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Luca Toni (r.) erzielte in Stuttgart seinen neunten Saisontreffer © getty

Die Bayern haben trotz des späten Ausgleichs in Stuttgart nur einen Grund zum Ärger. Stuttgart feiert einen gefühlten Sieg.

Von Matthias Becker und Mathias Frohnapfel

München/Stuttgart - Eigentlich wollte Massimo Oddo gar nichts sagen und wünschte in den Katakomben des Stuttgarter Mercedes-Benz-Stadion nur kurz "Buon Natale".

Der Weihnachtsfrieden des Bayern-Verteidigers war nach seiner Roten Karte in der 85. Minute gegen den VfB Stuttgart aber erheblich gestört, deshalb machte er nochmal kehrt.

"Was für ein Rot ist das? Ich habe nur nach dem Ball geschaut", empörte sich der italienische Weltmeister gegenüber Sport1.de.

Damit lag er auf einer Wellenlänge mit seinem Trainer Jürgen Klinsmann. Der sah in Oddos Platzverweis den entscheidenden Grund dafür, dass die Bayern in der letzten Minute noch den 2:2-Ausgleich durch Sami Khedira hinnehmen mussten.

"Die Wende kam durch die Rote Karte - dabei war das gar nichts", ärgerte sich Klinsmann.

Verpasste Chance im Fernduell

Obwohl die Bayern mit dem späten Ausgleich die große Chance verpassten, Konkurrent 1899 Hoffenheim im Fernduell um die Herbstmeisterschaft richtig unter Druck zu setzen, beschränkte sich der Ärger in Reihen der Münchner auf die Schiedsrichterentscheidungen der letzten Minuten.

"Spätestens als ich aufstehen will und jemand an meinem Trikot zieht, hätte man abpfeifen müssen", beschwerte sich Torwart Michael Rensing über die Szene bei Khediras Volleyschuss zum Ausgleich.

Zufriedene Hinrunden-Bilanz

Den zwei verschenkten Punkten wurde kaum hinterher getrauert. "Ich bin insgesamt zufrieden mit dem, was, was die Mannschaft in den letzten drei Monaten geleistet hat", spannte Klinsmann gleich einen größeren Bogen.

Denn die Bayern gehen mit einer Serie von 16 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage in die Winterpause. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Klinsmann freut sich auch schon auf das neue Jahr: "Wir sind bestens gewappnet für die Rückrunde und sind auf Augenhöhe mit den Topmannschaften in Europa."

Auch Manager Uli Hoeneß zog eine zufriedene Bilanz: "Wir haben am Ende dieser Hinrunde fantastische Leistungen geboten. Die Mannschaft ist topfit und hat einen unglaublichen Willen."

Alte Probleme werden sichtbar

Die alten Probleme wurden aber auch in Stuttgart wieder sichtbar. Die Abwehr bleibt anfällig, die Bayern haben schon jetzt mit 24 Gegentoren drei Tore mehr kassiert als in der gesamten vergangenen Saison.

Zudem wurde auch die Abhängigkeit von Franck Ribery wieder deutlich. Der an der Schulter verletzte Franzose fehlte mit seinen Ideen und Dribblings, wie schon zu Saisonbeginn lahmte der Angriff ohne ihn.

"Keine Mannschaft kann einen wie Ribery ersetzen", nahm Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sein Team aber in Schutz.

Dafür zeigte der FCB wieder jenen Charakterzug, der die Erfolgsserie der letzten Monate erst ermöglichte: Die eiskalte Effizienz einer Spitzenmannschaft.

Aus drei Torchancen machten die Münchner zwei Tore, Luca Toni würde momentan wahrscheinlich auch vom Parkplatz aus das Tor treffen.

Babbel lobt "Sensationstruppe"

Zufriedenheit herrschte auch bei den Stuttgartern. Nicht nur wegen des Last-Minute-Ausgleichs, sondern auch angesichts von vier Spielen ohne Niederlage seit der Trennung von Armin Veh.

"Wir haben eine Sensationstruppe. Das war Leidenschaft und Wille pur", freute sich Teamchef Markus Babbel. So sah es auch Manager Horst Heldt: "Das war mit Abstand unser bestes Spiel in dieser Halbserie."

Grund für den gefühlten Aufschwung der Schwaben, ist die unter Babbel neu entdeckte Unbeschwertheit. Exemplarisch steht dafür Doppel-Torschütze Khedira.

"Entweder ins Tor oder in den Neckar"

"Den Ball haut man entweder ins Tor, oder in den Neckar", beurteilte er sein 2:2.

Da der VfB auf Platz zehn aber weiterhin im Tabellen-Niemandsland herumdümpelt, richtet man den Blick auf einen anderen Wettbewerb.

"Im UEFA-CUP wollen wir wieder die gleiche Motivation zeigen. Das ist jetzt das wichtigste Spiel für uns", sagte Stürmer Mario Gomez Sport1.de im Hinblick auf das entscheidende Gruppenspiel gegen Standard Lüttich am Donnerstag (UEFA-Cup: Gruppe C) .

Einmal müssen die Stuttgarter im Gegensatz zu Massimo Oddo also noch ran, dann heißt es endgültig: "Frohe Weihnachten".

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