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Kevin Trapp gab 2010 sein Debüt in der deutschen U-21-Nationalmannschaft © getty

Im SPORT1-Interview spricht Kevin Trapp über das Spiel gegen Bayern, seinen rasanten Aufstieg und FCK-Torwarttrainer Gerald Ehrmann.

Von Reinhard Franke

München - Kaiserslautern steht in der neuen Saison noch ohne Sieg da.

Und nun kommt am Samstag mit dem FC Bayern der Titelkandidat Nummer eins auf den Betzenberg (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER),

Trotzdem rechnen sich die "Roten Teufel" durchaus Chancen aus und wollen den 2:0-Erfolg gegen den Rekordmeister aus der letzten Saison wiederholen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dabei setzt der FCK vor allem auf Shootingstar Kevin Trapp, den im Sommer unter anderem Schalke 04 verpflichten wollte.

Doch der U-21-Nationalkeeper hielt den Pfälzern die Treue und spricht nun im SPORT1-Interview über seinen Aufstieg zur Nummer 1, das "Betze"-Feeling und die Marschroute gegen Bayern.

SPORT1: Herr Trapp, am Samstag spielen Sie zum ersten Mal gegen Bayern München. Nervös?

Kevin Trapp: Nein. Ich freue mich riesig auf das Spiel. Der FC Bayern ist gespickt mit Stars und da ist es doch klar, dass da nochmal eine gewisse zusätzliche Motivation herrscht. Die ganze Mannschaft freut sich auf das Spiel und natürlich wollen wir gegen die Bayern gut aussehen.

SPORT1: Was ist gegen den Rekordmeister drin?

Trapp: Man hat in der letzten Saison gesehen, dass wir zuhause auch gegen die Topteams bestehen könnten. Klar ist, dass wir viel Leidenschaft an den Tag legen, kämpfen und laufen müssen. Wenn wir das alles beherzigen, dann haben wir eine realistische Chance gegen die Bayern.

SPORT1: Bayerns Torwart Manuel Neuer stand früher als Schalke-Fan in der Kurve bei den Ultras. Wie war das bei Ihnen?

Trapp: Ich stand ein oder zwei Mal in der Lauterer Westkurve, aber nicht regelmäßig. Seitdem ich beim FCK bin, habe ich mir so oft es geht die Spiele angeschaut. Man bekommt auch auf den anderen Tribünen das "Betze"-Feeling zu spüren. Das ist schon der Wahnsinn.

SPORT1: Sie haben erst 13 Spiele in der Bundesliga absolviert und sind schon die Nummer 1 beim FCK. Denken Sie sich manchmal: "Kneift mich mal"?

Trapp: Ich hatte nicht wirklich viel Zeit und war voll in diesem Rausch drin. Mein erstes Spiel als Nummer 1 war gleich ein Sieg (2:1 gegen Freiburg, Anm. d. Red.) und dann ging es die letzten Spiele gegen den Abstieg. Da habe ich nicht wirklich über meine Situation nachgedacht. Im Urlaub wurde mir dann erst bewusst, was da passiert ist.

[kaltura id="0_m0t8fq6k" class="full_size" title="Spielzug Fanmagazin der Deutschen Bahn "]

SPORT1: Und was ist passiert?

Trapp: Es ging wirklich schnell. Letztes Jahr war das erste richtige Profijahr für mich und ich war regelmäßig dabei. Aber ich habe mir die Chance auch erarbeitetet und jetzt will ich das Vertrauen des Trainers bestätigen.

SPORT1: Einen großen Anteil an Ihrer Entwicklung hat gewiss Ihr Torwarttrainer Gerald Ehrmann. Er hat vor Ihnen schon Roman Weidenfeller, Tim Wiese, Florian Fromlowitz und Tobias Sippel rausgebracht. Wie wichtig ist Ehrmann für Sie?

Trapp: Der "Gerry" ist wie eine Art sportlicher Vater für mich. Er sieht mich täglich im Training, weiß wie ich ticke und er weiß meistens schon, ob etwas mit mir nicht stimmt. Er sieht es mir an. Wenn ich ein Problem habe oder etwas Außergewöhnliches passiert, wie das Angebot von Schalke, dann ist er natürlich auch ein Ansprechpartner für mich. Auch wenn im Spiel eine Situation nicht so gut läuft, dann muss ich nur zu ihm rausschauen und weiß schon, was er denkt. Das Verhältnis ist wirklich top.

SPORT1: Sie sprechen es an. Sie hatten in der Sommerpause ein Angebot von Schalke 04, sollten Nachfolger von Manuel Neuer werden. Der Wechsel kam nicht zustande. Was hat Ehrmann Ihnen geraten?

Trapp: "Gerry" hat sich das angehört und war neutral. Er hat nicht gesagt "geh" oder "bleib hier". Dass es am Ende nicht geklappt, da haben mehrere Faktoren mitgespielt. Ich bin zufrieden damit, hier weiter die Herausforderung anzunehmen und mich in Lautern weiterzuentwickeln.

SPORT1: Wäre Schalke zu früh gekommen für Sie?

Trapp: Das kann ich jetzt nicht beurteilen. Es hat ja nicht geklappt und jetzt bin ich froh, weiter beim FCK zu sein. Ich bin auf keinen Fall unglücklich, dass der Wechsel nicht geklappt hat. Auch Abstiegskampf mit dem FCK kann für meine Entwicklung sehr hilfreich sein. Und das Training vom "Gerry" natürlich auch.

SPORT1: Ist sein Training wirklich so hart? Wenn man sieht, wie er Ihnen vorm Spiel beim Warmmachen die Bälle aus kurzer Distanz um die Ohren haut, da muss man ja um Ihre Gesundheit fürchten.

Trapp: (lacht) Beim ersten Training in der Woche nach dem freien Montag da geht man schon an seine Grenzen. Manchmal verliert man während des Trainings ein bisschen den Spaß, weil es wirklich verdammt hart ist. Allerdings bin ich nach dem Training froh, dass ich es durchgestanden habe, weil man ja sieht, dass es mich nach vorne bringt. Ich bin froh, dass ich den "Gerry" habe.

SPORT1: Woran liegt es, dass unter Ehrmann alle Torhüter zu gestandenen Erstligatorhütern werden?

Trapp: Die Art wie er mit uns umgeht, ist phänomenal. Ich habe noch nicht so viele Torwarttrainer gehabt, aber er vermittelt uns viel und er lebt den Siegeswillen und den Ehrgeiz vor.

SPORT1: Ist er ein Besessener im positiven Sinn?

Trapp: Schon. Er ist ein absoluter Gewinnertyp. Er fiebert mit, ist voll dabei. Wenn er sieht, dass wir zu nachlässig werden, dann tritt er uns in den Allerwertesten.

SPORT1: Auf der FCK-Homepage sieht man Sie zwischen den FCK-Torwartlegenden Ronnie Hellström und Gerald Ehrmann. Macht Sie das stolz und wer ist Ihr Vorbild?

Trapp: Klar bin ich stolz, das ist schon toll. Mit dem Begriff "Vorbild" bin ich immer vorsichtig. Ich will niemanden kopieren. Ich gucke mir sicherlich Manuel Neuer und Casillas am genauesten an. Vom Manu die Ruhe am Ball und die Ausstrahlung auf dem Platz und von Casillas seine schnellen Bewegungen.

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