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Lars Bender (l) ist zwölf Jahre jünger als Michael Ballack © imago

Lars Bender spricht vor dem Duell gegen seinen Bruder Sven vom BVB über seinen Aufstieg bei Bayer und eine brisante Personalie.

Von Matthias Becker

München - Ballack oder Rolfes?

Die Frage, wer im defensiven Mittelfeld von Bayer Leverkusen auflaufen darf und wer auf die Bank muss, beschäftigt regelmäßig größere Expertenkreise.

Etwas in Vergessenheit gerät dabei, warum einer der beiden Kapitäne keinen Platz mehr in der Startelf des neuen Trainers Robin Dutt hat (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Grund hat einen Namen: Lars Bender.

In der Werkself gesetzt

Wie sein Zwillingsbruder Sven, der in der Dortmunder Meistermannschaft Kapitän Sebastian Kehl verdrängte, ist Lars bei der Werkself gesetzt - und einer der beiden Leitwölfe muss zusehen.

Am Samstag steht mal wieder das direkte Duell der Benders an, wenn Vize-Meister Leverkusen den Titelträger aus Dortmund empfängt (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Im SPORT1-Interview spricht Lars Bender über den Saisonstart mit Bayer, seinen Aufstieg in der Hierarchie und die Personalie Ballack.

SPORT1: Die vergangene Saison war für die Familie Bender außergewöhnlich mit Platz 1 und 2 in der Bundesliga. Geht es dieses Jahr genau so weiter?

Lars Bender: Da würde ich mich nicht dagegen wehren. Natürlich wollen wir an die vergangene Saison anknüpfen. Ich kann zwar nur für uns sprechen, aber das sehen die Dortmunder wohl genauso. Wir werden alles daran setzen, erneut vorne mitzuspielen. Allerdings sind erst drei Spieltage absolviert. Wir haben ein langes Jahr vor uns und müssen schauen, wie es sich entwickelt.

SPORT1: Am Samstag geht es wieder gegen den BVB. Sind Spiele gegen Sven noch etwas Besonderes?

Bender: Das ist mittlerweile fast normal geworden, wir treffen schon zum fünften Mal aufeinander. Deswegen würde ich nicht sagen besonders, aber speziell. Man freut sich gegen den eigenen Zwillingsbruder zu spielen, aber nimmt es nicht in allen Situationen so wahr.

[kaltura id="0_wb3wormk" class="full_size" title="Doppelt extrem gegen den Vize Meister"]

SPORT1: Dortmund ist auch noch nicht ganz so auf Touren wie in der vergangenen Saison. Was erwarten Sie vom Spiel am Samstag?

Bender: Ich erwarte eine starke Dortmunder Mannschaft, wir wissen um deren Qualität. Sie haben letztes Jahr extrem wenige Gegentore bekommen und haben auch jetzt wieder bewiesen, dass sie defensiv sehr gut stehen. Die Qualität in der Offensive spricht ohnehin für sich. Aber wir werden versuchen, ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Wir haben ein Heimspiel. Ein Klub wie Bayer Leverkusen hat den Anspruch, so ein Spiel auch zu gewinnen.

SPORT1: Hat Bayer nach den Niederlagen im Pokal und in Mainz noch rechtzeitig die Kurve bekommen?

Bender: Wir haben wieder in die Spur gefunden und wissen, welche Fehler wir in den ersten beiden Spielen gemacht haben. In Dresden haben wir eine Stunde lang guten Fußball gespielt. Es ist nicht so, dass Dresden uns dann an die Wand gespielt hätte. Sicherlich hatten wir in der einen oder anderen Situation unglückliche Fehler, dann verliert man so eine Partie im Endeffekt auch verdient. Wir haben die Situationen allerdings analysiert und uns gut zurückgemeldet.

SPORT1: Woran machen Sie die Leistungssteigerung, vor allem in Stuttgart, fest?

Bender: In Mainz hatten wir noch wenig Struktur im Spiel, haben die Ordnung vermissen lassen. Das haben wir gegen Bremen und jetzt in Stuttgart wieder gut hinbekommen, indem wir das Augenmerk besonders auf die Defensive gelegt haben. Mit der Qualität, die wir in der Offensive haben, tun wir erst einmal gut daran, kompakt zu stehen und schnelle Gegenstöße nach vorne zu fahren. Das haben wir in den letzten Spielen gut hinbekommen. Wir haben gegen Bremen und Stuttgart kaum etwas zugelassen.

SPORT1: Trainer Robin Dutt hat speziell Sie und Simon Rolfes nach dem Sieg in Stuttgart gelobt. Folgen Sie ihrem Bruder bald in die Nationalmannschaft?

Bender: Ich bin erst einmal zufrieden, wenn ich die nächsten Wochen und Monate meine Leistung weiter so abrufen und bestätigen kann. Sollte es dann mit der Nationalmannschaft klappen, wäre ich überglücklich. Aber für mich steht der Verein im Fokus. Da will ich mich als Stammspieler etablieren.

SPORT1: Nach dem Abgang von Arturo Vidal sind Sie der gesetzte Spieler im defensiven Mittelfeld. Ist das eine große Umstellung, was Belastung und Verantwortung angeht?

Bender: Nein. Mein Anspruch war, unabhängig vom Wechsel Arturo Vidals, schon vor der Saison, dass ich hier Stammspieler werden und jedes Spiel von Anfang an machen möchte. Ich bin auf einem sehr guten Weg und versuche, so viele Einsätze wie möglich von Beginn an zu bekommen.

SPORT1: Aber die Diskussion lautet nur noch, ob Simon Rolfes oder Michael Ballack neben Ihnen spielt. Das ist doch ein großes Kompliment für Ihre Leistung.

Bender: Mag sein. Aber wir haben ein langes Jahr vor uns mit vielen Spielen. Da brauchen wir jeden Spieler und können deshalb froh sein, dass wir so eine hohe Qualität im gesamten Kader haben. So können wir ohne schlechtes Gewissen und Qualitätsverlust rotieren.

SPORT1: Sind Sie froh, wenn das Transferfenster zu und die Personaldiskussion um Michael Ballack damit erst mal beendet ist?

Bender: Ach, das Thema kommt an die Mannschaft gar nicht ran und bringt deshalb auch keine Unruhe ins Team. Wenn Michael Ballack nicht spielt, ist doch klar, dass es Diskussionen gibt. Bei einem Top-Bundesligaspieler mit Weltklasse-Ausstrahlung ist es nachvollziehbar, dass er besonders unter Medienbeobachtung steht und dass es Wechselgerüchte gibt. Aber das lässt uns kalt. Er weiß, dass er gebraucht wird. Und wir wissen auch, dass wir ihn brauchen. Das ist das Entscheidende.

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