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Im Streitfall Olympia geriet Spielmacher Diego zwischen die Fronten © getty

Das Hickhack um die Olympia-Abstellung von Spielmacher Diego beeinträchtigte die Bremer Vorbereitung. Die Sport1-Vorschau.

Von Martin van de Flierdt

München - Der Beginn der Bundesliga-Saison 2008/2009 rückt näher. Sport1.de stellt alle 18 Teams vor. Dieses Mal: Werder Bremen.

Das Wesentliche ist in Bremen wie gehabt. Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs gehen in die zehnte gemeinsame Spielzeit als sportlich Verantwortliche.

Die Fitness-Grundlagen für die neue Saison wurden wie üblich auf Norderney gelegt. Und am Ende des Spieljahres soll wie in den vergangenen fünf die Champions-League-Qualifikation stehen.

Diegos Olympia-Traum stört die Vorbereitung

Außergewöhnlich war jedoch der Konflikt um die Olympia-Abstellung von Spielmacher Diego. Werder ließ den Brasilianer abreisen, klagte aber gemeinsam mit Schalke und dem FC Barcelona gegen die FIFA und bekam vom Internationalen Sportgerichtshof CAS Recht.

"Uns lag in erster Linie die Versicherungsfrage im Fall einer Verletzung Diegos am Herzen", begründete Allofs Werders Hartnäckigkeit. "Auf Vermittlung des DFB ist diese Frage nun geklärt worden."

Neben dem Regisseur fehlt mit Innenverteidiger Per Mertesacker (Meniskus-Operation) ein weiterer Leistungsträger zum Saisonstart. Ungünstig, denn gerade in der konteranfälligen Defensive "müssen wir uns steigern", wie Wortführer Torsten Frings findet.

Problemzone hinten links

Besonders die Linksverteidigerposition, wo Sebastian Boenisch und Petri Pasanen um den Stammplatz kämpfen, bleibt Werders Achillesferse.

Die von Frings geforderte Verstärkung des Angriffs nach dem Abgang von Ivan Klasnic (FC Nantes) könnte noch kurzfristig an die Weser kommen. "Bei einer günstigen Gelegenheit", sagt Allofs, "machen wir noch etwas."

Wer ist neu?

Mit dem österreichischen EM-Teilnehmer Sebastian Prödl (Sturm Graz), dem bosnischen Nationalspieler Said Husejinovic (Sloboda Tuzla) und Niklas Andersen (Rot-Weiss Essen), dem Sohn des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Jörn Andersen, hat Sportdirektor Allofs bislang drei junge, viel versprechende Akteure unter Vertrag genommen.

Prödl wird vermutlich gleich als Vertreter Mertesackers gefordert. "Er ist ein junger Mann, den man nicht unter Druck setzen sollte", mahnt Frings aber zu Geduld mit dem 2,5 Millionen Euro teuren Innenverteidiger, der in der Vorbereitung nicht frei von groben Schnitzern blieb.

Offensivmann Husejinovic, der im linken Mittelfeld oder als Stürmer einsetzbar ist, macht laut Schaaf "schon viele Dinge richtig". Der dribbelstarke 20-Jährige weiß sich im Eins-gegen-eins durchzusetzen, ist aber auch für schnelle, schnörkellose Kombinationen zu gebrauchen. Andersen soll sich zunächst in Werders Drittliga-Mannschaft bewähren.

Wer ist der Hoffnungsträger?

Ungeachtet der Olympia-Querelen bauen die Bremer Fans weiter auf Spielmacher Diego. Der Brasilianer hat in seinen zwei Jahren an der Weser in 63 Bundesligaspielen 26 Tore und 25 Vorlagen angehäuft.

Da Werder ihn seinem Wunsch entsprechend trotz fehlender Abstellungsverpflichtung in Peking spielen ließ, befindet sich der 23-Jährige in einer gewissen Bringschuld für die Zeit danach.

Bis dahin wird er von Aaron Hunt vertreten. "Dass Diego nicht da ist, ist keine Katastrophe", meint Allofs. "Wir wissen ja, dass Aaron das kann." Der 21-Jährige interpretiere die Position hinter den Spitzen aber nicht wie Diego, "sondern auf seine Art und Weise".

Mit Mesut Özil hat Werder zudem einen weiteren Kandidaten, der für den nicht unwahrscheinlichen Fall zum Kreativkopf taugt, dass Diego seinen bis 2011 laufenden Vertrag in Bremen nicht erfüllt.

Wie ist die Stimmung?

Der SV Werder fühlt sich trotz des Fehlens von Diego und Mertesacker für den Saisonstart gewappnet. Das Personal ist mit der bewährten Offensivausrichtung im 4-4-2 bestens vertraut und eingespielt.

"Werder ist die Mannschaft, die die Raute perfekt spielt", behauptet Frings. Von den elf Testspielen verlor Werder nur eines gegen Trabzonspor (1:3). Im DFB-Pokal gab?s ein ungefährdetes 9:3 gegen den Oberligisten Eintracht Nordhorn.

Was sind die Ziele?

"Wenn es eine Nummer eins gibt, will man die auch erreichen", hält Trainer Schaaf mit der gewohnt hohen Ambition nicht hinter dem Berg. "Wir wollen ganz oben mit dabei sein."

Davon, die Klinsmann'schen Bayern von vorneherein auf den Schild zu heben, hält man in Bremen nichts. "Am Ende entscheidet, was auf dem Platz abgeht", meint Frings. "Wenn da nichts läuft, helfen auch keine Buddha-Figuren."

Die Sport1-Prognose:

Werder spielt auch in der neuen Spielzeit um die Champions-League-Plätze mit. Die Konkurrenz vor allem aus Schalke und Wolfsburg hat allerdings personell arg zugelegt, so dass es für die Bremer nicht leichter wird, ihre Position zu behaupten. Platz drei sollte dennoch möglich sein.

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