vergrößernverkleinern
Thomas Hitzlsperger (l.) gab sein Debüt beim VfL - Simon Kjaer (r.) steht vor einem Wechsel © imago

Die Niederlage gegen Gladbach offenbart große Wolfsburger Schwächen, ein Schuldiger ist gefunden. Gladbach bremst die Euphorie.

Von Dustin Werk

München - "So darf man nicht mehr auftreten."

Damit meinte Wolfsburgs Neuzugang Christian Träsch zwar die Leistung seines neuen Klubs, aber ebenso gut trifft das auf Abwehrspieler Simon Kjaer zu.

Denn sein Fehler war der Beginn allen Unheils für die "Wölfe" bei der 1:4-Niederlage in Mönchengladbach (Spielbericht). Er rutschte aus und verlor den Ball, den dann Reus zum 1:1 verwertete (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wolfsburg-Coach Felix Magath analysierte das genauso.

"Es gab einen unglücklichen groben Fehler, der Gladbach drei Minuten nach der Führung wieder ins Spiel gebracht hat. Das sind dann halt für unsere Mannschaft, die noch nicht so stabil ist, Ereignisse, die wir nicht so leicht verkraften."

Verirrte "Wölfe"

Verkraftet hat der VfL in diesem Spiel gar nichts mehr.

Die Hilflosigkeit in der Defensive, die Ideenlosigkeit in der Offensive offenbarte sich umso, je mehr Gladbach begann, zu seinem Spiel zu finden.

Die Wolfsburger Innenverteidiger irrten umher auf der Suche nach ihrem Gegenspieler. Die Stürmer fahndeten verzweifelt nach einem kreativen Kopf und vergaßen dabei das Fußballspielen.

Hitzlsperger reagiert enttäuscht

Ohne Plan und Konzept, ohne Rhythmus und Spielfreude versuchte der VfL gegen die leidenschaftliche Borussia dagegen zu halten.

Auch Neuzugang Thomas Hitzlsperger, vor wenigen Tagen erst in Wolfsburg vorgestellt, konnte das Spiel freilich nicht wenden.

"Ich habe mir das anders vorgestellt", gab "Hitz" zu. "Jetzt geht es mit so einer Niederlage für mich persönlich so los. Wenn wir in Führung gehen, dann dürfen wir nicht so wild nach vorne rennen und dem Gegner Platz geben."

Kommt Raul?

Magaths Ärger stieg mit jedem Gegentor, angefressen verfolgte er das Geschehen auf seinem Trainerstuhl.

Womögilch hat er aber bereits schon über den nächsten Transfer nachgedacht. Laut "Express" zieht es Magath in Erwägung, seinen früheren Stürmer Raul von Schalke zum VfL zu holen.

Die Drähte der beiden gelten weiterhin als gut.

Gladbach träumt

Ganz andere Sorgen hat Gladbach-Coach Lucien Favre. Er muss sich Gedanken machen, wie er die Euphorie am Niederrhein bremsen soll.

Der beste Saisonstart seit 16 Jahren, Tabellenführer zumindest über Nacht, ein berauschender Abend im Borussia-Park mit einem exzellenten Offensiv-Dreieck bestehend aus Doppeltorschütze Marco Reus, Juan Arango und Raul Bobadilla, lässt einige Borussen-Fans gar von einer Saison unter den Top Fünf der Liga träumen.

"Ein Klassetor"

Dass Favre zu solch einem Coup in der Lage wäre, hat er mit der Hertha bewiesen.

Und das 4:1 durch Reus, als Arango mit einer Zauberflanke auflegte, dürfte Favre schon bestens gefallen haben.

"Es war genial, wie Arango den Ball rüberspielt und ich muss ihn nur noch einschieben. Ich denke, das war ein Klassetor", meinte Reus. 443246(DIASHOW: Der 3. Spieltag)

Tritt auf Euphoriebremse

Aber er weiß, dass zu viel Euphorie nach dem dritten Spieltag auch nach hinten losgehen kann.

"Wir müssen trotzdem weiter auf dem Boden bleiben und weiter hart an uns arbeiten", sagte Reus.

"Es gab schon genug Beispiele von Mannschaften, die gut gestartet sind und am Ende nicht so gut gespielt. Wir wollen den Fehler nicht machen und richtig Gas geben."

"Bobadilla hat alle überrascht"

Gas gegeben hat vor allem einer - zu jedermanns Überraschung. Raul Bobadilla, das Sorgenkind der Borussia, zeigte seine beste Leistung seit langem und scheint mental gereift.

"Ich bin wieder da und versuche, es besser zu machen. Ich will endlich zeigen, was ich kann", erklärte der 24-Jährige.

Lob bekam er von allen Seiten, auch von Favre, der selten über einzelne Spieler spricht: "Er hat alle überrascht. Mich inbegriffen."

Konter mit Floskel

Der Pechvogel des Abends, Simon Kjaer, konterte die Kritik mit einer Floskel: "So ist halt Fußball", sagte der Däne, der mit dem AS Rom in Verbindung gebracht wird.

Ein italienisches TV-Team war zwar auch im Borussia-Park, Werbung in eigener Sache sieht jedoch anders aus

In der Vorsaison rangierten beide Teams auf den Plätzen 15 und 16. Nach dem Freitagabend trennen sie Welten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel