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Frust pur: Der VfL Bochum kassierte gegen Köln die achte Saisonpleite © getty

Aufgebrachte Bochumer Fans fordern nach der bitteren Heimpleite gegen Köln Kollers Rauswurf. Doch die Kluboberen halten zu ihm.

Von Martin Hoffmann und Matthias Gante

München/Bochum - Christoph Dabrowski stand der Schock ins Gesicht geschrieben.

"Mir fehlen die Worte", meinte der Bochumer nach der bitteren 1:2-Pleite gegen den 1. FC Köln (Spielbericht) .

Die richtige Metapher brachte er in seinem Zustand auch nicht mehr zusammen.

"Das zieht sich jetzt wie ein seidener Faden durch die ganze Hinrunde, dass wir guten Fußball spielen, aber die Ergebnisse nicht da sind", ärgerte er sich.

Am seidenen Faden hängen mittlerweile eher die Hoffnungen der Bochumer, dem Abgrund Zweite Liga noch zu entkommen - und wenn es nach dem VfL-Anhang geht auch der Job von Trainer Marcel Koller.

Hunderte von Bochumer Fans versammelten sich nach dem Spiel vor der Geschäftsstelle des VfL, um die Ablösung des Schweizers zu fordern.

Kein Offenbarungseid

Wundern darf man sich darüber nicht bei der schlechtesten Hinrunde seit 14 Jahren und der Horrorbilanz von nur einem Sieg und gerade mal 11 Punkten aus 17 Spielen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Aber ob diese Niederlage der richtige Anlass ist, den Trainer in Frage zu stellen, ist eine andere Sache.

Ein Offenbarungseid war die Leistung der engagierten Gastgeber nämlich keineswegs. "Meine Mannschaft hat heute wieder ein gutes Spiel gemacht", befand Koller nicht zu Unrecht.

Symptomatische Mängel

Die Art und Weise wie Bochum als eigentlich überlegene Mannschaft trotzdem in die Niederlage schlitterte, war aber wieder mal symptomatisch für die verkorkste Hinserie.

Zum einen mangelte es dem Revierklub bei allem Einsatz an Mitteln, um die kompakt stehende Kölner Defensive auszuhebeln.

Es war da nur konsequent, dass der einzige Bochumer Treffer nicht aus dem Spiel heraus fiel: Dabrowskis Kopfball zum 1:1 in der 58. Minute war das Resultat einer Ecke von Joel Epalle, Bochums bestem Mann.

Effektivität dank Bochumer Geschenken

Die Gäste präsentierten sich da um einiges effizienter: "Köln war dreimal bei uns vor dem Tor und hat zweimal davon auch getroffen", ärgerte sich Koller.

Die andere Seite der Wahrheit aber ist, dass Bochums Unvermögen diese starke Quote mehr als nur begünstigt hat.

Beim 0:1 durch Kevin McKenna war es Stürmer Marcin Mieciel, der dem Irrtum aufsaß, dass man ein Kopfballduell im Stehen gewinnen kann.

Maltritz' Albtraum-Blackout

Und der Kölner Siegtreffer wird Marcel Maltritz wohl in dessen schlimmste Albträume begleiten.

Der Verteidiger hatte den Konter von Fabrice Ehret schon entschärft, seinem Gegenspieler den Ball schon abgenommen.

Doch das, was dann wohl ein Rückpass auf Keeper Philipp Heerwagen sein sollte, wurde zur erneuten Vorlage für Ehret, der völlig frei den Siegtreffer des eingewechselten Manasseh Ishiaku auflegte.

"Glück ist nicht auf unserer Seite"

"Dieser Spielverlauf passt zu unserer gesamten Hinrunde, das Glück ist momentan nicht auf unserer Seite", musste Koller feststellen.

Trotzdem hat er die Hoffnung nicht aufgegeben: "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Mannschaft das umsetzen kann, was wir alle von ihr verlangen."

Ob die Bochumer Führung dasselbe Vertrauen noch in ihn hat, vermochte er aber nicht zu beantworten: "Wenn die Vereinsseite das Gefühl hat, dass es mit diesem Trainer nicht mehr geht, muss sie das entscheiden."

"Keinerlei Zweifel" an Koller

Klubchef Werner Altegoer bekräftigte aber trotz der Niederlage: "Ich habe keinerlei Zweifel an Marcel Koller. Jeder hat gesehen, dass er die Mannschaft nach wie vor erreicht."

Auf eine kritische Analyse muss Koller sich aber sehr wohl einstellen. Manager Thomas Ernst machte bei allem Eintreten für Koller auch klar, dass "auch der Trainer in der Verantwortung" stehe.

Ob Koller die Arbeit in der Rückrunde durch neue Spieler erleichtert wird, ist ungewiss. Geschäftsführer Ansgar Schwenken stellte fest, dass sich Bochum frisches Blut nur leisten könne, wenn gleichzeitig Spieler den Klub verlassen.

Köln im Glück trotz strittiger Platzverweise

Bei Köln dagegen ist die Stimmung nach dem Stopp der schwarzen Serie von vier Niederlagen in Folge bestens.

Daran änderten auch die beiden strittigen Gelb-Roten Karten für Pedro Geromel und Milivoje Novakovic nichts.

"Das war eine sehr harte Regelauslegung, die der Schiedsrichter exklusiv hat", meinte Trainer Christoph Daum zwar, aber die Freude über die drei Punkte überwog.

Ein schlechtes Gewissen, weil die Leistung seiner Mannschaft nicht direkt der eines Siegerteams entsprach, hatte Daum auch nicht:

"Vielleicht hatten wir das Glück des Tüchtigen, denn die letzten Spiele haben wir trotz guter Leistungen immer verloren."

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