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Stürmer Jan Schlaudraff (l.) spielt seit 2008 bei Hannover 96 © getty

Panders nicht gegebener Treffer bringen Hannover zur Weißglut und Schiedrichter Hartmann in die Schusslinie. Schlaudraff flippt aus.

Von Barnabas Szöcs und Jürgen Blöhs

Hannover - Am Ende fühlten sich die Spieler und der Trainer von Hannover 96 um den verdienten Sieg und die erste Tabellenführung seit 1969 betrogen.

Wild gestikulierend redete Mirko Slomka nach dem Abpfiff auf Schiedrichter Robert Hartmann ein, der den Treffer der Niedersachsen zum möglichen Heimerfolg in der 89. Minute wegen eines angeblichen Foulspiels nicht anerkannt hatte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich kann kein Foul sehen, da kann ich mir das noch sechsmal anschauen", klagte auch Sportdirektor Jörg Schmadtke nach dem 1:1 (1:0) gegen Aufsteiger Hertha BSC Berlin (Bericht).

96-Angreifer Jan Schlaudraff musste sogar zurückgehalten werden, als er dem Unparteiischen lautstark seine Meinung mitteilte.

"Ich wiege nur 70 Kilo"

Didier Ya Konan soll nach Ansicht Hartmanns bei einem Freistoß (samt Torerfolg) von Christian Pander Gegenspieler Maik Franz gefoult haben.

"Ich habe eine Berührung gespürt, Franz aber nicht gestoßen", gab der Ivorer nach der Begegnung zu Protokoll und fügte an: "Ich wiege nur 70 Kilo." Will heißen: Mit seinen körperlichen Voraussetzungen hätte er den 90-Kilo-Mann Franz kaum umwerfen können.

Schmadtke hatte den Berliner Verteidiger etwas übertrieben auf 110 Kilo geschätzt.

"Rauhbein" Franz äußerte sich nicht zu der Szene, bezeichnete dafür das Remis in Hannover als "okay".

Hertha im Glück

Selbst Gäste-Coach Markus Babbel gab nach dem Abpfiff zu: "Wenn ich mir die Fernsehbilder anschaue, können wir froh sein, dass wir kein Gegentor bekommen haben."

Genützt hat es am Ende den Gastgebern nur wenig. Unter dem Strich stand - jedenfalls aus Sicht der Hannoveraner - ein bitterer Verlust von zwei Punkten, nach dem die 96er punktgleich mit Spitzenreiter FSV Mainz 05 den zweiten Platz belegen.

"Schade, dass wir die Tabellenführung verpasst haben - das war eine große Chance", meinte 96-Angreifer Schlaudraff und schimpfte über den Referee: "Wenn einer über 90 Minuten Probleme hat zu sehen, was fünf Meter vor ihm passiert, dann braucht er nicht in der 90. Minute damit anfangen zu entscheiden, was 35 Meter von ihm weg passiert."

Und Sergio Pinto, Schütze des 1:0 (33.) sagte: "Es sind zwei Punkte liegen geblieben, die uns zu 100 Prozent gehören. Da war gar nichts, einfach gar nichts."

Slomka ohne Verständnis

Slomka klagte: "Der Schiedsrichter hat mir gesagt, dass der Assistent ein Foul von Didier Ya Konan signalisiert hat. Ich kann das nicht nachvollziehen. Das war ein reguläres Tor, somit besonders ärgerlich. Aber das können wir nun nicht mehr ändern. Wir haben nun nach drei Spieltagen sieben Punkte, das ist auch in Ordnung."

Pinto hatte seine Mannschaft in einer intensiven, aber nicht hochklassigen Partie mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung gebracht, bevor Joker Pierre-Michel Lasogga (83.) den verdienten Ausgleich für die Gäste erzielte, die ihren zweiten Saisonpunkt verbuchen konnten 443246(DIASHOW: Der 3. Spieltag).

"Das freut mich für die Jungs. Sie haben sich das Unentschieden erarbeitet", sagte Babbel und analysierte: "Wir haben zu Beginn zu viel Angst gehabt, haben hinten zwar gut gestanden, aber zu wenig Druck nach vorn aufgebaut. Das haben wir in der zweiten Halbzeit viel besser gemacht."

Müde 96er oft ideenlos

Drei Tage nach der starken Leistung im Qualifikations-Hinspiel zur Europa League gegen den FC Sevilla (2:1) blieb Hannover lange blass.

Dem Team schien die kräftezehrende Partie gegen den spanischen Topklub in den Knochen zu stecken. Zudem mangelte es an Ideen, um die Defensive der Berliner zu knacken.

"Wir wollten das 1:0 verwalten und das hat nicht funktioniert. Ärgerlich für uns. Am Kräftemangel hat es aber nicht gelegen", sagte Pinto.

Hertha sogar mit Siegchancen

Nach dem Ausgleich durch Lasogga und der umstrittenen Szene mit Franz und Ya Konan hätten die Berliner sogar den Sieg einfahren können, scheiterten aber mehrmals an Neu-Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler und ihrer eigenen Präzision.

Am Ende konnten die Gastgeber letztlich froh sein, noch einen Punkt gerettet zu haben.

Doch von Erleichterung war nach Abpfiff bei Hannover nichts zu merken - der Frust über das nicht gegebene Tor überwog.

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