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Die Lautsprecher-Anlage (l.) sollte Schmährufe gegen Dietmar Hopp übertönen © getty

1899 drohen nach dem Lautsprecher-Angriff Konsequenzen. Der DFB schaltet sich ein. Das Gerät kam nicht zum ersten Mal zum Einsatz.

Von Andreas Kloo

München - Die Akustik-Attacke gegen die BVB-Fans in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena am Samstag schlägt weiterhin hohe Wellen (Bericht: 1899-Mitarbeiter gesteht Akustik-Attacke).

Nun hat sich gar der DFB-Kontrollauschuss eingeschaltet:

"Im Moment laufen Vorermittlungen, um den genauen Sachverhalt zu klären. Danach wird entschieden, ob vom Kontrollausschuss ein Verfahren eingeleitet wird", teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit.

Derzeit deutet alles auf eine Geldstrafe hin.

Zweiter Täter geständig

Auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermittelt bereits gegen den Täter, einen für die Hoffenheimer als Hausmeister tätigen Mitarbeiter, wegen Körperverletzung. Zudem meldete sich am Dienstag ein weiterer 1899-Mitarbeiter bei der Polizei, der offenbar an der Installation der Lautsprecher beteiligt war

Ein Dortmunder BVB-Fan aus Pforzheim hatte Anzeige erstattet. Laut "Westdeutscher Allgemeinen Zeitung" hat er einen Hörsturz erlitten und ist derzeit arbeitsunfähig.

Zehn weitere Anzeigen von Dortmunder Anhängern sind mittleerweile eingegangen. Die Polizei rechnet mit weiteren Anzeigen.

Polizei sucht das Gerät

"Wir werden nun die Geschädigten und den vom Verein genannten Verursacher vernehmen. Die Anzeigen richten sich gegen 1899 Hoffenheim. Aber dadurch, dass der Verein mitgeteilt hat, dass die Person eigenverantwortlich gehandelt hat, wird sich die Untersuchung auf ihn konzentrieren", erklärte Heidelbergs Polizeisprecher Harald Kurzer.

Das Gerät wurde mittlerweile an die Polizei ausgehändigt.

Internes Vorgehen gegen den Täter

Hoffenheim distanzierte sich zwar am Montag abend via Pressemitteilung "in aller Schärfe" von dem Sound-Angriff. Darin heißt es, der Mitarbeiter sei sich der "Tragweite seiner Handlung nicht bewusst" gewesen. Arbeitsrechtliche Schritte gegen den Täter seien bereits eingeleitet worden.

Dennoch erhärtet sich immer mehr der Verdacht, dass der Verein 1899 Hoffenheim die Beschallung des Gästeblocks mithilfe eines mobilen Lautsprechers zumindest billigend in Kauf genommen hat.

Denn die Attacke gegen den Dortmunder Fanblock hätte wohl im Vorfeld verhindert werden können.

Bereits in Vorsaison im Einsatz

Wie die Badener mittlerweile einräumten, wurde das Beschallungs-Gerät bereits in vier Spielen der Saison 2010/11 vor der gegnerischen Fankurve postiert. Es handelt sich dabei um die Partien gegen Dortmund, Mainz, Köln und Frankfurt.

Laut Klubführung kam der Lautsprecher-Apparat aber nicht in allen vier Begegnungen zum Einsatz - offenbar, weil sich die Gäste-Fans mit Schmährufen gegen Mäzen Dietmar Hopp zurückhielten.

Probebetrieb vor Anpfiff

Bei dem erwähnten Gerät handelte es sich zudem um eine mobile Holzkonstruktion auf zwei Rädern, die nicht einfach so unbemerkt ins Stadion geschleust werden kann.

"Der komplette Ordnungsdienst für den Gästeblock wusste Bescheid?, behauptet Thilo Danielsmeyer vom "Dortmunder Fanprojekt" in der "WAZ" . Er fügt hinzu: "Der Gästeblock ist immer eine Hochsicherheitszone. Da kommt keiner einfach so rein."

Das Gerät soll außerdem laut "Süddeutscher Zeitung" einige Stunden vor Spielbeginn bereits im Probebetrieb getestet worden sein.

Hopp distanziert sich

Mäzen Dietmar Hopp will von den Vorgängen allerdings nichts gewusst haben.

"Es wäre grotesk, wenn wir versuchen würden, die beleidigenden Fan-Gesänge auf diese Weise zu bekämpfen, weil dadurch das Klima noch mehr angeheizt würde. Uns ist wichtig, dass Hoffenheim zu den Bundesliga-Vereinen ein gutes Verhältnis hat, das durch eine Minderheit nicht gestört werden darf", sagte er der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Mit einer Aussage vom Vortag trug Hopp allerdings nicht unbedingt zur Klima-Beruhigung bei: "Wer mich 90 Minuten lang permanent beleidigt, sollte nicht so empfindlich reagieren", hatte er gesagt.

"Können wir nicht hinnehmen"

Die BVB-Fans sind nach der Lautsprecher-Attacke jedenfalls erzürnt und fordern nun Konsequenzen.

"Natürlich gehören sich Beleidigungen aus dem Fanblock gegen Herrn Hopp absolut nicht. Aber durch eine Reaktion mit Hochfrequenztönen wird bewusst gegen eine freie Meinungsäußerung gearbeitet, das können wir nicht hinnehmen", äußerte sich Marco Blumberg, Vorsitzender der BVB-Fanabteilung, gegenüber den "Ruhrnachrichten".

Wobei es sich um keine Hochfrequenztöne handelte, da diese vom menschlichen Gehör nicht wahrgenommen werden können,

BVB schließt Protest aus

In Fanforen wurde gar ein Protest gegen die Wertung der Partie, die der BVB mit 0:1 verlor, gefordert.

Dies schlossen die Dortmunder aber aus.

Im Laufe des Dienstags will sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu den Vorfällen äußern.

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