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Der Platzverweis für den BVB-Youngster erhitzt die Gemüter: Der Coach beschimpt den Referee, Götze droht eine lange Sperre.

Leverkusen - Jürgen Klopp könnte der Ausflug nach Leverkusen teuer zu stehen kommen.

"Das wird sicher einen Zusatzbericht geben und dann noch ein Nachspiel haben", mutmaßte der ehemalige Welt-Schiedsrichter Markus Merk bei "Sky" nach dem 0:0 im Spitzenspiel zwischen Vize Bayer Leverkusen und Meister Borussia Dortmund über die möglichen Konsequenzen für Klopps Verhalten (Bericht).

Der BVB-Coach hatte sich mit dem Schlusspfiff bedrohlich vor dem vierten Offiziellen Markus Schmidt aufgebaut und ihm wenig schmeichelhafte Dinge an den Kopf geworfen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Schmidt musste sich vorkommen wie Rotkäppchen vor dem bösen Wolf - und machte anschließend bei Hauptschiedsrichter Wolfgang Stark Meldung über das Geschehen an der Außenlinie, in das auch der zur Einwechslung bereitstehende BVB-Kapitän Sebastian Kehl involviert war.

Kehl schubst vierten Offiziellen

Der Ex-Nationalspieler, der nicht mehr zum Zug kam, leistet sich sogar noch einen Schubser gegen den vierten Offiziellen 443246(DIASHOW: Der 4. Spieltag).

Klopp, der Wiederholungstäter ist und wegen ähnlicher Vergehen ins bislang vier Fällen schon 39.500 Euro Strafe an den Deutschen Fußball-Bund überweisen musste, konnte sich auch lange nach Spielende nicht beruhigen.

Der Coach feuerte vor allem wegen der Roten Karte gegen Mario Götze (77.) eine Spitze nach der anderen gegen FIFA-Referee Stark.

Hat Götze gespuckt?

"Wenn wir so viel über den Schiri reden, kann der ja nicht so gut gewesen sein", äußerte Klopp mit süffisantem Gesichtsausdruck und legte dann noch nach: "Zuletzt sind wir immer wieder gefragt worden, wie wir Mario wieder auf den Boden bekommen. Herr Stark fühlte sich wohl dazu berufen, uns dabei zu helfen."

Für Stark war die Sache klar: "Nach einem Zweikampf tritt er nach. Er trifft ihn zwar nicht, aber das ist nicht ausschlaggebend", so der Referee.

Und weiter: "Was erschwerend dazu kommt: Er spuckt in Richtung Gegenspieler. Da bleibt einem Schiedsrichter keine andere Wahl." BVB-Manager Michael Zorc sieht es ganz anders: "Das war ganz normales Ausspucken und hatte nichts mit Balitsch zu tun."

Klopp-Breitseiten gegen Stark

Auch Meister-Coach Klopp widerspricht Stark energisch: "Das war eindeutig kein Platzverweis, egal wie man die TV-Bilder interpretiert. Für Leute, die nie Fußball gespielt haben, sieht das möglicherweise so aus, als hätte Mario nachtreten wollen. Das ist aber völliger Quatsch."

Denn: "Hanno Balitsch zieht mit seinem Bein das Bein von Mario mit hoch. Das ist alles und deshalb nie und nimmer ein Platzverweis für Mario."

So oder so: Das DFB-Sportgericht wird sich mit dem Fall schon bald auseinander setzen: Götze drohen bis zu drei Spiele - insbesondere wegen des Spuck-Vorwurfs.

Hummels kritisiert Götze

Bemerkenswert, dass Götzes Teamkollege Mats Hummels bei LIGA total! die Rote Karte dagegen durchaus als gerechtfertigt ansah: "Wir können Balitsch keinen Vorwurf machen: Er hat nicht provoziert oder unfair agiert, sondern Mario hat sich da zu etwas hinreißen lassen, was schlecht war."

Mehr noch: "Jetzt müssen wir ein paar Spiele, denke ich, ohne ihn auskommen. Und er wird das, glaube ich, danach nie wieder machen."

Hummels selbst hatte ebenso für Wirbel gesorgt, als er vor der hektischen Endphase nach einem Foul an Renato Augusto schon Gelb-Rot hätte sehen müssen, aber auf dem Feld blieb.

Stark: "Hätte nochmals Gelb zeigen müssen"

"Ich bin der Meinung, dass es kein Foul von Mats Hummels war, denn Renato Augusto hat das Bein stehen lassen und ist nicht über Mats gesprungen, wie es eigentlich üblich ist", sagte Klopp.

Der Coach räumte dann aber immerhin ein: "Wenn der Schiedsrichter aber ein Foul sieht und dies dann pfeift, dann muss er auch Gelb zeigen. Von daher wäre dann die Gelb-Rote Karte für Mats zwingend gewesen."

So sah es auch Schiri Stark: "Ich hätte zwingend nochmals Gelb zeigen müssen." Die Ampelkarte wäre die Folge gewesen.

Rote für Kadlecs Grätsche

Unstrittig war die vorherige Rote Karte gegen Leverkusens Michal Kadlec (64.) nach einer Grätsche gegen Götze, der nach dem Spiel untröstlich war.

Auch Balitsch, der den BVB-Jungstar in Schutz nahm und Stark noch auf dem Feld von einem Platzverweis abhalten wollte, konnte die Laune des Jahrhundertalents nicht heben.

Noch schlechter als Götze war nur Klopp drauf, der sich zudem noch darüber ärgern musste, dass Stark ein wohl reguläres Tor von Hummels nicht gab, weil er dessen Kopfballtreffer nicht gesehen hatte und stattdessen lieber Klopps Assistenten zurechtstutzte.

Was wird mit Ballack?

Klopps Kollege Robin Dutt sah den Schiedsrichter zwar auch äußerst kritisch ("Götzes Platzverweis war vielleicht die Folge des nicht bestraften Fouls von Mats Hummels"), war zugleich aber froh darüber, dass der Referee nach einer über weite Strecken hochklassigen Partie im Mittelpunkt stand.

So blieben ihm in der Hektik des Geschehens unangenehme Fragen nach Michael Ballack erspart. Der ehemalige DFB-Kapitän schmorte wie schon eine Woche zuvor beim 1:0 in Stuttgart 90 Minuten auf der Bank und verließ nach der Partie wortlos die Arena.

Dass der frühere Leitwolf noch in der aktuellen Transferperiode, die am Mittwoch endet, dem Werksklub den Rücken kehrt, scheint aller Dementis zum Trotz durchaus möglich.

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