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Luiz Gustavo kam in der Winterpause der Saison 2010/2011 zum FC Bayern München © getty

Gustavo zeigt bei Bayern, dass er mehr als ein Biedermann im Mittelfeld sein kann. Dabei legte sich Heynckes erst spät fest.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der Hallo-Wach-Effekt war für Luiz Gustavo schmerzhaft.

In der siebten Minute donnerte ihm in Wolfsburg Bayern-Teamkollege Rafinha aus nächster Nähe den Ball an den Kopf. Gustavo krümmte sich am Boden, doch trotz des Torpedotreffers spielte er natürlich weiter.

Und für seinen Durchsetzungswillen wurde der 24-Jährige belohnt, erzielte das Siegtor in der Nachspielzeit. (BERICHT: Mit Glück und Gustavo: Bayern atmet auf )

"Eine gute Mannschaft muss auch Glück haben", stellte Gustavo nach dem Erfolgserlebnis fest.

Mit seinem Treffer hat er die latente Kritik an seinen offensiven Qualitäten abgebügelt und auch seinen Platz an der Seite von Bastian Schweinsteiger gefestigt.

"Wir müssen immer daran glauben"

Den Erfolg über Wolfsburg nannte der Brasilianer "sehr wichtig". Er weiß, wie sehr die Roten nach dem 0:1 gegen Gladbach einen Schub vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen Zürich benötigt haben.

"Jeder Spieler muss immer daran glauben, dass wir gewinnen können. Auch noch über die 90. Minute hinaus", sagte Gustavo.

Die einst von Oli Kahn propagierte Immer-Weiter-Mentalität der Bayern ist bei dem defensiven Mittelfeldspielspieler angekommen. Zumal er sich mit seinem dritten Pflichtspieltreffer in seiner Münchner Zeit auch Trainer Jupp Heynckes eindrücklich empfohlen hat.

Tymoshchuk bleibt Ersatz

Der Bayern-Trainer hatte sich nach einigen Experimenten in der Vorbereitung auf das Duo Bastian Schweinsteiger/Luiz Gustavo festgelegt. Anatoliy Tymoshchuk, ebenfalls für die Rolle des Sechsers getestet, blieb außen vor. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Beim Saisonauftakt gegen Gladbach erledigte Gustavo einen ordentlichen Job genauso wie im DFB-Pokal in Braunschweig.

Die defensive Absicherung stimmte dank sicherer Pässe und einem guten Auge in weiten Teilen. In den drei Spielen kassierte Bayern nur einen Gegentreffer.

[kaltura id="0_ffs8zbti" class="full_size" title="Doppelpass Der FC Bayern in der Analyse"]

Ankurbeln dürfen die anderen

Doch nach vorne überließ der Brasilianer die mühselige Arbeit des Ankurbelns meist anderen, auch gegen Wolfsburg schoss er nur selten aus der Distanz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich bin kein Verlierertyp", meinte Gustavo nach seiner Glanztat, ein Satz, der sich durchaus auch mit Blick auf das Rangeln um den Job im FCB-Mittelfeld lesen lässt.

Für 15 Millionen Euro holten die Bayern im Winter Gustavo aus Hoffenheim, er sollte das Wundermittel sein, um die vorherige Nicht-Einkaufspolitik noch im zweiten Versuch geradezurücken.

Flexibilität als Fluch

Doch die defensive Flexibilität, für die Gustavo von Trainer Louis van Gaal gepriesen wurde, entpuppte sich als eine Art Fluch für den Brasilianer. Er spielte auf der Sechs, dann in der Vierkette, mal außen, mal zentral.

Einspielen auf einer Position geht anders 441123(DIASHOW: Der 2. Spieltag).

Bei Heynckes ist der technisch starke Gustavo jetzt im defensiven Mittelfeld gesetzt. Über Arturo Vidal, der ja lange Zeit unbedingt zum FCB kommen sollte, spricht keiner mehr.

Und via München hat sich Gustavo, der passabel Deutsch spricht, auch für Brasiliens Nationalelf qualifiziert, nun gegen Deutschland mit einem Kurzeinsatz sein erstes Länderspiel absolviert.

Elber traut ihm große Entwicklung zu

Ex-Bayern-Star Giovane Elber sieht bei Gustavo die Qualitäten dafür, sich langfristig in der Selecao einen Platz zu erobern.

"Die Probleme im defensiven Mittelfeld sind noch nicht behoben. Und er könnte eine Lösung sein", meinte Elber in der "tz": "Menezes (Brasiliens Nationaltrainer, Anm. d. Red.) hält große Stücke auf ihn. Er ist zweikampfstark und hat Qualitäten in der Offensive."

Die Bayern-Fans würden Gustavo, Spitzname "Guga", gewiss gerne noch öfter in Tornähe sehen, ein Gesichtstreffer vom Kollegen Rafinha hat er dort immerhin nicht zu befürchten.

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