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Stole Solbakken wechselte im Sommer vom FC Kopenhagen zum 1. FC Köln © imago

Nach dem Debakel auf Schalke wird für den Trainer schon jetzt die Luft dünn. Finke und die Mannschaft stellen sich hinter ihn - noch.

Gelsenkirchen - Kevin McKenna hatte offenbar komplett die Orientierung verloren. Der Kölner Verteidiger machte sich nach der peinlichen 1:5(1:1)-Pleite (Bericht) des 1. FC Köln auf den Weg in Richtung der Schalker Kabine.

Vor seinem Missgeschick fand er aber immerhin noch klare Worte. "Ich bin jetzt seit vier Jahren in Köln. Daran wird sich wohl nie etwas ändern", ärgerte sich McKenna, dass der FC nach zwei Spieltagen schon wieder tief in der Krise steckt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Aber wir müssen es ändern", forderte der Kanadier, wohlwissend, dass ansonsten der Stuhl von Trainer Stale Solbakken schon wieder wackelt.441123(DIASHOW: Der 2. Spieltag)

Null Punkte nach zwei Spieltage, 1:8 Tore - auch der Norweger weiß, was auf ihn zukommt.

"Im Inneren ist es für mich die Hölle", sagte Solbakken äußerlich gefasst: "Der Druck auf mich ist hoch, aber ich habe Vertrauen in meine Arbeit. Ich denke nicht an meine persönliche Situation, sondern ich glaube an mein Konzept."

Doch sein Konzept einer kompakten, organisierten Einheit fiel nach der Pause in sich zusammen.

Der Norweger sprach von "großen und einfachen Fehlern", die seine Mannschaft gemacht habe, und bezeichnete deren Leistung in den letzten 35 Minuten als "Katastrophe".

"Druck durch Presse und Fans"

Er rechnet mit "sehr großem Druck durch Presse und Fans" in der kommenden Woche und erwartet ein richtungweisendes Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern am Samstag: "Das wird schon ein großes, großes Spiel."

Von Sportdirektor Volker Finke erhält Solbakken Rückendeckung - noch: "Die Situation ist mehr als ärgerlich. Aber dass es ein bisschen Zeit braucht, eine veränderte mannschaftstaktische Einstellung auf den Platz zu bringen, ist nicht ganz überraschend. Für die ganz globalen Fragen ist es noch etwas zu früh."

Auch aus der Mannschaft bekam Solbakken Zuspruch. Abwehrspieler Christian Eichner meinte, dass der Auftritt nach der Pause "nichts mit einem System oder mit dem Trainer" zu tun gehabt habe.

Raul mit Traumtor

Nach einer ordentlichen Leistung in der ersten Hälfte und der frühen Führung durch Podolski in der zwölften Minute nahm der Samstagnachmittag für die Kölner zunächst einen unglücklichen Verlauf, bevor es peinlich wurde.

Schiedsrichter Guido Winkmann gab einen äußerst umstrittenen Elfmeter, nachdem Kyriakos Papadopoulos den Ball McKenna an die Hand geköpft hatte.

Klaas-Jan Huntelaar verwandelte zum 1:1. Die schnellen Treffer durch Huntelaar (47.) und Lewis Holtby (48.) schockierten die Gäste nach Wiederanpfiff und machten sie völlig orientierungslos.

"Wir haben die Ordnung verloren. Ich weiß auch nicht, was da passiert ist", sagte Kapitän Pedro Geromel.

Superstar Raul (59.) mit einem herrlichen Lupfer und Huntelaar (84.), der seinen ersten Dreierpack für Schalke erzielte, machten das Debakel für die Kölner perfekt.

Podolski läuft am wenigsten

In einer desolaten Elf fiel Podolski dabei besonders negativ auf.

Drei Tage nach seiner mäßigen Vorstellung im Länderspiel gegen Brasilien agierte der abgesetzte Kölner Kapitän lustlos und machte keinerlei Anstalten, dem Spiel noch irgendwelche Impulse zu verleihen.

Die Lauf-Statistik sprach Bände: "Prinz Poldi" lief knapp 9,4 Kilometer und damit die mit Abstand geringste Strecke der Kölner Spieler, die über 90 Minuten im Einsatz waren.

Geromel, als Innenverteidiger viel mehr an seine Position gebunden, war gut 9,5 Kilometer unterwegs.

Huntelaar, Angreifer wie Podolski, lief fast zwei Kilometer mehr.

Solbakken verteidigt Podolski

Während Podolski die Arena kommentarlos verließ und auch nicht zu den wütenden Fans in die Kurve ging, nahm ihn Solbakken in Schutz.

Die ganze Mannschaft habe nach der Pause schlecht gespielt, und davor habe Podolski "sehr gut attackiert".

Dass Podolski, dessen Konkurrenten Andre Schürrle und Mario Götze in der Nationalmannschaft sich im Gegensatz zu ihm in der Champions League präsentieren können, bis zum Ende der Transferperiode am 31. August Köln noch verlassen könnte, hält Solbakken für ausgeschlossen.

Zu "100 Prozent" werde Podolski bleiben, sagte er.

Schalke atmet durch

Während sich Solbakken an die Aufbauarbeit machte ("Die Köpfe der Spieler waren nach dem Doppelschlag unten, darüber müssen wir reden"), herrschte bei den Schalkern, die nach dem 0:3 beim VfB Stuttgart ebenfalls unter Druck standen, große Erleichterung.

"Das war die beste Halbzeit seit langem", sagte Matchwinner Huntelaar.

Der zuletzt hart kritisierte Torjäger atmete auch mit Blick auf seine persönliche Situation durch: "So, wie wir heute gespielt haben, ist es auch sehr gut für mich."

Holtby: "Die macht er im Training ständig"

Lewis Holtby freute sich bei SPORT1 über die Leistung der Mannschaft.

"Der Elfmeter ist zum richtigen Zeitpunkt gekommen, um das Spiel zu drehen", sagte der U-21-Nationalspieler: "Aber das Wichtigste war, dass wir mehr Spaß und Freude hatten. In Stuttgart waren wir zur verkrampft."

Nicht überraschen konnte den 20-jährigen der traumhafte Lupfer von Kollege Raul: "Die macht er im Training ständig. Und sechs von acht sind drin."

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