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Berlin ist für Andreas Ottl nach Bayern München und Nürnberg die dritte Station in Bundesliga © imago

Vorm Spiel gegen Stuttgart widerspricht Andreas Ottl dem unterstellten Leisetreter-Image und bricht eine Lanze für Coach Babbel.

Von Thorsten Meschund Christian Paschwitz

München - Vor der Partie gegen den VfB Stuttgart (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) sorgt Markus Babbel mit deftigen Aussagen für Wirbel, indem der Trainer von Hertha BSC dem Berliner Menschenschlag einen gewissen Größenwahn vorhält. (Bericht)

Wie gut, dass Babbel mit Neuzugang Andreas Ottl da eher einen Leisetreter statt großmäuligen Vertreter in seinen Reihen weiß:

Der 26-Jährige wehrt sich im SPORT1-Interview allerdings gegen die bisweilen in der Öffentlichkeit vertretene Meinung, zu brav zu sein. "Wenn es drauf ankommt, kann ich auch dazwischenhauen."

Etwas zu sagen hat Ottl auch über die Rolle als Aufsteiger-Team, seine Bayern-Herkunft - und Babbel. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Herr Ottl, vorweg gleich mal gefragt: Wie lebt es sich als Münchner Kindl in Berlin?

Andreas Ottl: Ich habe mich echt gut eingelebt. Die Mannschaft und das ganze Team drumherum haben es mir aber auch sehr leicht gemacht. Und die Wohnungseinrichtung wächst auch langsam - ich ergänze mich da sehr gut mit meiner Freundin. Kurzum: Ich fühle mich richtig wohl in Berlin.

SPORT1: Erzählen Sie doch mal ein bisschen mehr?

Ottl: Wir wohnen in Charlottenburg. Uns zieht es nämlich eher in die Stadt als aufs Land. Wir gehen gern mal in ein schönes Cafe oder zum Essen, und zum Training brauche ich mit dem Auto nur 15 Minuten. Das ist für Berliner Verhältnisse echt in Ordnung.

SPORT1: Sie sind ja nicht Herthas Einziger, der von den Bayern kommt. Gibt es Anpassungshilfe durch die Kollegen Christian Lell und Thomas Kraft?

Ottl: Es ist natürlich viel angenehmer, wenn man schon jemanden kennt. Christian Lell ist ja schon seit einem Jahr in Berlin. Er kennt die Stadt und die Abläufe im Verein. Das vereinfacht den Einstieg, beruflich und privat.

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SPORT1: Ist es für das Trio Ottl, Lell und Kraft als ehemalige Bankspieler des FC Bayern ein besonderer Anreiz, in Berlin zusammen den Durchbruch als Stammspieler zu schaffen?

Ottl: Wir haben in der Mannschaft generell eine gute Gemeinschaft, unabhängig davon, wo man vorher gespielt hat. Ich bin aber natürlich nach Berlin gekommen, um eine andere Rolle einzunehmen, als ich sie in München hatte. In München hatte ich auch eine wichtige Rolle, die ich sehr gerne ausgefüllt habe. Ich wollte aber etwas anderes machen und freue mich nun auf die neue Aufgabe.

SPORT1: Was hat Sie an der Hertha überzeugt?

Ottl: Man tauscht sich immer aus, bevor man sich zu einem Wechsel entschließt. Dazu gehören auch Gespräche mit dem Trainer. Ich habe mich für Berlin entschieden, weil hier einiges entstehen kann. Es hat ein Umbruch stattgefunden, es herrscht Aufbruchsstimmung. Markus Babbel ist mit seinem Trainerteam auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass hier weiter etwas wächst.

SPORT1: Inwiefern erleichtert es die Aufgabe, mit Babbel einen relativ jungen Trainer zu haben?

Ottl: Das Alter spielt keine große Rolle. Momentan ist es aber schon auffällig, dass viele junge Trainer in der Bundesliga erfolgreich arbeiten. Zu ihnen gehört auch Markus Babbel . Es gibt immer nur gut oder schlecht. Ich zähle ihn zu den Guten.

SPORT1: Und wo stehen Sie selbst? Sehen Sie sich als Führungsspieler?

Ottl: Es ist vor allem immer wichtig, dass man seine Leistung bringt. Dadurch wächst man in die Führungsposition hinein. Ich versuche, auf dem Platz meine Leistung zu bringen. Zudem äußere ich, wenn mir etwas auffällt, meine Meinung in der Kabine.

SPORT1: Gibt es eigentlich Spieler, an denen Sie sich orientieren?

Ottl: Jeder interpretiert die Positionen im Mittelfeld auf seine Art und Weise. Spieler wie Xavi und Iniesta sind ohne Frage Ausnahmespieler. Aber ich eifere niemandem nach, sondern versuche, auf meiner Position mit meinem Charakter meinen Weg zu gehen. Ich versuche, der Mannschaft mit meiner Ausstrahlung Sicherheit zu geben.

SPORT1: Manch einer unterstellt Ihnen bisweilen allerdings, zu brav zu sein?

Ottl: Ich denke nicht, dass ich zu brav bin. Es ist im heutigen Fußball wichtig, nicht zu häufig Foul zu spielen, weil sehr viele Tore durch Standardsituationen fallen. Wenn es drauf ankommt, kann ich aber auch dazwischenhauen.

SPORT1: In welche Richtung geht die Saison nun für die Hertha?

Ottl: Im ersten Heimspiel waren wir schlecht (Bericht). In Hamburg (Bericht) und Hannover (Bericht) haben wir jedoch gute Leistungen gebracht. Wir müssen unsere Spielphilosophie festigen, jede Woche hart arbeiten und uns mit Punkten belohnen. Die Liga ist sehr ausgeglichen - das hat man in der vergangenen Saison gesehen. Es ist jedes Wochenende ein harter Kampf.

SPORT1: Und nun gilt es gegen Stuttgart?

Ottl: Der VfB hat über Jahre hinweg eine ordentliche Mannschaft. Das wird auch in dieser Saison so sein. Wir sind also gewarnt durch Stuttgarts 3:0 gegen Schalke. Wir müssen 100 Prozent abrufen.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Hertha BSC Berlin: Kraft - Lell, Franz, Mijatovic, Kobiashvili - Ottl, Niemeyer - Ebert, Raffael, Torun - Ramos

VfB Stuttgart: Ulreich - Celozzi, Tasci, Maza, Molinaro - Kvist, Kuzmanovic - Harnik, Hajnal, Gentner - Cacau

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