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Markus Babbel (l., mit Manager Michael Preetz) beerbte in Berlin Friedhelm Funkel als Coach © getty

Der Hauptstadtklub bejubelt das Ende des "Heimfluchs" - während sich Bürgermeister Wowereit Babbels Berlin-Kritik annimmt.

Berlin - Raffael wusste gar nicht wohin mit seiner Freude.

Nachdem der Brasilianer den Ball überlegt eingeköpft hatte, setzte er zum Jubellauf an, schrie seine Erleichterung heraus und stoppte erst vor der Haupttribüne ab 446208(DIASHOW: Der 4. Spieltag).

Mit beiden Händen malte der Hertha-Spielmacher ein Herz in den Berliner Nachthimmel. "Das Tor widme ich meiner Frau Jamily. Sie hat in schweren Zeiten immer zu mir gestanden", sagte Raffael.

Mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen den VfB Stuttgart in der 86. Minute (Spielbericht) vertrieb der 26-Jährige endgültig den "Heimfluch" von Hertha BSC (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Bann ist gebrochen

Saisonübergreifend hatte der Aufsteiger bis Freitag seit 17 Heimpielen nicht mehr gewonnen. Das ist nach dem ersten Saisonsieg vergessen, denn zum dritten Mal in Folge konnten sich die Hauptstädter dank einer starken Schlussphase noch Punkte sichern und liegen jetzt voll im Soll.

"Es ist unserer großen Fitness und der Qualität der Mannschaft zu verdanken, dass wir schon wieder so spät im Spiel zugeschlagen haben", sagte Raffael.

Zuletzt schnappten sich die Herthaner in Hannover (1:1) und Hamburg (2:2) nach Toren kurz vor dem Ende jeweils einen Punkt.

Berliner Sommerparty

"Wir sind jetzt endlich in der Bundesliga angekommen", sagte Mittelfeldspieler Peter Niemeyer: "Nachdem die Negativserie beendet ist, ist eine riesige Last von der Mannschaft und den Fans abgefallen."

Und so tanzten die Hertha-Profis mit ihren treuesten Anhänger nach dem Abpfiff ausgelassen - sie nutzten den heißesten Tag des Jahres zu einer wahren Sommerparty.

Babbel lobt Raffael

Die Mannschaft sei an die Grenzen gegangen, lobte Trainer Markus Babbel, der Raffael heraushob: "Er ist im Moment einfach fleißig und es freut mich wahnsinnig, dass er für seinen hohen Aufwand mit einem Tor belohnt wurde."

Für die Herthaner hätte es nach dem durchaus glücklichen Sieg mit einer schwachen ersten Halbzeit und vielen Fehlern im Spielaufbau ein perfekter Abend werden können, wären da nicht zwei Babbel-Interviews vom Vortag in zwei Stuttgarter Zeitungen gewesen.

Kein Verständnis für Kritik

Der frühere Profi und Trainer des VfB äußerte sich abfällig über die Hauptstadt und warf "dem Berliner an sich" wegen der hohen Erwartungshaltung Größenwahn vor. Auch die Medienlandschaft der Stadt wurde von Babbel scharf attackiert.

Es folgten Schlagzeilen wie "Halt den Sabbel, Babbel!" - und sogar der im Wahlkampf befindliche Oberbürgermeister griff Babbels Worte auf.

"Offensichtlich ist ihm wenig Zeit geblieben, sich privat um Berlin und die Berliner zu kümmern", rügte Klaus Wowereit Babbel bei "Sky" - wenngleich eher augenzwinkernd: "Da können wir ihm helfen. Mit Nachhilfeunterricht"

Babbel zeigte sich derweil "sehr überrascht", dass seine Aussagen solch hohe Wellen geschlagen hätten. Auch vor dem Anpfiff gab es von nicht wenigen der eigenen Fans Pfiffe. Kommentieren wollte Babbel die Reaktionen nicht: "Dazu ist alles gesagt."

Cacau ohne Glück

Die Stuttgarter hatten nach ihrer Niederlage aber sehr wohl noch Gesprächsbedarf.

"Es ist sehr enttäuschend. Wir haben die Punkte liegen lassen, weil vor dem Tor die Konsequenz gefehlt hat", sagte Nationalspieler Cacau.

Die Schwaben mühten sich redlich, bestimmten über weite Strecken das Spiel und wurden für den großen Aufwand nicht belohnt. Vor dem Tor brachte der VfB trotz mehrerer Großchancen rein gar nichts zustande.

"Wahnsinnig bittere Niederlage"

Auch Trainer Bruno Labbadia stand der Frust ins Gesicht geschrieben: "Es ist eine wahnsinnig bittere Niederlage. Die Ordnung in unserem Spiel hat gepasst, aber das Ergebnis ist sehr schlecht."

Nebenbei zürnte der Coach wegen eines ausgebliebenen Elfmeterpfiffs auch über den Unparteiischen Jochen Drees: "Wir haben uns sehr über den Schiedsrichter geärgert. Das war bereits die zweite Situation in vier Spielen gegen uns."

Während die Stuttgarter nach der zweiten Saisonpleite mit hängenden Köpfen das Stadion verließen, bekamen die Berliner nach dem dritten Spiel in Serie ohne Niederlage zwei freie Tage geschenkt. Die sollen zum Tanken neuer Energie genutzt werden - für neue Jubelläufe und weitere Tore in der Schlussphase...

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