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Marcell Jansen (r.) absolvierte bislang 36 Länderspiele für das DFB-Team © getty

Hamburgs Marcell Jansen spricht im Interview über die schwierige Aufgabe bei den Bayern und die Defizite des HSV.

Von Andreas Kloo

München - Schon nach zwei Spieltagen steht der HSV unter Druck.

In den Spielen gegen Dortmund und Berlin waren die Hamburger noch weit von der Bestform enfernt. Erst ein Punkt steht auf der Habenseite.

Und nun geht es ausgerechnet zum Rekordmeister Bayern München (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), wo die Hamburger im Frühjahr eine 0:6-Klatsche kassierten.

Der komplette Fehlstart droht.

Einer, der dies verhindern soll ist Marcell Jansen. Bislang blieb ihm in dieser Saison nur die Joker-Rolle. Nach seinen Einwechslungen sorgte er aber jeweils für Wirbel auf der linken Seite (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Startelf-Platz winkt

Trainer Michael Oenning stellt dem 25-Jährigen eine Position in der Startformation in Aussicht:. "Marcell hat auch mal die Berechtigung anzufangen."

Jansen selbst kennt das Pflaster in München. In der Saison 2007/08 spielte er selbst bei den Bayern und wurde Deutscher Meister (BERICHT: Bayern als Ausfbaugegner?).

Er sieht die Mannschaft trotz der zuletzt schwachen Leistungen auf einem guten Weg: "Wir sind körperlich gut aufgestellt, haben eine tolle Vorbereitung gehabt. Wir müssen es jetzt nur noch auf den Punkt umsetzen können", sagt er im SPORT1-Interview.

Außerdem spricht er über die Pleite im Frühjahr, Hamburgs aktuelle Defizite und das Erfolgsrezept gegen die Bayern. Die Ausgeglichenheit der Liga sieht er als Chance.

SPORT1: Herr Jansen, mit welchem Gefühl fahren Sie nach München? Ist da die 0:6-Packung vom Frühjahr noch im Hinterkopf?

Jansen: So etwas vergisst man natürlich nicht. Gerade wenn man, wie es bei mir der Fall war, erst beim Stand von 0:4 eingewechselt wird und das verbrauchte Spiel zuende spielen muss. Aber wir schauen nicht zurück. Immerhin haben wir ja schon im Liga total! Cup gezeigt, dass wir deutlich besser gegen die Bayern aussehen können.

SPORT1: Welche Lehren haben Sie aus dieser Pleite gezogen?

Jansen: Ich denke, das war eine ganz andere Situation und nicht vergleichbar mit heute. Unsere Mannschaft und Spielphilosophie haben sich grundlegend verändert. Aber aus jedem Spiel muss man lernen. Wir wissen, dass man ohne Kampf nichts erreichen kann und wollen als Mannschaft auf dem Platz stehen, in der der eine dem anderen hilft.

SPORT1: Der HSV sucht noch nach seiner Form. Wo sehen Sie derzeit die Hauptprobleme?

Jansen: Viele reden von den großen Veränderungen beim HSV. Ich sehe die Probleme weniger beim Umbruch. Einen Umbruch hat man jedes Jahr. Auch andere Mannschaften müssen neue Spieler integrieren. Das schaffen wir auch. Unser Spiel läuft vor allem noch nicht so wie gewünscht, weil wir nicht mutig genug sind. Wenn man keinen Fehler machen will, riskiert man auch nichts. Wir müssen davon abkommen und jeder einzelne muss für seine Mitspieler in die Bresche springen, wenn mal etwas nicht so klappt.

SPORT1: Läuft auch etwas gut?

Jansen: Ich denke, wir laufen gut. (lacht). Wir sind körperlich gut aufgestellt, haben eine tolle Vorbereitung gehabt. Wir müssen es jetzt nur noch auf den Punkt umsetzen können.

SPORT1: Kann das schon gegen die Bayern klappen?

Jansen: Im Spiel gegen die Bayern haben wir nichts zu verlieren. In den ersten Zweikämpfen müssen wir zeigen, dass wir kein Fallobst sind. Stück für Stück erarbeiten wir uns dann das Selbstvertrauen und sehen auch selbst, dass wir etwas holen können. Das ist eben auch eine Kopfsache. (Der SPORT1-Tabellenrechner).

SPORT1: Gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund waren Sie 70 Minuten lang klar unterlegen. Wie weit ist der neue HSV noch davon entfernt, sich mit den Top-Teams messen zu können?

Jansen: Das lässt sich schwer sagen. Die Saison ist noch sehr jung. Schauen Sie nach Dortmund. Die haben ein klasse Spiel gegen uns abgeliefert, wurden dafür hochgejubelt und gegen Hoffenheim setzte es eine Niederlage. Top-Teams als solche gibt es nicht mehr. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Mit Mainz und Hannover, die Sie bestimmt nicht zu den bestbesetzten Mannschaften zählen würden, stehen zwei Außenseiter ganz oben und knüpfen an die guten Leistungen der Vorsaison an. Gerade die kleineren Teams machen viel durch die mannschaftliche Geschlossenheit wett. Dahin müssen wir mit unserem jungen Team auch kommen.

SPORT1: David Jarolim hat bei den Fans eine gewisse Panik registriert, die Angst vor dem Abstiegskampf geht um. Spüren Sie eine Verunsicherung in der Mannschaft?

Jansen: Es sind erst zwei Spiele in der neuen Saison absolviert. Es ist viel zu früh, in irgendeiner Weise eine Prognose abzugeben. Nach einem Drittel der Saison lässt sich vielleicht eine erste Richtung erkennen, aber eine gesamte Spielzeit ist immer ein Entwicklungsprozess.

SPORT1: Ihnen persönlich blieb in dieser Saison nur die Joker-Rolle. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie in München in der Startelf stehen?

Jansen: Ich biete mich im Training an und hänge mich voll rein. Das ist das, was ich machen kann. Den Rest entscheidet der Trainer. Ich merke natürlich, dass es Tag für Tag besser wird und könnte mir vorstellen, in der Startelf zu stehen.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakte zu Bayern-Spielern aus Ihrer Münchner Zeit?

Jansen: Die Kontakte reißen nicht ab. Im Ligaalltag sieht man sich ja ohnehin durch die Spiele. Aber auch die ein oder andere Nachricht geht da schon noch hin und her.

SPORT1: Sie waren bei der WM 2010 mit dabei, erzielten im Spiel um Platz drei ein Tor. Was wollen Sie leisten, damit Sie auch bei der EM 2012 dabei sind?

Jansen: Da gibt es keine besonderes Zielsetzung. In erster Linie zählt die Leistung im Verein. Wenn diese Leistung stimmt, kann es auch mit der Nationalmannschaft klappen.

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