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Mario Gomez (r.) erzielte in der Vorsaison 28 Ligatreffer © getty

Den Bayern-Stürmer plagen böse Erinnerungen. Heynckes lässt mit einer Botschaft an Müller aufhorchen. Muss Robben zuschauen?

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Der Weg vom Torschützenkönig zum Chancentod kann ziemlich kurz sein: Gegen den FC Zürich (Spielbericht) verballerte Mario Gomez jede erdenkliche Möglichkeit.

Mal scheiterte der Bayern-Stürmer überhastet, mal hatte er schlicht Pech. Etwa kurz vor Spielende, als ein Schweizer Verteidiger seinen Schuss von der Linie kratzte.

Nach vier Pflichtspielen ist Gomez noch kein Treffer aus dem Spiel heraus gelungen, im Pokal gegen Braunschweig feuerte er immerhin einen Elfmeter ins Tor.

In der Vorsaison glückte Gomez sogar erst am achten Spieltag sein Tordebüt, jetzt droht erneut ein langer Anlauf bis zum ersten Ligatreffer.

"Ich muss sie nur noch reinmachen"

"Es soll noch nicht sein, ich habe aber die Chancen, ich muss sie nur noch reinmachen", meint Gomez lapidar.

Ausführlich plauderte der 26-Jährige über die aktuelle Torflaute, ohne verstimmt oder besorgt zu wirken. "Es gibt solche Phasen. Ich mache mich nicht verrückt, habe gut gearbeitet."

Allerdings gibt der Nationalspieler zu, dass es ihm im Moment an "Glück und Lockerheit" mangle.

Heynckes legt Finger in die Wunde

Bayern-Coach Jupp Heynckes bemängelte zudem, dass Gomez "das Vertrauen in die eigene Leistung" gefehlt habe (442596DIASHOW: Die Bilder zum Spiel) .

Weiterarbeiten, die Fortschritte sehen, so will der Stürmer nicht nur aus der eigenen Delle raus, sondern sieht das auch als Marschroute für die eigene Mannschaft.

"Wir haben es gegen Zürich gut gemacht, egal, was jetzt geschrieben wird. Wir wissen, dass wir als Mannschaft auf einem guten Weg sind", erklärte er im Gespräch mit SPORT1.

"Wir müssen und werden gewinnen"

Für die Bundesliga-Partie gegen Hamburg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) verlangt er daher: "Wir müssen schauen, dass wir dominant spielen und die Tore machen. Wir müssen gewinnen, wir wollen gewinnen und werden gewinnen."

In der Vorsaison glänzte Bayern unter Louis van Gaal noch mit 81 Ligatoren. Die Abteilung Attacke, sprich Gomez und die offensive Dreierreihe Arjen Robben, Thomas Müller und Franck Ribery, drehte dabei 59-mal eine Jubelrunde.

Doch jetzt ist Gomez nicht der einzige Münchner Offensivspezialist auf Formsuche.

Kollege Franck Ribery spielt nach seiner Verletzung noch nicht auf höchstem Niveau und Arjen Robben bleibt zwar eine Torgarantie, klagte aber erneut über Rückenprobleme.

Thomas Müller musste in der Champions-League-Quali im Zentrum seinen angestammten Platz Toni Kroos überlassen.

Müller bleibt nach außen gelassen

Zumindest äußerlich geht Müller mit seiner Degradierung gelassen um.

Vor der Partie gegen Zürich gab es während des Aufwärmens ein herzliches Händeschütteln mit Bayern-Ikone Franz Beckenbauer, nach Abpfiff verkniff sich der 21-Jährige aber einen Kommentar zu seinem Joker-Einsatz.

"Müller spielt bei mir immer", hatte Louis van Gaal einst als seine Doktrin verkündet und bis auf zwei Partien im Spätherbst den WM-Torschützenkönig stets in seine Startelf genommen.

Van Gaal ist jedoch Vergangenheit, Heynckes, der einst in Leverkusen Kroos förderte, rotiert jetzt in München.

Müller war der erste, den das traf, auch weil Kroos zuvor im Zentrum ordentliche Partien ablieferte und Müller auf den Flügel für den verletzten Robben beziehungsweise Ribery aushalf.

Versteckte Kritik

Nach der Zürich-Partie rechtfertigte Heynckes seine Entscheidung gegen Müller so: "Man muss auch sehen, wie Müller in den letzten zwei Spielen gespielt hat."

Es war eine höfliche Umschreibung dafür, dass der 66-Jährige damit nicht zufrieden war. Dennoch fügte er eilig an, dass natürlich Müller auch seine Spiele bekommen werde.

Beckenbauer würde das ohnehin nicht verkehrt finden. "Man hat gesehen, als Müller reinkam: Er ist auch einer, der in den Strafraum rennt und seine Tore macht. Kroos ist eher ein Ideengeber."

Torriecher spricht für Müller

Besonders für die vermeintlich einfachen Tore, die Abstauber und Abschlüsse aus dem Gewühl heraus, hat Müller so etwas wie einen siebten Sinn.

Und er ist intelligent genug, nach einem Spiel auf der Bank nicht gleich Ansprüche anzumelden. Zumal Heynckes immer noch dabei ist, sein Bild vom Team weiter zu schärfen.

Robben und Ribery mit viel Eigensinn

Dass Arjen Robben und Franck Ribery aktuell lieber einzeln glänzen wollen, als den Mitspieler zu suchen, ist dem gewieften Trainer genauso bewusst wie das Murren ihrer Nebenleute.

An Aggressivität, Tempo und Feinabstimmung muss der Bayern-Coach jetzt arbeiten und fordert dafür Zeit ein. "Ich möchte keine Prognose abgeben, wann wir wieder so spielen, wie wir uns das alle wünschen. Die Erwartungshaltung ist riesig, aber man muss Geduld haben", sagte er auf "sky".

Womöglich rotiert Heynckes den angeschlagenen Robben gegen den HSV auf die Bank. In diesem Fall wäre sowohl für Kroos als auch Müller ein Platz im Startteam.

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