klasse nur ganz selten aufblitzen.

Zorc schützt Götze

Das galt vor allem für Götze, der nur durch eine Gelbe Karte wegen Meckerns (38.), der Vorarbeit zu einer guten Chance durch Kevin Großkreutz (38.) und dem wiederkehrenden Kopfschütteln über die eigene Leistung aufgefallen war. 441123(DIASHOW: Der 2. Spieltag)

"Mario war müde. Das ist normal bei einem 19-Jährigen. Wir werden da auch in Zukunft genau aufpassen", meinte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Als Grund für die Niederlage wollte Zorc den Auftritt des Jungstars aber nicht gelten lassen:

"Man bekommt eben nichts geschenkt und muss sich alles immer wieder neu erarbeiten. Das haben wir diesmal nicht gemacht. Wir müssen einfach bei unserer Chancenverwertung besser werden. Das ist ein wichtiger Punkt."

"Waren klar die bessere Mannschaft"

Torhüter Roman Weidenfeller brachte das schwarz-gelbe Dilemma gegenüber LIGA total! auf den Punkt:

"Wir haben sehr dominant gespielt, waren die klar bessere Mannschaft. Aber wir hätten heute noch länger spielen können und kein Tor geschossen - es hat einfach nicht gepasst, solche Tage gibt es."

"Stani" bescheiden

Während der BVB seine Wunden leckte, konnte sich Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski dank des Freistoß-Treffers von Sejad Salihovic aus über 30 Metern (9.) über seine gelungene Heimpremiere und den ersten Saisonsieg freuen.

Der Coach, der zuvor noch nie gegen Dortmund gewonnen hatte, blieb aber bescheiden.

"Die Jungs sollen bejubelt werden", sagte das Nordlicht, das sich im Kraichgau nach wie vor wie im Film "Lost in Translation" fühlt:

"Ich bin froh, wenn ich alles verstehe, wenn ich angesprochen werde. Ich lächle immer und winke, obwohl ich vielleicht gerade beschimpft werde."

"Haben viel investiert"

"Stani" gefiel vor allem die Leidenschaft und der Einsatzwille seiner Truppe nach dem schwachen Bundesliga-Auftakt vor Wochenfrist.

"Für mich war es wichtig zu sehen, wie wir mit der Niederlage in Hannover umgehen. Wir haben unheimlich viel als Mannschaft investiert", freute sich Stanislawski:

"Das war wichtiger als die drei Punkte."

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