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Michael Ballack (l.) hat in seiner Karriere 98 Länderspiele für Deutschland bestritten © getty

Der Ex-"Capitano" erlebt bei Leverkusens Erfolg in Stuttgart den nächsten Tiefschlag. Rudi Völler versucht zu beschwichtigen.

Stuttgart - Die erneute Demütigung von Michael Ballack erreichte ihren Höhepunkt in der 80. Minute.

Kurz bevor Daniel Schwaab als dritter Ersatzspieler Bayer Leverkusens eingewechselt wurde, trottete der tief gefallene Ex-"Capitano" der deutschen Nationalmannschaft nach 35 Minuten unnötigen Warmlaufens zurück zur Ersatzbank.

Dort angekommen, würdigten sich der Reservist und sein Trainer Robin Dutt keines Blickes (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Von der Bank aus hatte Ballack immerhin den besten Blick auf die Schlussphase des Spiels beim Leverkusener Lieblingsgegner VfB Stuttgart, das der Vizemeister durch ein Tor des personifizierten "Schwabenschrecks" Stefan Kießling mit 1:0 (1:0) (Bericht: VfB bleibt Bayers Lieblingsgegner) gewann.

Reservistenrolle als Dauerlösung?

Der Sieg der Leverkusener, die kein anderes Team so oft in Punktspielen bezwangen wie den VfB (27 Mal), geriet anschließend endgültig zur Nebensache.

Während sich die Bayer-Profis inklusive Ballack durch den Seitenausgang des Stuttgarter Stadions kommentarlos Richtung Mannschaftsbus aufmachten, ließ Dutt durchblicken, dass sich Ballack auch künftig ganz weit hinten anstellen muss.

Fast schon überschwänglich lobte der Coach Ballacks Stellvertreter Simon Rolfes.

Dutt lobt Rolfes

"Wir waren in der Zentrale hervorragend aufgestellt. Simon Rolfes und Lars Bender haben ein tolles Spiel gemacht. Deshalb gab es keine Notwendigkeit für einen Wechsel - auch nicht für einen kurzen", antwortete Dutt auf die Frage, warum er Ballack vor 53.000 Zuschauern nicht wenigstens eine kleine Bewährungschance gegeben hatte.

Immerhin bot Dutt, der ein gemeinsames Auflaufen von Rolfes und Ballack zuletzt ausgeschlossen hatte, bei seiner Argumentation keine Angriffsfläche 443246(DIASHOW: Der 3. Spieltag).

Führung eingeleitet

In der Tat zeigten Bender und vor allem Rolfes eine starke Leistung. Kapitän Rolfes, der am vergangenen Sonntag für Ballack eingewechselt worden war und den Siegtreffer zum 1:0 gegen Werder Bremen vorbereitet hatte, war die zentrale Figur im Spiel der Gäste.

Dem 29-Jährigen war deutlich anzumerken, dass er keine Zweifel mehr an seiner Position in der Startelf aufkommen lassen wollte. Dies gelang ihm nicht zuletzt vor dem Treffer Kießlings (28.), den er mit vorbereitete.

"So schnell geht es"

Der achte Treffer des Nationalstürmers in den zurückliegenden fünf Partien gegen den VfB sorgte dafür, dass der Fehlstart der Leverkusener mit dem blamablen Aus im DFB-Pokal beim Zweitligisten Dynamo Dresden und der Pleite zum Saisonstart beim FSV Mainz 05 (0:2) zu den Akten gelegt werden konnte.

"Vor ein paar Wochen waren wir die Verlierer, nun haben wir sechs Punkte. So schnell geht es im Fußball", sagte Dutt.

"Brauchen alle Spieler"

Während sich der Trainer über den Aufwärtstrend freute, bemühte sich die Chefetage intensiv darum, dass Thema Ballack klein zu halten.

"Bei uns sind Individual-Interessen zweitrangig. Nur der Sieg ist entscheidend", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Auch Sportdirektor Rudi Völler wollte nichts von einem "Auslaufmodell" Ballack wissen.

"Uns stehen englische Wochen bevor. Da wird der eine oder andere noch froh sein, wenn er nicht spielt. Wir brauchen alle Spieler", sagte er mit Blick auf die Aufgaben in der Champions League.

Ulreich nimmt Patzer auf seine Kappe

Um den Einzug in die Königsklasse werden die Stuttgarter, die aufgrund einer ordentlichen Schlussphase ein wenig unglücklich als Verlierer vom Platz gingen, in dieser Saison wohl nicht kämpfen.

Schon gar nicht, wenn sich Torwart Sven Ulreich öfter solche Fehler wie vor dem 0:1 erlaubt.

Während der von Stuttgart bis zum Jahresende an Leverkusen ausgeliehene Bernd Leno nicht viel zu tun hatte, ließ Ulreich einen Schuss von Michal Kadlec vor die Füße Kießlings prallen.

"Es war ein abgefälschtes Ding, ein ekliger Schuss. Ich wollte ihn fangen. Es wäre aber besser gewesen, wenn ich ihn zur Seite abwehre", nahm Ulreich den Treffer bei "sky" auf seine Kappe.

Boulahrouz droht Ärger

Sorgen bereitet Stuttgarts Coach Bruno Labbadia, der die Leverkusener in der Saison 2008/09 betreute, auch Außenverteidiger Khalid Boulahrouz.

Der Niederländer sah in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte, weil er Schiedsrichter Peter Gagelmann offenbar den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt hatte.

VfB-Sportdirektor Fredi Bobic ließ offen, ob Boulahrouz mit Konesquenzen rechnen muss: "Das wird man sehen."

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