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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) im Gespräch mit Christoph Daum © getty

Im SPORT1-Interview spricht Christoph Daum über seine Hautkrebserkrankung, den 1. FC Köln und eine Rückkehr auf die Trainerbank.

Von Reinhard Franke

München - Zuletzt war Christoph Daum am 14. Mai 2011 auf der großen Fußball-Bühne zu sehen.

Mit Eintracht Frankfurt stieg der Trainer damals in Dortmund aus der Bundesliga ab - seitdem war es still geworden um ihn.

Seit Sonntagabend ist klar, warum. Da berichtete Daum auf "Sky" von einer Hautkrebserkrankung und mehreren Operationen in den vergangenen Wochen.

Mit SPORT1 spricht Daum über seine Gesundheit, die Probleme seines Herzensklubs 1. FC Köln und die Rückkehr in den Job.

SPORT1: Herr Daum, nach dem Abstieg mit Eintracht Frankfurt war es ruhig um Sie. Wann sehen wir Sie wieder auf der Trainerbank?

Christoph Daum: Die Zeit bei der Eintracht hat mir gezeigt, dass ich mit ganzem Herzen in dem Trainerberuf drin bin und dem möchte ich wieder nachgehen. Ich möchte definitiv nicht mehr so lange warten wie letztes Jahr, wo ich erst zum Saisonende eingestiegen bin. Ich hoffe, dass es jetzt schneller geht. Jetzt kam natürlich das gesundheitliche Problem dazu, so dass ich erst mal alle Angebote weggeschoben habe.

SPORT1: Sie sprechen Ihr gesundheitliches Problem an. Bei Ihnen wurde Hautkrebs diagnostiziert. Wie schwer war diese Diagnose für Sie?

Daum: Du nimmst Gesundheit immer als etwas Selbstverständliches hin. Wenn du nicht krank bist, schiebst Du diese Sachen vor dir her. Bei mir war das eine Zufalls-Check-Aktion. Ich war in Köln beim Arzt und der sagte sofort "das was sie haben, ist wie ein Herzinfarkt. Hier ist Alarmstufe rot, sofort unters Messer." Gott sei Dank hatte ich diesen Arzt. Dann war die Diagnose umso schlimmer. Die hat mich schon in die Knie gehen lassen, aber ich war immer ein Kämpfer. Ich habe dann alle Dinge minutiös durchlaufen und Gott sei Dank sieht das nach den Operationen sehr gut aus. Ich kann nur jedem nur raten, dass er zur Vorsorgeuntersuchung gehen soll. Man kann gar nicht richtig erkennen, wie schnell sich so ein Hautfleck entwickelt und wie schnell daraus eine tickende Zeitbombe sich entwickelt und wenn die mal aufgeht, dann ist es zu spät.

SPORT1: Wann wurde die erste Diagnose gestellt?

Daum: Die ist jetzt sechs Wochen her. Ich hatte mehrere Operationen und nach der letzten Untersuchung hieß es, dass ich erst in einem halben Jahr wieder zur Kontrolluntersuchung muss. Vor zehn Tagen bekam ich den Befund, dass alles okay ist. Jetzt brauche ich noch ein bisschen Ruhe, um dann wieder voll anzugreifen.

SPORT1: Hat Sie diese Geschichte demütiger gemacht?

Daum: Wenn ich als Trainer tätig bin, dann denke ich nicht an Krankheiten und Katastrophen. Dann versuche ich voll bei meinem Job zu sein. Ich sage immer zu meinen Kindern "wenn der Tiger isst, dann isst er, wenn er jagt, dann jagt er". Dass, was er macht, macht er hundertprozentig. Und so gehe auch ich mein Leben an. Wenn ich so eine Diagnose bekam, dann bin ich auch mit hundertprozentig da rangegangen. Dann rückten natürliche alle anderen Dinge in den Hintergrund. Als Mensch verändert habe ich mich aber nicht.

SPORT1: War es lebensgefährlich bei Ihnen?

Daum: Die Diagnose, die ich bekommen habe, die waren schon sehr dramatisch. Ich war in Münster bei Experten und die haben mir viele Bedenken genommen.

SPORT1: War das die schwierigste Phase in Ihrem Leben?

Daum: Wenn du so etwas erfolgreich überstehst, dann werden viele andere Probleme, die du gelöst hast, sehr klein. Du hast nur diese eine Gesundheit und wenn Du siehst, dass dein Abreißkalender auf einmal dramatisch klein wird, dann wird es dir anders.

[kaltura id="0_fwyh39bh" class="full_size" title="Solbakken Finale gegen den FCK"]

SPORT1: Lassen Sie uns über Ihren "Herzensverein" 1. FC Köln sprechen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage dort?

Daum: Köln ist noch nicht am Ende. Es wird immer gleich sehr schnell und intensiv abgerechnet. Ich weiß, dass Solbakken (Stale Solbakken, Trainer 1. FC Köln, Anm. d. Red.) sehr gute Arbeit in Kopenhagen geleistet hat.

SPORT1: Aber Solbakken erreicht die Spieler mit seinem Konzept noch nicht.

