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Michael Ballack hat bislang 250 Bundesligaspiele absolviert © imago

Von Trainer Dutt wieder auf die Bank verbannt, steht Ballack womöglich vor dem Absprung zu einem Bundesligisten - oder ins Ausland.

Von Thorsten Mesch

München - Michael Ballack und Bayer Leverkusen - es sollte die Neuauflage einer erfolgreichen Zusammenarbeit werden.

Doch nur etwas mehr als ein Jahr nach Ballacks Rückkehr zu Bayer stehen die Zeichen womöglich schon wieder auf Abschied.

Es könne sein, dass Ballack die Rheinländer bis Ende des Monats verlassen, wurde seit dem Samstagabend spekuliert.

Zuvor hatte Dutt den ehemaligen Nationalmannschaftskapitän bei Leverkusens 1:0-Sieg in Stuttgart nicht eigesetzt (Bericht: Nur noch Warm- statt Auflaufen).

Das Verhältnis zwischen Ballack und Trainer Robin Dutt sei womöglich viel schlechter als offiziell dargestellt, wurde im "Aktuellen Sportstudio" behauptet.

"Dieser Bericht ist bar jeder Wahrheit. Das habe ich dem ZDF auch mitgeteilt", sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

"Stand jetzt, ist, dass Michael auch über den 31. August hinaus bei Bayer spielen wird", wird Holzhäuser in der "Welt" zitiert. Ende des Monats schließt das Transferfenster.

Ballack selbst schweigt, aber seine persönliche Situation kann dem 34-Jährigen nicht gefallen.

Zweifelhafte Ehre als Bankdrücker

Beim 3:4 im Pokal in Dresden wurde er beim Stand von 3:0 für Rolfes eingewechselt - und wurde in den Medien als Symbolfigur für die Blamage abgestempelt.

Bayers 0:2-Auftaktniederlage in Mainz erlebte er als Zuschauer. Ballack und Simon Rolfes im gleichzeitig im Mittelfeld, das gehe nicht, erklärte Dutt.

"Wer für einen Champions-League-Klub wie Bayer Leverkusen spielt, für den ist es eine Ehre, auf der Bank sitzen zu dürfen", gab der Coach seinem Star mit auf den Weg.

Aber schon beim 1:0-Sieg gegen Bremen stand Ballack wieder auf dem Platz - und führte die Mannschaft sogar als Kapitän an. In der Schlussphase ließ er sich auswechseln - und der eingewechselte Rolfes bereitete den Siegtreffer vor (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Am Samstag wurde Ballack wieder die fragwürdige Ehre der Bank zuteil. 18 Bundesligaspiele hat der Mittelfeldmann seit seiner Rückkehr für Leverkusen absolviert, nur zehn davon über 90 Minuten.

Keine Rückendeckung durch den Trainer

Wie schon unter Jupp Heynckes, der von den ständigen Diskussionen um Ballack genervt schien und zum FC Bayern wechselte, fehlt dem einstigen "Capitano" auch unter Dutt die Rückendeckung des Trainers.

"Lars Bender und Simon Rolfes sind sehr gut gestanden und haben ein tolles Spiel gemacht. Deshalb gab es keine Notwendigkeit für einen Wechsel - auch nicht für einen kurzen", sagte Dutt nach dem Stuttgart-Spiel kurz und knapp 443246(DIASHOW: Der 3. Spieltag).

Dutt von Spekulationen "überrascht"

Am Montag meinte Dutt zu den Spekulationen um Ballacks Abgang: "Ich bin überrascht, wie es zu solchen Einschätzungen kommt."

Er könne sich einen Wechsel "nicht vorstellen. Und ich wiederhole mich: Es gab nicht einen Fall, in dem sich Michael nicht korrekt verhalten hätte. Er gibt Vollgas im Training. Ich plane mit Ballack, wir haben einen kleinen Kader."

Bayer-Bosse nach außen ruhig

Auch Geschäftsführer Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler sind bemüht, den Ball flach zu halten.

"Dass Michael sich nicht freut, wenn er nicht spielt, ist doch normal. Es würde mich wundern, wenn es anders wäre", sagte Holzhäuser am Wochenende.

"Wir gehen damit viel gelassener um, als von außen gedacht wird. Es gibt ja auch andere Spieler, die im Moment nicht spielen", erklärte Völler und ergänzte: "In den nächsten Wochen haben wir so viele Spiele, da wird der ein oder andere noch froh sein, wenn er mal nicht spielen muss."

Am 13. September beginnt die Gruppenphase der Champions League.

Holzhäuser schließt Verkauf nicht aus

Doch ob Ballack dann noch bei Bayer unter Vertrag steht, darf zumindest bezweifelt werden. Bis zum 31. August könnte er den Verein bei einem entsprechenden Angebot verlassen.

Sportchef Völler schloss am Montag einen Wechsel noch in der Sommertransferperiode aus und dementierte Probleme zwischen Spieler und Coach: "Das sind alles nur Spekulationen, da ist überhaupt nichts dran."

Holzhäuser hatte jedoch zuvor erklärt, er wolle "nicht ausschließen - und das gilt übrigens für alle Profis hier -, dass wir natürlich anfangen würden nachzudenken, wenn morgen beispielsweise der FC Liverpool käme und uns zehn Millionen Euro für ihn bieten würde. Aber das wird ja nicht passieren."

Wolfsburg oder Ausland denkbar

Vielleicht aber doch. Wenn nicht von Liverpool, dann möglicherweise vom VfL Wolfsburg.

Die Niedersachsen wären wohl in der Lage, einen Transfer der Größenordnung Ballack zu stemmen und sind aktuell noch auf der Suche nach Verstärkungen.

Unter Wolfsburgs Coach Felix Magath spielte Ballack einst beim FC Bayern sehr erfolgreich - und wäre beim VfL wohl gesetzt.

Eine andere denkbare Variante wäre ein Wechsel zu einem finanziell gut betuchten Verein in Arabien oder in Russland.

Auch in der Major League Soccer würde Ballack noch einmal gut verdienen - und spielen.

Denn auf der Bank will der USA-Fan seine wohl letzte Saison als Spieler wohl kaum verbringen.

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