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Hamburgs Dennis Aogo verlässt total enttäuscht den Rasen © imago

Trotz des 3:4 gegen Köln und des Absturzes auf Platz 18 hat der HSV-Trainer das Vertrauen seiner Chefs. Kölns Coach atmet auf.

Von Thorsten Mesch

Hamburg/München - Maßlos enttäuscht und entsetzt verließen die HSV-Spieler das Spielfeld, überglücklich und jubelnd sprangen die Kölner auf dem Rasen herum 446208(DIASHOW: Der 4. Spieltag).

Bis zu 84. Minute hatten die Hamburger noch 3:2 geführt, am Ende gingen sie dennoch als Verlierer vor Platz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich kann sagen, dass die Mannschaft heute auch Fußball gespielt hat, was wir in den anderen Spielen nicht gemacht haben", sagte Marcell Jansen bei LIGA total!.

"Aber im Endeffekt haben wir verloren und vier Gegentore bekommen, da ist es schwer zu argumentieren."

Die Situation nach dem 3:4 (1:1) gegen den 1. FC Köln (Spielbericht) spricht vor allem klar gegen Cheftrainer Michael Oenning.

Verheerende Bilanz als HSV-Trainer

Von zwölf Spielen in verantwortlicher Position gewann der HSV nur eins.

In vier Spielen dieser Saison haben die Norddeutschen nur einen Punkt geholt und 14 Gegentore kassiert.

Erstmals seit viereinhalb Jahren stehen sie am Tabellenende.

Aber trotz des schlechtesten Saisonstarts der Vereinsgeschichte waren die Verantwortlichen weit davon entfernt, Oenning in Frage zu stellen.

"Müssen dem Druck standhalten"

"Es ist jetzt nicht die Frage des Trainers", stellte Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow bei LIGA total! klar.

Man gehe mit der Trainerfrage "sehr offensiv um" und werde "von unserer Seite aus gar keine Diskussion führen", ergänzte Jarchow:

"Ich denke nicht, dass das Problem ist, dass der Trainer der Mannschaft nicht einimpfen kann, was sie machen soll."

Sportdirektor Frank Arnesen erklärte trotz der Niederlage habe man "viel besser Fußball gespielt als in den vergangenen Wochen".

Daher forderte er: "Wir müssen dem Druck standhalten!"

Eklatante Abwehrfehler

Genau das hatte die Mannschaft zuvor nicht geschafft.

"Wir haben bei den Gegentoren große Fehler gemacht", sagte Nationalspieler Dennis Aogo selbstkritisch.

Durch - wieder mal - eklatante individuelle Fehler gaben die Hamburger das Spiel noch aus der Hand.

Allen voran Torwart Jaroslaw Drobny, der nach einer Ecke in der 88. Minute völlig ohne Not sein Gehäuse verließ und den Ball genau auf Kölns Siegtorschütze Kevin McKenna faustete.

"Wenn er da wegbleibt, ist überhaupt niemand da, der den Ball reinköpfen kann", meinte Oenning, betonte aber: "Wir werden nach so einem Spiel keine Einzeldiskussion einfangen."

"Ich hinterfrage alles und jeden"

Zu seiner eigenen Diskussion meinte der HSV-Coach:

"Ich hinterfrage alles und jedes, auch mich selbst, aber heute ist nicht die Zeit, dazu Wasserstandsmeldungen abzugeben. Im Gegenteil: Ich glaube, dass wir heute das Gute nehmen und das Bittere akzeptieren müssen."

Jarchow prüft weiteren Transfer

Vorstandschef Jarchow kündigte an, dass die Hamburger bis zum Transferschluss am 31. August wohl noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden.

"Wir müssen uns sicher noch einmal umschauen und sind dabei, alle Möglichkeiten zu prüfen", sagte Jarchow.

Um einen neuen Spieler kaufen zu können, müsse man aber einen anderen abgeben. Eljero Elia, an dem Juventus Turin und der FC Arsenal interessiert sein sollen, gilt dabei als erster Kandidat.

Befreiungsschlag für Köln

Während die Hamburger mit noch größeren Sorgen in die Länderspielpause gehen, feierten die Kölner in einer Nerven aufreibenden Partie den ersehnten ersten Saisonsieg.

"Wir hatten auch ein wenig Glück. Das waren drei sehr wichtige Punkte", meinte Trainer Stale Solbakken, der während des Spiels wie ein Besessener vor seiner Bank herum hüpfte.

Zuerst musste sich Solbakken über einen unberechtigten Foulelfmeter gegen sein Team und das 0:1 durch Mladen Petric (11.) ärgern, dann bejubelte er den Ausgleich durch Adil Chihi (21.).

"Kein Spiel für einen Trainer mit Herzschrittmacher"

Nach der Pause durchlebte er ein Wechselbad der Gefühle:

Führung durch Milivioje Novakovic (49.), 2:2 durch Slobodan Rajkovic (59.), HSV-Führung durch Heung-Min Son (62.), 3:3 durch Christian Clemens (84.) und schließlich McKennas Siegtreffer.

"Das war kein Spiel für einen Trainer mit Herzschrittmacher", sagte Solbakken, der seit zehn Jahren selbst einen "Pacemaker", wie der Norweger auf Englisch erklärte, trägt.

Solbakken beweist goldenes Händchen

Solbakken ging so sehr mit, dass er nach dem Spiel eine Hand verbunden hatte, weil er aus Ärger über ein HSV-Tor zu hart zugeschlagen hatte.

Mit seinen drei Einwechslungen bewies Solbakken hingegen ein goldenen Händchen.

Lukas Podolski, der die erste Halbzeit wegen den Folgen einer Grippe von der Bank aus verfolgte, bereitete mit seinem ersten Ballkontakt die zwischenzeitliche 2:1-Führung vor.

Clemens und der Kanadier McKenna drehten mit ihren Toren am Ende das Spiel.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren gewann Köln auswärts nach einem 0:1-Rückstand noch, zum ersten Mal ging Solbakken in der Bundesliga als Sieger vom Platz und kann mit neuer Gelassenheit in die Länderspielpause gehen.

Für Oenning geht es nach der Länderspielpause im Nordderby in Bremen am 10. September wohl um seine Zukunft - trotz Job-Garantie durch seinen Chef.

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