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Jupp Heynckes wechselte im Sommer von Bayer Leverkusen nach München © getty

Die Münchner befinden sich im Aufwind. HSV-Trainer Oenning ist dagegen vollkommen bedient. Bei seinem Team geht die Angst um.

Von Daniel Rathjen und Mathias Frohnapfel

München - Die gute Laune war den Bayern anzusehen.

Die 5:0-Gala gegen den desolaten Hamburger SV (Spielbericht) zauberte auch Uli Hoeneß ein Lächeln auf die Lippen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Am Samstag nach der Partie war der Präsident definitiv in der Kabine - zum Gratulieren.

Zur Leistung seiner Mannschaft wollte er danach zwar öffentlich nichts sagen. Er habe sich schon am Mittwoch "verausgabt", sagte Hoeneß nur schmunzelnd.

Aber: Rechtzeitig vor dem wichtigen Playoff-Rückspiel zur Champions League am Dienstag beim FC Zürich, gegen den die Münchner das Hinspiel 2:0 gewonnen hatten, ist der Rekordmeister nach einem eher holprigen Saisonauftakt nun im Aufwind 443246(DIASHOW: Der 3. Spieltag).

Im krassen Gegensatz dazu steht der HSV. Die nächste Partie (am Samstag gegen den 1. FC Köln) wird zu einem ersten Endspiel.

Noch steht Sportdirektor Frank Arnesen zu Trainer Michael Oenning.

"Wir müssen uns verbessern und das wollen wir auch. Aber die Zeit müssen Michael Oenning und unser Stab haben", sagte der Däne bei LIGA total! - der Umbruch ist noch längst nicht geglückt.

Erfolgreiche Rotation

Dass sich der HSV noch nicht gefunden hat, spielte den Bayern in die Karten.

Der Ball lief flüssig durch die Reihen, Daniel van Buyten, Anatoliy Tymoshchuk und Thomas Müller rotierten problemlos hinein, Arjen Robben und Franck Ribery - zuletzt angeschlagen und noch immer nicht in Vollbesitz ihrer Kräfte - holten sich zusätzliche Fitness.

"Ich hatte noch Schmerzen, vor allem nach der Pause. Ich bin bei 60, 70 Prozent - jetzt vielleicht bei 71", lachte Robben, der mit seinem herrlichen Lupfer zum zwischenzeitlichen 3:0 (34.) einen Glanzpunkt setzte.

Heynckes hochzufrieden

Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, so trafen "nur" noch van Buyten (13.), Ribery (17.), Mario Gomez (56.) und Ivica Olic (80.).

"Das Ergebnis gibt uns enormes Selbstvertrauen in Richtung Champions League", befand Bastian Schweinsteiger.

Auch Heynckes zeigte sich bei LIGA total! hochzufrieden: "Die Mannschaft hat gezeigt, dass es nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung geht: Nicht nur in einer Richtung, sondern auch zur Defensive. Damit bin ich am meisten zufrieden, dass wir wieder zu Null gespielt haben und fast keine Torchancen zugelassen haben."

In der Tat stimmte vieles beim Rekordmeister. Der Gegner machte es ihm allerdings auch enorm leicht.

"Bayern war zwei Klassen besser", stellte der Ex-Bayer und aktuelle Hamburger Marcell Jansen richtig fest.

[kaltura id="0_mq8520qj" class="full_size" title="Oenning bekommt Zeit"]

Jarolim mahnt

Oenning hat noch viel Arbeit vor sich. Gleichzeitig muss er Fragen beantworten: Haben die Neuzugänge wirklich ausreichend Klasse? Wird der HSV zum Abstiegskandidat?

"Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unten reinrutschen", mahnt David Jarolim, während Jansen eine düstere Woche prognostiziert: "Es wird jetzt überall knallen. Aber es bringt nichts für uns. Wir müssen die Ruhe bewahren!" Die Angst vor dem Abstiegskampf grassiert - es wäre eine enorme Herausforderung für das junge Team.

In Hamburg lechzen Fans und Verantwortliche nach 24 Jahren Erfolglosigkeit weiterhin nach einem Titel.

Einen Vorgeschmack, wie angespannt die Situation an der Elbe schon ist, lieferte HSV-Idol Uwe Seeler nach dem Debakel in München.

HSV-Idol Seeler zürnt

"Die Jungs haben sich kampflos ergeben. So kann man kein Spiel gewinnen. Da muss sich schnell was ändern! Die Argumente für Oenning muss ich schnell hören", sagte der ehemalige HSV-Präsident in der "Hamburger Morgenpost".

Dem 74-Jährigen ging vor allem die Art und Weise der Niederlage an die Nieren. "Ich wusste ja vor der Partie, dass unsere Mannschaft in München nicht hoch gewinnen würde. Aber dieser Auftritt geht nicht!"

Er müsse das 0:5 nun erst mal "verdauen und runtertrinken".

Was dem Ehrenspielführer der Nationalmannschaft helfen mag, ist für Oenning und seine Profis kaum ratsam. Ein gepflegter Mannschaftsabend wird längst nicht genug sein, um die großen Defizite im Defensivverhalten aus der Welt zu schaffen.

"Wir müssen sehr schnell aus unseren Fehlern lernen", betonte Oenning und fügte an: "Der einzige Vorteil ist: Jetzt wissen wir ganz klar, was die Stunde geschlagen hat."

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