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Michael Oenning (l.) und Frank Arnesen bilden seit diesem Sommer ein Duo beim HSV © getty

Die Hamburger zittern vor dem Fehlstart. Oenning weiß: Ein Punktgewinn in München könnte die Lage entspannen - gerade für ihn.

Von Daniel Rathjen

München - Er relaxt am Piano.

Wenn Michael Oenning der Trainingsalltag stresst, schafft er sich den Ausgleich am Klavier.

Vielleicht wirkt der Coach des Hamburger SV deshalb nach außen hin so gelassen.

Wie groß seine Anspannung tatsächlich ist, bleibt verborgen. Seine Handschrift, seine Spielidee war bislang ebenso unsichtbar (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Fakt ist: Vor dem Auswärtsmatch beim FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) weht ihm an der Elbe erster Gegenwind ins Gesicht.

Es ist lange her, dass die Rothosen einen Sturmlauf entfacht haben. Der HSV zittert vor dem totalen Fehlstart (Der SPORT1-Tabellenrechner).

Oenning braucht dringend ein Erfolgserlebnis, um weiter in Ruhe arbeiten zu können.

Eine Niederlage gegen Dortmund, ein mageres Remis gegen Aufsteiger Hertha BSC - ein Punkt nach zwei Spielen steht bislang zu Buche.

Routinier David Jarolim weiß: "Wenn du nicht aufpasst, bist du unten drin und kommst schwer wieder raus."

Der Tscheche - zuletzt nur Bankdrücker - hat beste Chancen, gegen seinen Ex-Klub wieder von Beginn an aufzulaufen.

Jarolim rutscht rein

Denn Oenning wird nach dem fehlgeschlagenen 4-1-4-1-Experiment gegen Berlin wohl wieder auf ein 4-2-3-1-System setzen.

Für Jarolim wäre dann die Position im defensiven Mittelfeld neben Kapitän Heiko Westermann frei, in der Innenverteidigung sollen sich Michael Mancienne und Jeffrey Bruma finden.

Verstärkte Defensive ist das Stichwort gegen die angriffslustigen Bayern, die auf ihre komplette Offensivabteilung inklusive Arjen Robben und Franck Ribery bauen können.

Gute und schlechte Erinnerungen

"Wir haben schon beim LIGA total! Cup gegen Bayern gespielt und sie dort geschlagen. Wir wissen, wie es funktioniert", erinnert sich Oenning an den 2:1-Coup in der Vorbereitung.

Auch in dieser Partie agierte der HSV aus einer dichtgestaffelten Abwehr heraus und kam über schnelle Konter zum Erfolg - Heung Min Son erzielte zwei Tore.

Ähnliches erhofft sich der Liga-Dino jetzt ebenfalls, denn der Druck nimmt zu. "Es müssen natürlich bald Erfolge kommen", gibt Westermann zu bedenken.

Beim letzten Aufeinandertreffen mit den Münchnern am 12. März setzte es eine 0:6-Klatsche, der HSV ließ sich abschießen, Trainer Armin Veh musste danach gehen.

Westermann kämpferisch

"Wir fahren ganz sicher nicht nach dahin, um uns aufzugeben und die Fahnen zu schwenken", stellt Westermann klar. Und er verspricht gleichzeitig: "Ich schließe es aus, dass wir wieder abgeschossen werden."

Zur Stabilisation und für den nötigen Esprit soll Marcell Jansen sorgen. Der 25-Jährige wird aller Voraussicht nach den Vorzug vor Eljero Elia erhalten, der zuletzt nicht überzeugte. "Marcell hat auch mal die Berechtigung anzufangen", sagt Oenning.

Für die Hamburger gilt es insgesamt, das Kollektiv zu stärken, als Team zu funktionieren. Bislang war die Abwehr, die bekanntlich im Angriffszentrum anfängt, extrem anfällig.

"Uns fehlen Automatismen. Wir müssen lernen, mit elf Mann zu spielen - die Mannschaftsteile standen zuletzt zu weit auseinander. Dann hat es der Gegner leicht", hat Westermann beobachtet.

Noch bleiben die Bosse jedoch ruhig und versprechen, dem neuen Team ausreichend Chancen zu geben.

Jarchow verspricht Geduld

Sportchef Frank Arnesen lässt keinen Zweifel daran, dass er Oenning weiterhin vertraut, auch Präsident Carl-Edgar Jarchow sieht ein: "Wir brauchen noch Zeit und die haben wir auch."

Oenning kennt die Mechanismen des Geschäfts und wünscht sich, dass der Verein diese ungewisse Phase aushält, langfristig plant und den Weg zum Tempofußball mit Talenten geht.

Ein Punktgewinn in der Allianz Arena wäre ein weiterer kleiner Schritt dahin und dürfte den Jungen einen zusätzlichen Schub verpassen (Der SPORT1-Tabellenrechner).

"Vielleicht ist das Spiel in München genau richtig, um das Selbstvertrauen aufzubauen", sagt Jarchow.

Geht es schief, muss Oenning Extra-Schichten einlegen. Auf dem Trainingsplatz und am Klavier.

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