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Bremens Tiefpunkt: Beim 0:1 in Karlsruhe rasten Pizarro (l.) und Diego aus © getty

Fünf Jahre in Folge hatte sich Bremen für die Champions League qualifiziert. Von einem sechsten Mal sind die Hanseaten weit entfernt.

Von Martin van de Flierdt

München - Die Zielsetzung war identisch mit derjenigen der vergangenen Jahre.

"Wir wollen ganz oben mit dabei sein", hatte Bremens Trainer Thomas Schaaf vor der Saison gesagt. "Und wenn es eine Nummer eins gibt, dann will man die auch erreichen."

Ein paar Mal zeigte Werder auch in dieser Saison, dass dieser Anspruch nicht ganz von ungefähr kam: 5:2 bei Bayern München, 5:4 gegen Herbstmeister Hoffenheim, 5:1 gegen Hertha BSC ? die Top Drei der Hinrundentabelle hatten gegen Bremen nichts zu lachen.

Gegen Frankfurt gab es beim 5:0 einen vierten Fünferpack. Sobald der Gegner aber nicht bereit war, offensiv mitzuspielen, bekam Werder ernsthafte Probleme. Gegen die sechs Letztplatzierten der Ligarangliste gelang nur ein einziger Erfolg, ein 3:0 gegen Cottbus.

In Mönchengladbach (2:3) und Karlsruhe (0:1) setzte es peinliche Pleiten, weil die Bremer Stars gegen Mannschaften, die sie schwächer einschätzten als sich selbst, schlichtweg mit halber Kraft glaubten gewinnen zu können.

Das Problem mit der Einstellung

Dass Sportdirektor Klaus Allofs auch nach dem katastrophalen Champions-League-Auftritt gegen Panathinaikos Athen (0:3) konstatieren musste, die Mannschaft sei nicht an ihre Grenzen gegangen, offenbarte das Einstellungsproblem als wesentliches Grundübel für die schwache Hinrunde.

In der Liga rangieren die Hanseaten mit 26 Punkten auf Platz acht (Die Tabelle) - so schlecht wie nie im Winter, seit Schaaf und Allofs 1999 die sportliche Verantwortung übernahmen.

"Arbeiten werden wir vor allem daran, dass es der Gegner nicht so leicht haben wird, gegen uns Tore zu schießen", hatte der Trainer im Sommer angekündigt. Ein Fortschritt war aber erst in den letzten Begegnungen vor der Winterpause zu erkennen.

Auf den Außen offen

Zuvor war Werders Hintermannschaft zeitweise zur Schießbude der Liga geraten. Auf den Außenverteidigerpositionen erreichten Clemens Fritz, Sebastian Prödl, Dusko Tosic, Sebastian Boenisch und Petri Pasanen auch verletzungsbedingt selten das erwünschte Niveau.

Da die gesamte Mannschaft in der Rückwärtsbewegung und speziell bei Kontern Defizite offenbarte, sahen zudem die Innenverteidiger Per Mertesacker und Naldo häufig schlecht aus.

"Viele kommen einfach nicht in Form, bedingt durch Verletzungen oder Nachwehen von anderen Ereignissen wie der EM oder auch Olympia", klagte Schaaf im Sport1.de-Interview . "Diese Dinge kann man nicht einfach wegwischen."

EM und Olympia als Problemquellen

Sieben Bremer waren im Sommer in Österreich und der Schweiz aktiv, Spielmacher Diego und Tosic reisten nach Peking. Das war sicher nicht von Vorteil, darf aber nicht als alleinige Ausrede für das bisherige Abschneiden gelten.

Dass sich Claudio Pizarro und Diego in Karlsruhe auch noch überflüssige Sperren einhandelten, die sie ins neue Jahr mitnehmen, passte ins wenig erfreuliche Bild, das die Bremer in der Hinserie abgaben.

Am Selbstverständnis an der Weser hat der Herbst 2008 aber nichts geändert. "Wir werden schwer zu schlagen sein, wenn wir wieder richtig in Form kommen", verspricht Torsten Frings. Das allerdings wäre erst einmal zu beweisen.

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