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Holger Stanislawski (l., mit Co Andre Trulsen) kam von Absteiger FC St. Pauli zu Hoffenheim © dpa

Stanislawski hat mit 1899 ein Ausrufezeichen gesetzt, auf das andere Neu-Coaches noch warten. SPORT1 erteilt ein erstes Zeugnis.

Von Martin Hoffmann

München - Ein Trainer, der 90 Minuten mit vollem Körpereinsatz mitfiebert. Der hinterher abgekämpft und endorphin-überflutet feiert, was seine "Jungs" vollbracht haben.

Man kennt das aus Spielen mit Dortmunder Beteiligung, aber nicht so.

Es war Holger Stanislawski, der Jürgen Klopps Meister-Mannschaft besiegte - und damit sein erstes meterdickes Ausrufezeichen in Hoffenheim gesetzt hat (Spielbericht).

Ausrufezeichen, auf die die meisten anderen Klubs noch warten, die vor der Saison einen neuen Trainer engagiert haben.

SPORT1 stellt den Coaches ein erstes Zwischenzeugnis aus: (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

HOLGER STANISLAWSKI, HOFFENHEIM (3 Punkte, Platz 9):

Gestartet war "Stani" mit einer eher unglücklichen Niederlage in Hannover, den ungünstigen ersten Eindruck hat er gegen Dortmund fulminant ausradiert441123 (DIASHOW: Der 2. Spieltag).

Erfolgreich hat er das Komplett-Arsenal von Klopps eigenen Waffen gegen den BVB gewandt.

Laufbereitschaft und schnelle-Offensiv-Vorstöße, dazu ein Spielstil, den Klopp selbst als "extrem diszipliniert und extrem unangenehm" würdigte - und vor allem: "extrem leidenschaftlich".

Leidenschaft, das große Leitmotiv Stanislawskis. Eine Eigenschaft, die 1899 nicht unbedingt in den Genen liegt. Und die der spröde wie glücklose Konzeptfußball-Gelehrte Marco Pezzaiuoli nicht unbedingt vermitteln konnte.

"Diese Emotionen haben hier gefehlt"

Staislawski dagegen reißt mit. Schon allein dadurch, wie er sich an der Seitenlinie verausgabt ("Ich habe fünf oder sechs Flaschen leer getrunken").

"Diese Emotionen haben hier gefehlt" weiß auch Keeper Tom Starke - und schwärmt von einer Kabinenansprache "wie ich sie als Profi noch nie gehört habe".

Ob der Rausch der neuen Hoffenheimer Leidenschaft auch gegen weniger große Gegner anhält, ist die Frage, die noch zu klären ist. Bis dahin bekommt Stanislawski die SPORT1-Note 2.

[kaltura id="0_fwyh39bh" class="full_size" title="Solbakken Finale gegen den FCK"]

STALE SOLBAKKEN, 1. FC KÖLN (0 Punkte, Platz 18):

Er machte noch Urlaub, als das Training bereits lief. Er nahm dem städtischen Wahrzeichen Lukas Podolski die Kapitänsbinde ab.

Er verzichtete auf zeitlich allzu intensives Training, weil es nicht darauf ankomme, "wer mehr Kilometer in der Vorbereitung gelaufen ist".

Stale Solbakken versetzte den Kölner Boulevard so schon vor Saisonstart in Daueraufregung - vermittelte dabei aber den Eindruck, in der hyperventilierenden Medienstadt über den Dingen zu schweben.

"Ich weiß: Es wird gut sein!"

Nach einem 0:3 gegen Wolfsburg und einem 1:5 auf Schalke wähnt sich Solbakken in einer "inneren Hölle" und schwebt über gar nichts mehr.

Höchstens noch über den Köpfen der Spieler, die seine "etwas schwierige" Vorstellung von Fußball noch nicht ganz verstehen.

"Fünf Spieler haben gemacht, was sie in den letzten Jahren gespielt haben, fünf haben versucht, mein Konzept zu spielen", musste Solbakken selbst erkennen.

