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FCB-Sportdirektor Nerlinger (l.) und Präsident Hoeneß stellen sich hinter Kapitän Lahm © getty

FCB-Präsident Uli Hoeneß sieht den Wirbel um das Buch des Kapitäns bei SPORT1 gelassen, auch von Nerlinger gibt es Rückendeckung.

München ? Rückendeckung für Philipp Lahm: Nach dem Wirbel um sein umstrittenes Buch haben die Bosse des FC Bayern den Kapitän in Schutz genommen. (BERICHT: Lahm: "Ich attackiere keinen, ich analysiere")

"Wenn die Veröffentlichungen in der 'Bild'-Zeitung Mitte nächster Woche beendet sind, dann wird sich das sehr schnell alles in Wohlgefallen auflösen", sagte Präsident Uli Hoeneß SPORT1.

Ähnlich äußerte sich Christian Nerlinger. "Das Echo auf diese Passagen ist viel zu hoch und viel zu polemisch von dem ein oder anderen ausgefallen", erklärte der Sportdirektor bei "LIGA total!".

"Aber ich glaube, dass spätestens in einer Woche von diesem Buch keiner mehr reden wird." (BERICHT: Reuiger Lahm bleibt Kapitän)

"Ich würde es wieder so machen"

Derweil zeigte sich Lahm unbeirrt. "Ich würde es wieder so machen!", sagte der 27-Jährige der "Bild am Sonntag".

Und bei LIGA total! ergänzte er: "Die Darstellung war natürlich nicht optimal und dafür habe ich mich ja entschuldigt. Aber wer das Buch ganz liest, der sieht, dass das keine Abrechnung ist, dass ich niemanden in die Pfanne hauen wollte, dass ich alle Trainer, bei denen ich gesagt habe, was besser, was schlechter war, auch lobe."

"Nett zu lesen"

Von seinem Verein muss er keine Strafe befürchten.

Lahms Buch ("Der feine Unterschied") sei "nett zu lesen" und die Kritik "nicht unter der Gürtellinie", meinte Nerlinger:

"Deswegen haben wir vom FC Bayern überhaupt keine Veranlassung gesehen, da einzugreifen."

Hoeneß wollte keine Bewertung abgeben: "Ich habe das Buch gelesen. Aber wir vom Verein haben beschlossen, nichts dazu zu sagen." (KOLUMNE: "Nicht hilfreich für Rudi Völlers Integration")

Keine Strafe durch den Verein

Lahm müsse im Gegensatz zu einem früheren Interview nicht mit einer Strafe durch den Klub rechnen, obwohl er das Werk den Münchner Bossen vor Veröffentlichung nicht vorgelegt hat.

"Wir haben es nicht autorisiert, denn wenn ein Spieler ein Buch schreibt, muss er uns nicht unbedingt fragen", erklärte Hoeneß. "Er ist ja auch ein mündiger Bürger."

Die Vorab-Auszüge hatten in der vergangenen Woche für massiven Wirbel gesorgt, weil Lahm dort unter anderem seine früheren Trainer Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal kritisiert hatte.

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Lahm: Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen

Lahm hatte sich zunächst entschuldigt und nun erklärt, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden:

"Die Auszüge, die in den Vorabdrucken rausgezogen wurden, sind verkürzt dargestellt worden." (BERICHT: Geldgierg und intrigant: Lahm unter Beschuss)

Er habe nur geschildert und analysiert, was in seiner Karriere bis jetzt passiert sei.

"Keine Abrechnung"

"Ich bin sachlich und schlage dabei nicht über die Stränge. Wer das Buch zur Hand nimmt, merkt sofort, dass es keine Abrechnung ist", sagte der Kapitän der DFB-Auswahl dem "Münchner Merkur".

"Ich attackiere keinen. Ich analysiere, ich vergleiche meine bisherigen Trainer: Was war bei dem einen besser, was beim anderen?"

Dieser Auffassung schloss sich Nerlinger an: "Man kann natürlich darüber diskutieren, ob das notwendig ist: Ob ein Spieler ein Buch schreiben muss, ob ein Spieler öffentlich diese Kritik äußern muss", sagte er.

"Aber es ist keine Diskreditierung, sondern in meinen Augen eine sachliche Kritik."

Keine Sorge vor Imageschaden

Auch vor einem Imageschaden hat Lahm keine Sorge.

"Warum? Ich bin authentisch. Ich spreche die Dinge so an, wie ich sie sehe. Allein das ist mir wichtig. Ich achte nicht auf mein Image. Ich will einfach 'Ich' sein.", sagte er.

Dass sich der ein oder andere auf den Schlips getreten fühle, sei nachvollziehbar.

"Dafür entschuldige ich mich dann auch, wenn es aus dem Zusammenhang gerissen als Beleidigung verstanden wurde. Aber diese Aufregung, diese Hysterie um mein Buch, die finde ich überzogen", so Lahm weiter.

Effenberg: "Er hat den schlechtesten Berater, den es gibt"

Die Fußball-Szene sieht das aber offenbar weiterhin völlig anders. Denn auch am Samstag hielt die Kritik an.

Unter anderem zeigten die Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg, Steffen Freund und Christoph Metzelder völliges Unverständnis für Lahms Aussagen.

"Er hat mit Sicherheit den schlechtesten Berater, den es gibt. Er hat vielleicht versucht, sein Profil zu schärfen, aber das war der absolut falsche Weg", sagte Effenberg bei "Sky".

Er möge zwar mündige Spieler, "aber was ich nicht mag, ist, dass Philipp Lahm immer predigt, Dinge intern zu lösen, und das hat er hier nicht getan. Ein Kapitän muss auch mal ein Zeichen setzen nach außen, aber nie auf Kosten der Mannschaft".

Freund: Bei DFB-Junioren wäre Rauswurf sicher

U-17-Nationalcoach Freund erinnerte an den "Ehrenkodex" und meinte: "Wenn das bei uns in den U-Mannschaften einer tun würde, hätte er keine Zukunft mehr."

Metzelder warf seinem einstigen DFB-Kollegen schlechten Stil vor.

"Ein Spieler, der von sich selbst glaubt, dass er ein Führungsspieler ist, sollte das auch direkt mit dem Trainer ansprechen", sagte er in der "ARD".

"Hinterher kann man immer sagen, ich habe es gewusst und hätte es anders gemacht."

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