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Schwere Zeiten beim HSV: Trainer Michael Oenning (l.) und Sportdirektor Frank Arnesen © dpa Picture Alliance

Arnesen redet die Krise noch immer schön. Mit Sons Verletzung gibt es den nächsten Tiefschlag, Elia steht vorm Absprung.

Von Christian Paschwitz

München - Wie tief geht es noch?

Nach dem bitteren 3:4 (1:1) im Kellerduell gegen den 1. FC Köln nach zwei Last-Minute-Gegentoren taumelt der Hamburger SV nur noch durch die Liga. (Nachbericht)

Die Fans waren derart entsetzt, dass sich bei Abpfiff das Pfeifkonzert genauso schwach ausnahm wie zuvor die Leistung der HSV-Akteure.

Vier Spiele, wieder kein Dreier, saisonübergreifend seit elf Partien sieglos, mit 14 Gegentreffern Schießbude der Liga, Tabellenletzter: Den Hanseaten, letztes noch nie abgestiegenes Gründungsmitglied der Bundesliga, droht der Total-Absturz am Ende der in der Sommerpause doch noch als Umbruch ausgerufenen Saison.

"Niederlage nicht Oenning anrechnen"

Allein die Klub-Verantwortlichen beschönigen die dramatische Situation - und nehmen Erfolglos-Coach Michael Oenning demonstrativ in Schutz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Man hat doch gesehen, dass wir viel besser gespielt haben", sagte Sportdirektor Frank Arnesesen am Tag nach der Pleite auch gegenüber SPORT1.

Und ergänzte: "Die Niederlage können wir nicht Herrn Oenning anrechnen". 446208(DIASHOW: Der 4. Spieltag)

Durchhalteparolen - Realitätsverlust?

Es sind Durchhalteparolen, die den drohenden Auflösungserscheinungen entgegen wirken sollen.

Doch es klingt wie Realitätsverlust, wenn Arnesen behauptet: "Zwei Sachen sind doch positiv gewesen: Es war das beste Spiel, dass wir bisher gemacht haben. Wir haben auch gut gestanden, vor allem in der nnenverteidigung. Und das Mittelfeld war kreativ."

Dabei brennt es beim HSV, der schon wie gegen Hertha BSC (2:2) den Sieg her schenkte, tatsächlich an allen Ecken und Enden, beginnend schon auf der Torhüter-Position.

Drobny völlig außer Form

Wie gegen Hertha patzte Jaroslaw Drobny folgenschwer, ermöglichte nach einer schwachen Faustabwehr den Kölner Siegtreffer durch Kevin McKenna (88.). Umso erstaunlicher, dass die Akteure den Ernst der Lage offenbar noch immer nicht richtig begriffen haben:

[kaltura id="0_yik9ebf3" class="full_size" title="Arnesen sieht Verbesserung"]

"Wir haben es gut gemacht über 90 Minuten, sind auf einem guten Weg. Bei Werder (nächstes Spiel, Anm. d. Red.) werden wir ein Feuerwerk abbrennen", erklärte Kapitän Heiko Westermann.

Nationalspieler Dennis Aogo ergänzte wiederum: "Wir sind nicht im Abstiegskampf."

Nur Rajkovic sichtlich in Sorge

Als einer der wenigen scheint nur Slobodan Rajkovic erkannt zu haben, wie tief der HSV im Schlammassel steckt: "Wir müssen zusammenhalten, sonst bekommen wir große Probleme", so der Neuzugang vom FC Chelsea.

Der künftige Zusammenhalt auf dem Platz stößt indes schon verletzungsbedingt an seine Grenzen. Denn nun bangen die Hanseaten auch noch um Stürmer Heung Min Son: Gegen die Kölner war der Südkoreaner nach einem Kopfball-Duell mit dem rechten Fuß umgeknickt.

Am Montag muss sich Son, der in der 75. Minute ausgewechselt worden war, nachdem er zuvor seinen zweiten Saisontreffer zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung erzielt hatte (62.), einer Kernspintomographie unterziehen.

Elia zu Galatasaray?

Auch anderweitig dünnt der HSV aus:

Eljero Elia steht offenbar kurz vor dem Absprung, es gebe mehrere Interessenten für den Niederländer, bestätigte Arnesen. "Er hat kein Problem damit, hier bleiben zu müssen. Aber die Tür ist ein bisschen offen."

Die "Sport Bild" berichtet, der 24-Jährige stehe vor einem Wechsel zu Galatasaray Istanbul, nachdem kürzlich bereits der FC Arsenal als Interessent gehandelt worden war.

Arnesen kündigt Verstärkungen an

Angeblich sind die Türken bereit, neun Millionen Euro zu zahlen.

Für einen Wechsel von Elia, der damit eine Menge Geld in die klammen HSV-Kassen spülen würde, spricht auch, dass Arnesen einen weiteren Transfer ankündigte:

Es sei klar, dass noch einer kommt. "Ich habe ein paar Spieler auf dem Zettel. Es ist klar, dass wir da etwas probieren", so der Sportdirektor auch gegenüber SPORT1.

Transfer-Zeit rinnt davon

Ähnlich äußerte sich im "Hamburger Abendblatt" auch Klubchef Carl-Edgar Jarchow, der Oenning bereits mehrfach das Vertrauen aussprach:

"Wir müssen uns sicher noch einmal umschauen und sind dabei, alle Möglichkeiten zu prüfen. Die finanziellen Reserven sind aber nicht da. Wir müssten jemanden abgeben, um jemanden zu holen."

Hierfür bleibt allerdings nur noch bis Mittwoch Zeit - dann schließt das Transferfenster. Zumindest davor sollten die HSV-Verantwortlichen nicht die Augen verschließen.

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