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Raul Bobadilla spielte von 2007 bis 2009 bei den Grashopper Zürich © getty

Im SPORT1-Interview spricht Raul Bobadilla über die neue Borussia, seine schwere Anfangszeit in Gladbach und Trainer Lucien Favre.

Von Reinhard Franke

München - Gladbach ist sicherlich eine Überraschung in der neuen Saison.

Nach der Wunderrettung zum Klassenerhalt in der letzten Saison, können die "Fohlen" mit einem Sieg bei Schalke 04 (ab 17 Uhr im LIVE-TICKER) schon zum zweiten Mal die Tabellenführung übernehmen (Datencenter: Bundesliga).

Auch Raul Bobadilla scheint endlich in Gladbach angekommen zu sein. Beim 4:1 gegen Wolfsburg hatte er mit einem Treffer und einer Vorlage großen Anteil am zweiten Saisonsieg.

Dabei war der Argentinier in der vergangenen Saison noch nach Griechenland ausgeliehen.

Der Stürmer spricht im SPORT1-Interview über seinen schweren Start in Gladbach, die Rolle seiner Familie und den Vater des Erfolgs.

SPORT1: Herr Bobadilla, die Borussia hat mit sieben Punkten aus drei Spielen einen fast perfekten Start hingelegt. Die Stimmung könnte nicht besser sein, oder?

Raul Bobadilla: Wir sind alle sehr glücklich nach den Siegen gegen Bayern und Wolfsburg. Gegen Stuttgart war es zwar nicht so gut, aber wir haben einen Punkt geholt. Es ist schön auf die Tabelle zu schauen, aber wir müssen auf dem Boden bleiben und weiter hart arbeiten.

SPORT1: Was ist das Erfolgsgeheimnis der neuen Borussia?

Bobadilla: Wir sind jetzt eine Mannschaft. Jeder Spieler läuft für den anderen.

SPORT1: Sie sind seit 2009 im Verein, doch erst jetzt scheinen Sie aufzublühen. Sie hatten im letzten Jahr keine leichte Zeit, wurden in der Rückrunde gar nach Griechenland ausgeliehen...

Bobadilla: Es war keine schöne Zeit für mich. In den letzten zwei Jahren war ich einfach nicht locker auf dem Platz. Mir fehlte der Spaß am Fußball. Deshalb war mein Kopf nicht frei. Ich will einfach neu anfangen und die letzten Monate vergessen.

SPORT1: Wie war die Zeit in Griechenland für Sie?

Bobadilla: Meine Freundin Johanna war zwar bei mir und ich habe mich auch wohl gefühlt, aber zum Fußballspielen ist es dort nicht so toll. Doch die Zeit war für mich ein guter Lernprozess.

SPORT1: Sind Sie ein schwieriger Typ?

Bobadilla: Nein, gar nicht. Ich bin ein ganz normaler, lieber Kerl. Die Leute sagen, dass ich schwierig bin, aber das ist nicht so. Ich muss mit den Mannschaftskollegen immer Spaß haben, muss jeden Tag lachen.

SPORT1: Trainer Lucien Favre kennt Sie noch aus seiner Zeit in der Schweiz. Er wollte Sie unbedingt wieder in Gladbach haben. Hat er Ihnen den Spaß zurückgegeben?

Bobadilla: Ja. Ich bin ihm sehr dankbar und muss noch sehr viel lernen unter ihm. Wenn ein Trainer sagt, dass er mich zurück will trotz der Fehler, die ich gemacht habe, dann ist das sehr gut. Und jetzt muss ich zeigen, was ich kann.

SPORT1: Ein Grund für Ihre tollen Leistungen jetzt ist gewiss auch Johanna, oder? Stimmt es, dass Sie ein Model ist?

Bobadilla: Ja, natürlich hat Sie auch mit dem neuen Bobadilla zu tun. Wir sind seit anderthalb Jahren zusammen und sie ist für mich sehr wichtig. Wir sind immer zusammen und sie macht einfach alles für mich. Sie gibt mir Kraft und ist der Grund für meine Leistungen jetzt.

SPORT1: Sie mussten in Gladbach auch mal Ihren Führerschein abgeben, weil Sie auf einer nächtlichen Tour mit Ihrem Vater alkoholisiert gefahren sind.

Bobadilla: Ja, keine schöne Sache, aber ich habe den Führerschein wieder. Darüber bin ich auch sehr froh.

SPORT1: Gibt es noch weitere Gründe, warum Sie sich plötzlich so wohl fühlen in Mönchengladbach?

Bobadilla: Ich bin locker und verspüre jetzt in jedem Training Spaß. Das hatte ich in der Vergangenheit nicht. Ich habe viel aus meinen Fehlern gelernt. Und ich muss noch mehr lernen. Ich kann mich endlich nur auf Fußball konzentrieren.

SPORT1: Sie sprechen Ihre Fehler an. Welche konkret?

Bobadilla: Ich war auf dem Platz zu ungehalten. Ich habe gemeckert nach einer Roten Karte und dann eben die Sache mit dem Alkohol. Das waren dumme Fehler. Für mich ist es aber vorbei. Jeder Mensch kann Fehler machen, aber er muss dann auch Entschuldigung sagen. Das ist wichtig. Das habe ich getan. Ich bin ruhiger geworden und werde nicht mehr so ausflippen.

SPORT1: Hat der Verein auch mit Ihnen darüber gesprochen?

Bobadilla: Nein, das habe ich selber kapiert. Da musste Herr Favre gar nicht groß mit mir reden. Ich muss dem Trainer jetzt zeigen, was ich kann. Das habe ich in Griechenland gelernt.

SPORT1: Die Borussia-Fans schweben nach den Siegen in München und gegen Wolfsburg auf Wolke sieben. Was ist auf Schalke drin?

Bobadilla: Wir werden alles geben, bleiben aber so auf dem Boden wie zuletzt. Unser toller Sieg gegen Wolfsburg (4:1, Anm. d. Red.) ist vorbei. Wir wollen auch auf Schalke drei Punkte entführen.

SPORT1: Und was kann die Borussia in dieser Saison erreichen?

Bobadilla: Wir müssen noch viel arbeiten, alle zusammen für den anderen, dann kommt alles von alleine. Das Klima in der Truppe ist super. Wir sind nicht elf Freunde, sondern 22. Auf dem Platz oder in der Kabine. Das ist wichtig für jeden einzelnen.

SPORT1: Und der Vater des Erfolgs ist Lucien Favre?

Bobadilla: Ja. Er redet mit jedem Spieler, weist jeden auf seinen Fehler hin. Sobald einer im Training einen Fehler macht, kommt Favre zu dir und nimmt sich die Zeit es zu erklären. Das ist so verdammt wichtig für einen Spieler.

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