Vor dem nächsten Spiel in Kaiserslautern kursiert schon das Wort "Endspiel", dem Norweger bleibt aktuell nur Autosuggestion: "Ich muss meinen Weg gehen. Ich weiß: Es wird gut sein!" Bis er das belegen kann, steht die SPORT1-Note 5.

ROBIN DUTT, BAYER LEVERKUSEN (3 Punkte, Platz 12):

Jahrgangsbester im DFB-Trainerlehrgang, vier erfolgreiche Jahre in Freiburg: Dutt hat sich einen blendenden Ruf als Mann von Fach erarbeitet.

Der steht auch in Leverkusen nicht in Frage - trotz des spektakulären Pokal-Aus gegen Dresden und der Auftaktpleite in Mainz.

Kritische Anmerkungen handelte sich Dutt eher in einem Bereich ein, der beim starbesetzten Werksklub komplizierter ist als im Breisgau-Biotop: der Personal- und Menschenführung.

Ballack und Rolfes im Brennpunkt

Speziell der heikle Konkurrenzkampf Ballack vs. Rolfes steht im Brennpunkt und erfordert Gefühl in den Fingerspitzen, Dutt moderierte ihn aber eher schroff.

In Mainz irritierte Dutt Rolfes mit dessen Auswechslung, danach alle mit der kühlen Ansage: "Mal spielt Ballack, mal spielt Rolfes. So ist das halt, wenn man bei einem Champions-League-Teilnehmer spielt."

Gegen Bremen leitete Dutt mit Rolfes' Einwechslung für Ballack den Sieg ein - diesmal vermied der Coach Trubel, indem er Ballack lobte, als wäre er der Mann des Abends gewesen.

Dutt scheint die nötige Diplomatie schnell zu lernen, von SPORT1 gibt es dafür die Zwischennote 3.

MARCUS SORG, SC FREIBURG (1 Punkt, Platz 14):

Marcus Sorg könnte Urlaub machen so lange und Kapitäne absetzen so viele wie er wollte: Mit übergroßer Aufregung hat er im Breisgau ebenso wenig zu kämpfen wie mit übergroßen Erwartungen.

Zwei Niederlagen und kein Sieg in drei Pflichtspielen sorgen in Freiburg nicht für Panik-Attacken, einen "Fehlstart" attestiert die regionale Presse Sorg aber doch.

Negativ fällt vor allem auf, dass es in jeder Partie zwei oder mehr Gegentore gab. Die Viererabwehrkette musste Sorg bislang immer umstellen.

Harte Hand gegen Aufmucker Ferati

Harte Hand bewies der gelernte Bauphysik-Ingenieur im Umgang mit Neuzugang Beg Ferati: Der beschwerte sich nach dem Auftakt öffentlich, dass er auf der Bank sitzen musste - und bekam gegen Mainz prompt einen neuen Platz: auf der Tribüne.

Mit Sorgs Empfehlung, sich an "die ein oder andere Gepflogenheit" zu gewöhnen.

Der Coach hat seine Autorität früh bewiesen, um über die SPORT1-Note 4 hinauszukommen, muss er aber Erfolgsergebnisse nachliefern - was besonders schwierig wird, sollte er Torgarant Papiss Demba Cisse verlieren.

JUPP HEYNCKES, FC BAYERN (3 Punkte, Platz 11):

Er sollte den aufgewühlten Rekordmeister wieder ins Gleichgewicht bringen, eine Balance aus gleich vielen Siegen und Niederlagen (je 1), gleich vielen Toren und Gegentoren (je 1) war damit aber nicht gemeint.

Der glückliche 1:0-Sieg in Wolfsburg ändert nichts an der Diagnose, dass Bayern auch unter Heynckes noch unter seinen Ansprüchen spielt.

Ein zu statisch auf Ballbesitz fixiertes Team, fehlendes Tempo in Umschalt-Situationen: Es sind nicht nur Altlasten der Ära van Gaal.

Heynckes mutmaßt selbst, bei den Bemühungen, die Wackel-Abwehr zu stabilisieren, "die Offensive vielleicht ein wenig vernachlässigt zu haben".

Der Altmeister muss bei Bayern seine Mitte noch finden, die SPORT1-Note 3.

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