Daum: Ich wünsche ihm, dass er sein Konzept gemeinsam mit der Mannschaft in Erfolge ummünzen kann. Er hat sein Konzept und wirkt souverän. Diese Souveränität, Distanz und Gelassenheit, die er an den Tag legt, wird ihm jetzt negativ ausgelegt. Ich glaube das entspricht nicht seinem Charakter.

SPORT1: Solbakken nimmt alle Schuld auf sich, wie er mehrmals betont hat. Das hätten Sie nicht getan, oder?

Daum: Wenn er damit auch Druck von der Mannschaft nimmt, ist das durchaus ein probates Mittel. Das muss man situativ einordnen und seine Beweggründe kennen. Wenn er sagt "ich nehme da die Mannschaft aus der Schusslinie, ich bin stark genug, um den Druck aufzufangen, damit die Mannschaft sich entwickeln kann", dann war das eine sehr gute Maßnahme.

SPORT1: Keine gute Maßnahme war es aber, Lukas Podolski als Kapitän abzusetzen. Da haben auch Sie Solbakken kritisiert.

Daum: Ja, da hat er auch ein unnötiges Fass aufgemacht. In der Vorbereitung habe ich das noch so erklärt, dass der Trainer verdeutlichen will, dass jeder Verantwortung zu übernehmen hat. Lukas Podolski hat dem FC wieder ein Gesicht gegeben und er war in der letzten Rückrunde einer der überragenden Spieler, der maßgeblich zum Klassenrehalt beigetragen hat. Ich konnte das nicht nachvollziehen.

SPORT1: Ist Solbakken schon am Ende? (Bericht: Solbakken schon in der "Hölle").

Daum: Er ist erst am Anfang. Er kennt die Bundesliga und den FC nicht so gut und ich hoffe, dass er diese Ergebnisse einfährt, die ihm die Ruhe zum Arbeiten geben, die du brauchst. 441123(DIASHOW: Der 2. Spieltag)

SPORT1: Null Punkte nach zwei Spieltagen, 1:8 Tore. (Bericht) Warum liegt die Mannschaft sportlich wieder am Boden?

Daum: Entscheidend ist nicht, dass man verloren hat, sondern wie die Mannschaft sich präsentiert hat. Da sehe ich noch sehr viel Nachholbedarf im Bereich des Teamworks (lacht). Ich kenne das ja in Köln. Wenn die Fans sehen die Mannschaft gibt alles und geht mit diesem unbedingten Überlebenswillen in jedes Spiel, dann bleiben sie auch ruhig.

SPORT1: Was läuft in Köln schief? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Daum: Viele haben damals nicht verstanden, warum ich aus Köln damals weg bin. Diese Dinge, die sich jetzt wieder abspielen, die waren auch zu meiner Zeit schon existent. Wir haben damals schon intern mehr Energie verbraucht wie gegen die Gegner. Ich habe immer gesagt "wir sind schon selber unsere Gegner" (lacht). Das war für mich so belastend, dass ich gesagt habe: "Mir reicht's!" Für den Klub, für die Fans hätte ich alles gegeben, aber die Probleme sind nach wie vor da und so kommt Köln auch nicht zur Ruhe.

SPORT1: Ist eine Rückkehr zum FC denkbar?

Daum: Nicht unter den augenblicklichen Konstellationen. Ich habe nie ein böses Wort über irgendeinen dort verloren und werde es auch jetzt nicht tun, dafür hänge ich zu sehr am Verein. Ich will auch jetzt nichts auslösen, was diesen Verein in noch größere Probleme bringt. Man hat Volker Finke installiert, und der ist jetzt dazu da die Dinge zu klären.

SPORT1: Aber Ihre Augen leuchten, wenn Sie über den FC reden.

Daum: Köln ist Herzblut, das wird es auch immer bleiben. Ich habe 20 Jahre meines Lebens in diesem Klub verbracht und habe mit dem Klub gelitten. Auch heute frage ich immer als erstes: "Wie hat der FC gespielt?" Ich hoffe dass der Verein wieder in ruhiges Fahrwasser kommt.

SPORT1: Sie wurden zuletzt auch als neuer Nationaltrainer in Österreich genannt.

Daum: Österreich hat unheimliche Potenziale. Ich möchte jetzt nur nicht dort eine Diskussion anheizen, wenn da noch ein Trainer im Amt ist. Ich habe dort mit keinem Offiziellen gesprochen, das kam alles aus der Gerüchteecke. Ich habe leider die Aussage damals getroffen, dass es für jeden Trainer eine Riesensache wäre mit Österreich wieder ein Endturnier zu erreichen. Aber ich spekuliere nicht auf einen Trainerjob.

SPORT1: Wo wollen Sie wieder arbeiten?

Daum: Es lebe die Trainerbank. Ob das bei einer Vereinsmannschaft oder bei einer Nationalmannschaft ist, dass spielt jetzt nicht so die Rolle. Ich will das machen, wovon ich überzeugt bin. Dass ich jungen Leuten wieder etwas mitgeben kann. Es ist doch wunderschön zu sehen, wie man einem Kittel oder einem Ralf Fährmann etwas mitgeben konnte. Oder einen Alex Meier stabilisieren zu können. Diese Überzeugung, dass du im Trainerbereich unheimlich viel bewegen kannst und helfen. Das treibt mich an, um möglichst schnell wieder auf die Trainerbank zurückzukehren.

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